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Videokonferenzen Chat statt Jet

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Cisco spart durch den Einsatz Quelle: AP

Und den Konzernen viel Geld. Die IT-Beratung Accenture beispielsweise verzichtete durch virtuelle Besprechungen im Mai 2008 auf 240 internationale Geschäftsreisen und 120 Inlandsflüge. Ersparnis pro Monat: eine Million US-Dollar. Cisco, das im eigenen Unternehmen rund 6000 Videokonferenzen pro Woche abhält, hat dadurch in den vergangenen drei Jahren nach eigenen Angaben rund 450 Millionen Dollar Reisekosten gespart – und gleichzeitig die eigene Produktivität um 169 Millionen Dollar gesteigert.

Der Trend zur Videokonferenz freut auch die Umwelt. Durch webbasierte Technologien könnte immerhin jede fünfte Geschäftsreise weltweit wegfallen, ergab eine Studie der Global E-Sustainability Initiative, einem Zusammenschluss von Technologiekonzernen wie Nokia, Motorola oder der Deutschen Telekom.

Kaum ein Büro kommt heute ohne Besprechung aus. Sieben Meetings besucht der durchschnittliche Angestellte pro Woche, fand das Institut LM Research & Marketing Consultancy vor einiger Zeit bei einer Umfrage unter 2500 Bürokräften heraus. Jede fünfte Konferenz dauert länger als fünf Stunden.

Das Problem: Diskutieren die Teilnehmer nur noch via Bildschirm, braucht es nicht nur einwandfreie Technik – althergebrachte Führungsprinzipien und bequeme Routinen haben ausgedient: „Führen über Distanz“, sagt Organisationsforscherin Hofmann, „erfordert neues Denken. Es fördert und fordert mehr Vertrauen in immer qualifiziertere Mitarbeiter.“

Plausch in der Kaffeeküche kaum ersetzbar

Soll heißen: Ergebnisorientierung und Fachwissen schlagen Hierarchiegläubigkeit, Projekte müssen langfristiger und vor allem mit größerer Zuverlässigkeit geplant werden, die gesamte Kommunikation erfordert ein hohes Maß an Disziplin.

Das gilt auch für die Videositzungen selbst – sonst verkommt das virtuelle Treffen zur fruchtlosen Laberei. Schon heute geht es vielen so wie Louis van Gaal, Trainer des FC Bayern München. „Man muss sich sehen, wenn man miteinander redet. Sonst bleibt alles kalt“, sagte er in der vergangenen Woche der „Süddeutschen Zeitung“.

So denkt auch die Mehrheit der Büroarbeiter: Trotz aller modernen Technik kommunizieren 72 Prozent der Erwerbstätigen mit ihren Kollegen am liebsten von Angesicht zu Angesicht, wie eine Umfrage des Karriereportals Monster unter knapp 5000 deutschen Arbeitnehmern im Mai 2009 ergab. „Ausschließlich über elektronische Helferlein zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, das funktioniert nicht“, sagt auch Organisationsberaterin Hofmann. „Der kurze Blick über den Schreibtisch, ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche – das ist nur schwer zu ersetzen und wesentlich für den sozialen Kitt im Unternehmen.“

Dirk Schmalenbach sieht das genau- so. Für den Partner der internationalen Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer gehören Videokonferenzen zwar inzwischen zum Alltag. Derzeit installiert die Kanzlei neue, schnellere Systeme in ihren 27 Büros weltweit. Das erleichtere die Kommunikation erheblich, sagt Schmalenbach. Dennoch gibt es Besprechungen, die er lieber nicht via Bildschirm führen will – etwa wenn sich die Teilnehmer nicht kennen, geschicktes Verhandeln notwendig ist oder Kreativität gefragt ist: „Dann setzen wir lieber auf persönliche Präsenz.“

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