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Werner knallhart

Whatsapp, iMessage, SMS - Wann darf man noch anrufen?

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Es menschelt beim Telefongespräch

Einfacher: aufgezeichnete Audionachrichten senden. Dann hört der andere Ihre Stimme. Ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich Kommas und Fragezeichen mitgesprochen habe, obwohl das natürlich lächerlicher Unsinn ist. Naja. Der Trott. Aber so verändert die Technik unsere Sprache.

Was an Whatsapp Kopfschmerzen bereitet

Das Telefongespräch hat gegenüber der Textnachricht und dem Hin- und Her an Audionachrichten einen entscheidenden Vorteil: Es menschelt. Man bekommt die spontanen Zwischentöne mit. Ein kleines Zögern, das Lächeln in der Stimme, seufzen, kichern.

Kleine Missverständnisse werden per Whatsapp hingegen schnell zu dramatischen Konflikten aufgeblasen. Selbst wenn die Schreiber zwischen all die Kränkungen noch so viele Blinzelsmileys quetschen:

"Wie geht es dir?"

"Gut. *thumbsup* Dir?"

"Echt alles gut?"

"Hä? :-\"

"Naja. Du bist so kurz angebunden. ;-)"

"Wieso? Ich habe doch gesagt, dass es mir gut geht."

"Aha."

"Bist du jetzt sauer? :-D"

"Fändest du das lustig? Oder warum das Lachen?"

Hier kann allein schon eine plötzliche Wartezeit von zehn Minuten zwischen zwei Nachrichten Freundschaften für immer ruinieren.

Der Zeitpunkt muss beiden passen

Das persönliche Gespräch am Telefon schlägt alles. Erst recht mit Livebild über die Cam.

Bleibt aber das Problem: Der Zeitpunkt zum Gespräch muss beiden passen. Wer aber jetzt schon aufgibt, ist ein Weichei. Was wir brauchen, ist mehr Kaltschnäuzigkeit. Den hemmungslosen Anrufer und den hemmungslosen Blockierer.

Smartphones bieten hier eine Menge komfortabler Hilfsmittel.

1.     Der Nicht-stören-Modus: Hier gibt es etwa beim iPhone viele Möglichkeiten. Dieser Modus stellt Klingelton und Vibration ab. Trotzdem kommen Anrufe und Nachrichten rein (anders als im Flugmodus). Wer Anrufe bestimmter Kontakte nicht verpassen will, kann seine Favoritenliste vom Nicht-Stören-Modus ausnehmen. Außerdem kann man festlegen: Wenn jemand innerhalb von drei Minuten erneut anruft, wird das trotz "nicht stören" hörbar und mit Vibration angezeigt. Falls mal was Dringendes ist.

2.     Der individuelle Vibrationsalarm. Mit dem spürt man schon in der Hosentasche, wer anruft, etwa die Familie oder Geschäftspartner. So kann man ohne panisches Wühlen in der Hose schon entscheiden, wie wichtig einem der Anruf ist.

3.     Der Joker unter den Telefon-Features: die Wegdrücktaste. 1x drücken lässt das Telefon verstummen. 2x und der Anrufer hört besetzt. Eine Frechheit? Nein, nicht wenn wir uns endlich angewöhnen: Wer gerade nicht sprechen kann, drückt weg. Das erspart dem Anrufer auch die immer gleiche schüchterne Einstiegs-Frage: "Störe ich gerade oder können wir kurz reden?"

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Wenn wir auf Anrufe nicht mehr hysterisch reagieren, als würde plötzlich ein Serienkiller im Schlafzimmer stehen, sondern einfach cool entschieden: passt/passt nicht, dann ist das die halbe Miete.

Und wenn wir nicht mehr beleidigt sind, wenn wir weggedrückt werden, dann ist das die andere Hälfte der Miete. Und dann passiert vielleicht wieder ganz oft, was früher ganz normal war: Man spricht schnell aus, was man will. Und der andere antwortet sofort. Man kann auch noch 2016 innerhalb von 20 Sekunden den Abend planen. Sogar mit Smartphones. Man nennt es: telefonieren. Blinzelsmiley Ausrufezeichen.

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