WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Universal Design Einfach, handlich, verständlich

Gute, gelungene Formen sind längst kein Privileg mehr von Einrichtungsgegenständen. Gestalter nehmen sich von Druckmaschinen über Bohrmaschinen bis zu Kleiderbügeln alltäglicher Gegenstände an.

„We love machines“ heißt der Wahlspruch der Münchner Designer Tim Wichmann (links) und Christian Jaeger.

Der Weg zum Einfachen ist manchmal ganz schön kompliziert. Wie der zur KaiKai Company in Münchens Maxvorstadt. Erst geht es durch einen Hinterhof, vorbei an einem halben Dutzend Rädern, dann über knarrende Holzstufen hinauf, ins Chefbüro, das sich die beiden Diplom-Designer Christian Jaeger und Tim R. Wichmann teilen. An der Wand steht der Regalklassiker von USM, auf der Fensterbank ein Modell des Batmobils.

Die Gewinner des RedDot Design Awards
Lexon SAS Wecker FlipDraufhauen, aus dem Fenster werfen, in einen Eimer Wasser schmeißen - den Wecker am Morgen zum Schweigen zu bringen geht auch eleganter. Das Modell Flip wird einfach umgedreht. Dank der Schrift auf dem Gehäuse sieht der Nutzer selbst in den frühen Stunden, ob der Wecker an oder ausgeschaltet ist. Design: Adrian Wright, Jeremy Wright Preis: 39 Euro Quelle: Presse
Braas PV Premium SolarziegelMit den ersten Sonnenstrahlen liefern Solarpaneele Strom. Die von Braas verschwinden optisch und nehmen dem Haus nichts von seiner eleganten Wirkung. Design: Alexander Flebbe Quelle: Presse
Axor Badarmatur Starck OrganicDie Armatur soll kein Rätsel aufgeben, wo heiß oder kalt ist, und außerdem das Auge ansprechen. Diese tut das mit fließenden Formen. Design: Philippe Starck Preis: 450 Euro Quelle: Presse
Berliner Stadtreinigungsbetriebe Mülltrennungssystem New OrderDie "völlig neue" Herangehensweise an das Thema Mülltrennung lobten die Juroren. Design: böttcher+henssler Preis: 117 Euro Quelle: Presse
Joiebaby Kinderwagen BriskDer Fußtritt ist Vergangenheit. Mit der Hand wird am Griff der Faltmechanismus des Buggys gelöst, zudem kann er Säuglinge auch ohne Babyschale transportieren. Design: In-House Preis: 200 Euro Quelle: Presse
Auf dem Weg zur Arbeit sind es weiße Linien, wie hier in Kopenhagen, die uns daran erinnern, dass städtische Plätze Raum für Begegnungen schaffen. Sie tragen dazu bei, die Atmosphäre einer Stadt zu verbessern. Quelle: Presse
Sony SmartWatchUhrzeit, Twitter-Account oder Musik – am Handgelenk hält die „Uhr“ per Bluetooth Kontakt zum Smartphone, das in der Tasche bleiben kann. Design: Sony Mobile UX Creative Design Team Preis: 89 Euro Quelle: Presse

Nein, das sei kein Vorbild, winken die beiden Männer ab, das sei ganz erbärmlich gestaltet. Die KaiKai Company hat sich auf Industrieanlagen spezialisiert, die anderthalb Jahrzehnte oder länger in Betrieb sind und gut und gern zweistellige Millionenbeträge kosten. "We love machines", lautet ihr Wahlspruch. Auftraggeber sind Ingenieure, für die innere Werte zählen: die Leistungsdaten ihrer Maschinen. Design gilt in dieser Branche als vernachlässigbar.

Das könnte sich ändern. Da wäre etwa die Colorman E:Line von Manroland, eine Rollenoffsetdruckmaschine, die aussieht, als hätte George Lucas Pate gestanden beim Entwurf. Science-Fiction zum Anfassen. Wie riesige Tintenpatronen liegen die Druckwalzen übereinander. Ihre hochglänzend weißen Flächen erinnern an das Visier der Sturmtruppen aus "Krieg der Sterne". Alles wirkt aufgeräumt. Clean. Und das mit gutem Grund. Sauber soll es in der Produktion zugehen, klar und effizient. 90.000 Zeitungen spuckt die Anlage pro Stunde aus, zwei Falzwerke rotieren mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12,75 Metern pro Sekunde.

Die Druckmaschine Colorman E:Line von Manroland wirkt wie Science-Fiction zum Anfassen. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Die rund 250 Tonnen schwere Anlage mit ihren vier Drucktürmen lässt sich per Fingerwischen steuern, fast wie ein überdimensionales Handy. "Design sollte die revolutionäre Technik widerspiegeln", erklärt Wichmann, der ganz neue Fragen beantworten musste. Zum Beispiel: Wie teilt eine Maschine eigentlich mit, dass sie zu wenig Kühlflüssigkeit hat? Die Antwort der "Jungs von KaiKai", wie sie sich selbstironisch bezeichnen: Leuchtlinien an der Verkleidung zeigen ihren inneren Zustand an. Diese Kommunikation funktioniert wie ein Ambient-Light in der Bar nach Feierabend. Blau steht für Automatikbetrieb, Gelb gibt einen Warnhinweis, Grün heißt alles in Ordnung. Und Rot? "Achtung, sofort Handeln", bricht es aus Wichmann heraus.

Design spielt nicht nur beim Offsetdruck eine große Rolle. Sanft leuchtende Töne und klare Formen stehen in einem größeren Kontext, einem funktionalen Zusammenhang. Es geht um Ergonomie. Und Betriebssicherheit. Wie steigert Produktdesign die Kommunikation von Mensch und Maschine? Schließlich bedienen immer weniger Fachleute die Millionenanlagen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%