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Vorsätze für die Karriere Wie Sie Ihre Job-Ziele konsequenter verfolgen

Mit dem Jahreswechsel beginnt für viele die harte Arbeit an den eigens gesetzten Vorsätzen - beruflich wie privat Quelle: dpa

Weniger Fleisch essen, mehr Sport treiben - gute Vorsätze fürs neue Jahr sind im Privaten gang und gäbe. Doch auch im Beruf können sie hilfreich sein, wenn sie richtig eingesetzt werden.

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Jedes Jahr in der letzten Dezemberwoche nimmt Michael Fridrich sich Zeit für seine guten Vorsätze: sechs berufliche, vier private. Er schreibt sie auf, fein säuberlich in einer Exceltabelle – zumindest die beruflichen. „So sehe ich jeden Tag, wenn ich den Rechner hochfahre, wo ich mit meinen Zielen stehe und ob ich entsprechend nachsteuern muss“, sagt der Berater und Führungskräftecoach aus Aachen. Das sei wichtig, denn was nicht verschriftlicht ist, gerate schnell in Vergessenheit. Da geht es um Neukunden, Umsatzziele, Videoaufrufe in den sozialen Netzwerken. Für Fridrich ist diese Ernsthaftigkeit, mit der er seine Ziele auswählt, formuliert und dann verfolgt, der wichtigste Schritt zum Erfolg. „Ob ich meine Vorsätze erfülle oder sie verfehle, hängt stark von meiner Haltung ab“, sagt er. (WiWo Coach: Wie Sie mit der Angst umgehen, die eigenen Ziele zu verfehlen, erfahren Sie hier.)

Jeder kennt die Geschichten von Mitgliedschaften im Fitnessstudio, die spätestens ab Februar zwar noch bestehen, aber nicht mehr genutzt werden. Von ehemaligen Ex-Rauchern, die schon am ersten Wochenende im neuen Jahr wieder im Kiosk stehen und Zigaretten kaufen. Aber eben auch von Anmeldeformularen zu Weiterbildungen, die zwar angefordert und ausgefüllt, aber niemals abgeschickt wurden. Doch wieso lassen wir gute Vorsätze fallen? Wie müssen wir sie formulieren, damit sie uns wirklich helfen? Und welche Besonderheiten müssen wir beachten, wenn es um den Job geht?

Hindernisse im Auge behalten

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Marie Hennecke, Psychologieprofessorin an der Universität Siegen. Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie aktuell die Neujahrsvorsätze der Deutschen und hat schon in der Vergangenheit nachweisen können, dass wir am Monatsende anders über unsere Ziele nachdenken als zu jedem anderen Zeitpunkt. "Diese zeitlichen Grenzen verleiten Menschen dazu, die positiven Effekte zu fokussieren, die auf sie warten, wenn sie ihr Ziel erreichen.“ Dann blendeten sie Hindernisse und Schwierigkeiten aus, die auf dem Weg dorthin stehen. Das gute Gefühl, endlich wieder in die Hose zu passen, ist am Jahresanfang sehr präsent, während der Verzicht auf Schokolade schlicht verdrängt wird. Doch genau darin liegt das Problem. 

„Grundsätzlich sind solche Vorsätze auch im Job zu begrüßen“, sagt die Wissenschaftlerin. „Denn selbst gesteckte Ziele wirken sich positiv auf die Leistung aus. Das ist vielfach nachgewiesen. Allerdings ist es wichtig, sich die Hindernisse vor Augen zu führen und dann Schritt für Schritt zu planen.“

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    Das beginnt schon bei der Auswahl der Ziele: Im beruflichen Alltag sind Menschen häufig weniger selbstbestimmt als bei der Freizeitplanung. Daher ist es laut Experten wichtig, sich auch im Job ein Ziel zu setzen, das für einen selbst attraktiv ist. „Wer sich etwas vornimmt, nur weil es ihm vom Chef oder den Kollegen nahegelegt wird, wird dieses nicht so erfolgreich umsetzen“, sagt Hennecke. Auf der anderen Seite können solche selbstgesetzten Ziele im Arbeitskontext schnell durch äußere Zwänge torpediert werden. Hat man sich etwa vorgenommen, im neuen Jahr weniger Überstunden zu machen, und der Chef überträgt einem ein weiteres Projekt, steht schon der erste Konflikt ins Haus.



    Solche Hindernisse sollten im Vorfeld bedacht und Lösungen dafür entwickelt werden. Kann etwa ein Kollege oder eine Kollegin Aufgaben übernehmen? Kann ich nach dem Projekt meine Stunden für eine gewisse Zeit reduzieren? Kann ich eine geplante Fortbildung verschieben?

    Wichtig ist, dass man seine Ziele im Vorfeld mit seinen Vorgesetzten bespricht – und das nicht nur einmal im Jahr. Dieser Meinung ist auch Berater Fridrich. Er rät Angestellten wie Führungskräften mehrmals im Jahr die gesteckten Ziele zu überprüfen. „So können beide Seiten gegensteuern, wenn es weniger gut läuft“, sagt er. Außerdem könne durch solche Gespräche die Motivation aufrecht erhalten werden, die über das Jahr hinweg nachweislich abnimmt. Das belegte jüngst eine Untersuchung der US-amerikanischen Duke Universität, die das Engagement, die Zuversicht und den Fortschritt von Neujahrsvorsätzen über den Jahresverlauf untersuchte.

    Ziele: So funktionieren die SMART-Regeln

    Ein weiteres Problem ist die Formulierung der guten Vorsätze. Wer es wirklich ernst meint, sollte sich an die sogenannten SMART-Regeln halten, die Managementvordenker Peter Drucker schon in den Fünfzigerjahren formulierte. Demnach sollten Ziele, wie auch gute Vorsätze, spezifisch, messbar, attraktiv, relevant und terminiert sein.

    Sich einfach nur vorzunehmen, im kommenden Jahr weniger Überstunden zu machen oder mehr Kunden zu werben, reicht nicht. Diese Ziele sind zwar attraktiv, relevant und terminiert, aber eben weder spezifisch noch messbar. „Es braucht exakte Werte, die ich auch überprüfen kann“, sagt Marie Hennecke. Also: Nicht mehr als drei Überstunden pro Woche. Oder: 20 neue Kunden fürs kommende Jahr. Für solche Langfristziele empfiehlt die Psychologin außerdem, sich zwischendurch Meilensteine zu setzen. Wer also nach den ersten drei Monaten noch nicht einen neuen Kunden gewonnen hat, weiß: Es ist Zeit, etwas zu ändern.

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    Doch so geläufig die SMART-Regeln sind, so selten werden sie genutzt, stellt Berater Fridrich immer wieder fest. „Viele denken, der genaue Wortlaut sei nicht so relevant. Das Gegenteil ist der Fall.“ Seiner Meinung nach sollten sich sowohl Angestellte als auch deren Führungskräfte mehr Zeit nehmen, um konkrete und umsetzbare Ziele zu formulieren. Ebenfalls sei es ratsam, die Latte ruhig etwas höher zu legen. „Wenn der Markt im nächsten Jahr um drei Prozent wächst, nehme ich mir sechs Prozent vor“, sagt Fridrich. Und appelliert dabei an den Ehrgeiz der Menschen. „Wer will denn schon durchschnittlich sein?“ Wenn man dann um fünf Prozent wachse, habe man zwar sein Ziel verfehlt, sei aber immer noch besser gewesen als der Durchschnitt.

    Zu einem ähnlichen Schluss kamen die beiden Wissenschaftler Edwin A. Locke von der Universität Maryland und Gary Latham von der Universität von Toronto. Sie haben dazu in einer umfassenden Metastudie Forschung aus 35 Jahren zur Zielsetzung zusammengefasst. Ein zentrales Ergebnis: Hochgesteckte Ziele bewirken mehr Engagement, solange sie nicht unerreichbar scheinen.

    Mehr zum Thema: In seiner Kolumne „Karriereleiter“ gibt Marcus Werner Tipps für Ihren Berufsaufstieg. Ob Rhetorik, Präsentationen oder Körperhaltung: wie Sie den Büroalltag überstehen und im Job vorankommen.

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