Werner knallhart

Gleichberechtigung kann so lächerlich sein!

Um Männer und Frauen gleich zu behandeln, müssen Männer im Zweifel von alten Pfründen lassen. Wenn aber vor lauter Gleichgleich-Aktionismus selbst Frauen Nachteile haben, ist die Grenze überschritten.

Aus dem Professor wird "Professx"
Mit dem X gegen KlischeesLann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“ Quelle: Fotolia
Schön dem Herrn Professorin zuhörenGleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht. Quelle: dpa
Frauenquote für StraßennamenFür Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte  der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden. Quelle: REUTERS
Änderung der österreichischen NationalhymneNach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Mädchen mit Pistolen in SchwedenSchweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen. Quelle: dpa
Geschlechtsneutrale Vorschule in SchwedenUnd noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet. Quelle: dpa
Unisex-Toiletten in BerlinDer Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können. Quelle: dpa/dpaweb

In Dortmund wollen Politiker von Grünen und SPD die Männchen auf den Fußgängerampeln zu Frauchen machen. Erstens wegen der Gleichberechtigung. Frauen kommen demnach erst dann zu ihrem Recht, wenn die Piktogramme irgendwann zu 50 Prozent weiblich sind.

Für alle, die das albern finden, wird schnell noch ein Argument zur Verkehrssicherheit nachgeschoben: Ampelfrauchen bieten wegen ihres Rockes mehr Leuchtfläche. Soso! Weil Fußgänger die Ampeln mit den schlanken Piktogrammen darauf offenbar bislang häufig nicht entdecken können und reihenweise in den fließenden Autoverkehr schreiten?

Ampeln sollen also Männer und Frauen zeigen. Aber wer sagt denn eigentlich, dass sie das nicht schon längst tun? Abgebildet ist in der europäisch genormten Variante ein Mensch ohne Kopfhaar, der entweder nackt, aber wahrscheinlich eher mit einer Hose bekleidet, bei Grün zügig läuft und bei Rot artig wartet. Kopf, Rumpf, Arme, Beine. Fertig. All das haben doch sowohl Männer als auch Frauen vorzuweisen.

Nun könnte man natürlich einwenden: Haben Sie etwa auf der ganzen Welt schon mal eine einzige Frau gesehen, die eine Hose trägt?

Ich frage hingegen: Wollen Frauen im Jahr 2014 noch Röckchen tragend dargestellt werden? Gucken Sie sich heute mal um: in der Fußgängerzone, im Büro, an der Uni, im Kino. Wie viele Frauen tragen da einen Rock?

Frauen tragen Röcke, wenn sie auf Hochzeiten gehen oder auf den Abschlussball vom Tanzkurs. Bundeskanzlerinnen tragen Rock auf den Bayreuther Festspielen. Aber noch nicht mal im Kanzleramt.

Es sollen also auf Ampeln Menschen in Festtagskleidung abgebildet werden. Was, wenn sich rausstellt, dass dann massenhaft Frauen totgefahren werden, die sich im Alltag auf dem Weg ins Büro oder Kino von der roten Ampel mit Rock nicht angesprochen fühlen? Dann möchte ich die Grünen argumentieren hören.

Das ostdeutsche Ampelmännchen trägt Mantel und Hut. Eine putzige Anspielung an die Altherrn-Riege um Erich Honecker. Heute trägt das allerdings keiner mehr. Die nachgeschobene ostdeutsche Ampelfrauchen-Variante zeigt eine Dame mit Rock und geflochtenen Zöpfen. Was für ein biederes Frauenbild!

Mädels, ist das nicht eine demütigende Unverschämtheit? Da werdet ihr dargestellt wie Rotkäppchen oder Gretel. Mittelalterlich. Lasst euch das nicht gefallen! Keine alten Zöpfe auf Ampeln.

Das geschlechtsneutrale EU-Piktogramm ist gut. Es zeigt keinen Penis, keinen Busen und auch nicht beides gemeinsam. Wer dieses Piktogramm als männlich interpretiert, diktiert Frauen veraltete Geschlechtermerkmale auf. Das ist frauenfeindlich. Was für ein reaktionärer Geist weht da durch Dortmund? Die finden da bestimmt auch die Herdprämie gut.

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