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Videokonferenzen Chat statt Jet

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medwedew Videokonferenz Quelle: Getty Images

Davon will künftig auch die Deutsche Telekom profitieren – auf der Cebit hatte das Unternehmen ein Konzept für das Leasing solcher Systeme vorgestellt. Auch Konkurrent O2 denkt darüber nach, seine bislang ausschließlich intern genutzten Geräte künftig auch externen Kunden anzubieten.

„Video ist die Killer-Applikation der Zukunft“, sagt Michael Ganser, Deutschland-Chef des US-Netzwerkunternehmens Cisco, das seinen Marktanteil in dieser Sparte auf rund eine Milliarde Dollar beziffert. Vor einigen Monaten hat Cisco den norwegischen Konzern Tandberg übernommen, einen der größten Hersteller von Videokonferenzsystemen weltweit – für rund drei Milliarden Dollar. „Alle Unternehmen beschäftigt die Frage, wie sie ihre Geschäftsprozesse an eine immer stärker virtuelle Welt anpassen“, sagt Ganser.

Auch der DFB setzt künftig auf Videotechnik von Cisco – was Bundestrainer Joachim Löw die Möglichkeit gibt, mit seinen Assistenztrainern und dem Teammanager Oliver Bierhoff die neuesten taktischen Kniffe und organisatorischen Probleme zu besprechen. Ganz bequem, jeder von seinem eigenen Sofa aus.

Jedes dritte Unternehmen nutzt Besprechungen am Bildschirm

Auch weil die Technologie sich deutlich weiterentwickelt hat und die Preise gesunken sind. Früher war der Rückgriff auf Videokonferenzen meist Großkonzernen vorbehalten, die sich die teuren Geräte leisten konnten. Heute sind Systeme, die Beiträge der Kollegen an anderen Standorten ruckelfrei und gut hörbar ins Büro übertragen, auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich. Breitbandverbindungen gehören inzwischen zum Standard, die Bild- und Tonqualität sind gestiegen, die Preise für Elektronik gesunken.

Jedes dritte Unternehmen nutzt heute bereits Besprechungen am Bildschirm, sagt der Verband Deutsches Reisemanagement. Und das nicht etwa wegen unerwarteter Naturkatastrophen. Viel wichtiger: Die Unternehmen sparen so Geld – und die Mitarbeiter Nerven. 46 Prozent der Fach- und Führungskräfte finden, dass Geschäftstrips Stress auslösen, so eine Umfrage des Hamburger Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung unter 716 europäischen Managern im vergangenen Jahr. Wer mehr als 50 Mal im Jahr unterwegs ist – für Top-Manager keine Seltenheit – sehe seine Work-Life-Balance erheblich gestört.

Dienstreisen sind Zeit- und Kostenfresser

Kein Wunder bei all den Strapazen, denen sich Manager auf Tour täglich aussetzen: lange Wartezeiten an Bahnhöfen, Verspätungen am Flughafen, nervige Mitreisende im Flieger.

Hinzu kommt: Die Zeit auf Reisen lässt sich kaum produktiv nutzen. Acht von zehn europäischen Unternehmen betrachten Dienstreisen als Zeit- und Kostenfresser. Schätzungen zufolge arbeiten die Geschäftsreisenden nur 55 Prozent der Zeit – den Rest verbringen sie mit Warten, Warten, Warten. „Entscheider setzen deshalb vermehrt auf moderne Videokonferenzlösungen“, sagt Diethelm Siebuhr, Geschäftsführer von Easynet Global Services, dessen Unternehmen solche Systeme anbietet. „Das senkt nicht nur die Reisekosten, sondern erspart den Leistungsträgern unnötige Strapazen.“

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