Wellness-Urlaub Die gute alte Kur ist sexy geworden

Einst wollten Urlauber schlemmen und faulenzen, heute suchen sie gesunde Alternativen. Richtig verwöhnt werden und entspannen können Sie bei diesen Wellnessanbietern.

Faulenzen im Urlaub ist nicht mehr in, jetzt gibt es Diät und Sport Quelle: Martin Morell

Früher gingen die Menschen zur Kur. Sie fuhren an eher biedere Orte wie Bad Reichenhall im Berchtesgadener Land, Leukerbad im Schweizer Wallis oder Abano Terme in den norditalienischen Bergen – weil ihr Arzt den Aufenthalt empfohlen hatte und sie dort vor allem der Hitze des Sommers entkommen konnten. Heute fliegen viele Menschen lieber in Wellnesshotels nach Indien oder Spanien – weil ihre Freunde es empfohlen haben oder sie der Kälte des Winters entkommen wollen. Die gute alte Kur ist sexy geworden. Auch dank ein paar findiger Unternehmer, die sie gerade neu erfinden.

Heilkunde, Medizin und Entspannung

Veer Singh ist einer davon. Der Inder ist Spross einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, studierte am Imperial College in London Physik und wollte einst Biobauer werden. Im Januar 2014 eröffnete er Vana, ein Wellnesshotel in den Ausläufern des Himalaja. Die Anlage ist großzügig angelegt, für die Anwendungen stehen allein sechs Gebäude und 55 Behandlungskabinen bereit. Koryphäen der ayurvedischen Heilkunde treffen hier auf tibetische Mediziner und Akupunkteure. Die Gäste, so verspricht es das Hotel, sollen ihr Wohlbefinden gezielt steigern. Nichts soll sie ablenken.

Das sind die besten Wellness-Anbieter
Como ShambhalaGründerin und Inhaberin Christina Ong gestaltete Shambhala nach ihren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen. In den luxuriösen Anlagen wird eine Kombination aus antiken fernöstlichen Heilmethoden und moderner westlicher Wissenschaft propagiert. Im Mittelpunkt stehen Yoga, Massagen und Anti-Aging-Programme. Weltweit gibt es acht Anlagen: zwei in Bhutan, zwei auf den Malediven, zwei auf Bali, eines auf Phuket und eines auf den Turks- und Caicosinseln in der Karibik. Als Highlight der Gruppe gilt das Resort bei Ubud auf Bali. Das etwa 70 000 Quadratmeter große Grundstück liegt mitten im Urwald, hoch über dem Ayung-River-Tal. Die Gästezimmer und vor allem die großen, zur Natur offenen Pool-Villen könnten kaum schöner sein. Tagessatz ab 630 Dollar, inklusive Halbpension und Massage. comoshambhala.com Quelle: Martin Morell
Vana, IndienDas nordindische Retreat besteht aus mehreren puristischen Gebäuden, die zwischen Eukalyptus-, Guava- und Limonenbäumen stehen. Die Gäste wohnen in großen, hellen Zimmer und Suiten, mit Bambusholz auf den Böden und Sandstein an den Wänden. Das Gesundheitskonzept verbindet orientalische Therapien, Yoga, Fitness und Ernährung. Wer nicht gerade auf der Massageliege vierhändig behandelt wird, kann ein paar Runden im Pool schwimmen oder sich auf die nächste Mahlzeit freuen. Mindestaufenthalt: fünf Tage. Kosten: etwa 335 Euro pro Tag, inklusive Mahlzeiten und zwei Anwendungen. vanaretreats.com Quelle: PR
Lanserhof, Deutschland/ ÖsterreichWeil das Mutterhaus bei Innsbruck zu klein und die Warteliste immer länger wurde, eröffnete Mitinhaber Christian Harisch 2014 ein zweites Haus am Tegernsee. Nach drei Jahren Planung und einer 70-Millionen-Euro-Investition können Urlauber seit Anfang 2014 die Therapien nutzen. Im Mittelpunkt: Entgiftung, Entschlackung, Entsäuerung. Fußreflexzonen- und Kopfmassagen gehören ebenso dazu wie Kneippwanderungen und Entspannungstraining. Der Lanserhof in Tirol gewann 2015 zum siebten Mal in Folge einen Preis als Best Medical Spa. Mindestaufenthalt eine Woche, das Basisprogramm kostet 3760 Euro. lanserhof.com Quelle: Alexander Haiden
Kamalaya, ThailandDas mehrfach ausgezeichnete Resort steht in einer tropischen Gartenanlage zwischen Lilienteichen und duftenden Frangipani-Bäumen an der Südküste von Koh Samui. In der Anlage befindet sich eine Tempelhöhle, in der sich früher buddhistische Mönche zum Meditieren versammelten. Angeblich vermittelt das den Gästen bis heute Ruhe und Zufriedenheit. Schlaflosigkeit wird hier ebenso behandelt wie Stress oder Übergewicht. Als weiteres Highlight gilt die frische und kalorienarme Thaiküche aus lokalen Bioprodukten. Drei Tage Relax & Renew kosten etwa 1000 Euro, sieben Tage Basic Detox 2300 Euro. kamalaya.com Quelle: PR
Lefay Resort & Spa, ItalienDer Gardasee ist eigentlich kein Ziel für Wellnessreisende. Doch das Lefay Resort in Gargnano befindet sich in einem elf Hektar großen Park, in sicherer Entfernung zum Trubel an der Promenade. Nur der Blick auf den See verrät den Standort des Fünf-Sterne-Hotels. Die Behandlungen basieren auf einem Gesprächsteil und einer Puls-, Zungen- und Haltungsdiagnose. Je nach Bedarf wird ein Therapieplan zusammengestellt, der sich mit Schmerz-, Stimmungs- und Schlafproblemen beschäftigt. Eine Übernachtung ohne Verpflegung kostet mindestens 235 Euro, drei Tage mit Behandlung 990 Euro all inclusive. lefayresorts.com Quelle: PR
The Ranch at Live Oak, USADas „no options, low impact“-Programm enthält acht Stunden Fitness täglich, inklusive Muskelaufbautraining, Wassergymnastik, Yoga und Massagen. Morgens um fünf werden die Gäste geweckt, auf das Stretching folgt eine mehrstündige Wanderung durch die Santa Monica Mountains. Wer sich für diese Art von Urlaub entscheidet, wird darauf vorbereitet – die Gründer raten von Alkohol, Kaffee und Zucker ab. Als Entschädigung dürfen die Gäste eines der 16 Cottages beziehen und sich am gemeinschaftlichen Esstisch mit vegetarischer Küche verwöhnen lassen. Eine Woche kostet 6800 Dollar. theranchmalibu.com Quelle: PR
Sha Wellness Clinic, SpanienDas Gesundheitsresort inmitten des Naturparks Sierra Helada wurde 2008 von Alfredo Bataller Parietti gegründet. Der Argentinier setzt auf Makrobiotik, also eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Getreide und Gemüse. Das Resort bietet 93 Suiten mit viel Glas und viel Weiß. Dazu kommt die Aussicht auf das Mittelmeer. Der Wellnessbereich wurde kürzlich auf 3000 Quadratmeter erweitert. Neben der Ernährung können die Gäste ein Anti-Aging-Programm buchen, auf Wunsch inklusive Rauchentwöhnung und Schlaflabor. Vier Tage Behandlung kosten 1100 Euro, das Einzelzimmer 260 Euro pro Nacht. shawellnessclinic.com Quelle: PR

Nach Angaben des „Oxford English Dictionary“ entstand der Begriff Wellness (Wohlbefinden) als Gegenstück zu Illness (Krankheit) bereits im 17. Jahrhundert. Doch die moderne Wellnessbewegung begann erst in den Siebzigerjahren. Damals entwickelten die Amerikaner Donald Ardell und John Travis neue, ganzheitliche Gesundheitsmodelle. Sie zielten nicht nur auf die Abwesenheit von Krankheiten, sondern auf einen Zustand von physischer, mentaler und sozialer Zufriedenheit.

Tipps zum richtigen Entspannen

Seitdem wurde der Begriff zu einem Modewort, anwendbar auf sämtliche Produkte: Drinks, Duftkerzen, Haarshampoo. Besonders weit brachte es das Kuschelprädikat im Tourismusbereich. Wellnessurlaube gelten als wichtigster Trend in der Reisebranche – und als mächtiger Wirtschaftsfaktor.

Die Suche nach der gesunden Option

Laut einer Studie des Stanford Research Institute (SRI) belief sich der weltweite Umsatz mit Wellnessreisen im Jahr 2013 auf 494 Milliarden Dollar. Jeder siebte Touristen-Dollar floss in diesen Bereich. Wächst der Markt wie prognostiziert weiterhin um zehn Prozent jährlich, rechnet die Branche 2017 mit einem Umsatz von 678,5 Milliarden Dollar. Das wären 16 Prozent aller durch Urlaub erwirtschafteten Einnahmen.

Die Urlaubs-Trends 2015

Grund dafür ist ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel. „Jahrzehntelang wurde Urlaub mit Exzessen in Verbindung gebracht“, sagt SRI-Forscherin Ophelia Yeung, „zu viel Essen, zu viel Trinken und zu wenig Schlaf führten dazu, dass es vielen Reisenden am Ende ihrer Ferien schlechter ging als davor.“

Damit sei es nun vorbei: „Urlauber suchen nach gesunden Optionen.“

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Davon wollen auch jene Anbieter profitieren, die sich im Verbund der Healing Hotels of the World zusammengeschlossen haben. Dazu gehören derzeit weltweit 106 Hotels und Resorts, darunter auch das Kamalaya. Thailands preisgekröntes Wellness Sanctuary bietet ideale Voraussetzungen: Die Bungalows stehen inmitten üppigen Grüns auf Koh Samui. Die Gäste bleiben ein bis zwei Wochen, solch ein Mindestaufenthalt ist meistens tatsächlich Pflicht.

Offenbar muss man manche Menschen ein wenig zu ihrem Glück zwingen. Mit Erfolg: „Die meisten verlassen das Resort während des Aufenthalts kein einziges Mal“, sagt Kamalaya-Chef John Steward.

So ändern sich die Zeiten. Früher wollten die Menschen ein Kurhaus so schnell wie möglich verlassen, heute bleiben sie gerne länger.

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