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Werner knallhart

Homeoffice Phase 2: Joggen während der Morgenkonferenz

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Homeoffice: Feucht durchwischen während der Konferenz

Könnten Sie sich vorstellen, vor versammelter Runde im Meeting Schuhe und Socken auszuziehen, eine Feile auszupacken und sich die Zehennägel zu machen? Ich würde es sein lassen. Aber mal ehrlich: Was spräche dagegen, die Pediküre zuhause während der Telefonkonferenz zu erledigen? Ich bin hier auch ehrlich. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Fingernägel feilen geht sogar während der Videokonferenz. Alles eine Frage der Kamera-Justierung.

Eine Kollegin geht immer in der Frühkonferenz joggen. Indem sie ihre Kollegen auf dem Kopfhörer dabei hat. Das geht, weil sie stille Teilnehmerin ist, die nur hören muss, aber selbst nichts zu sagen braucht. Früher hat sie sich in diesen Runden in Aerosol-vernebelten Konferenzräumen bestimmt den Hintern plattgesessen, jetzt bleibt er währenddessen an der frischen Luft sportlich. Und sportliche Mitarbeiterinnen werden seltener krank.

Wie bitte? Bei all der Ablenkung kann man sich doch gar nicht auf das gesprochene Wort konzentrieren? Doch. Es ist ja auch möglich und seit Jahren Usus, Geschäftsgespräche zu planen und zu führen mit Leuten, die gerade am Steuer ihres Wagens auf der Autobahn unterwegs sind.

Wenn Kinder beim Benjamin-Blümchen-Hören gleichzeitig mit Lego spielen können, dann können wir Vergleichbares auch:

In der Telko über die Projekt-Ziele Q4 diskutieren und parallel Blumen gießen. Geht und spart Zeit. Die Abteilungsleiterin präsentiert die Geschäftszahlen und wir wischen dabei einfach mal eben schnell feucht durch. Wer weniger sitzt, tut seinem Rücken was Gutes.

- Der Kollege liest seine Rede zur Probe vor und wir benutzen Zahnseide.

- Die Personalabteilung informiert über die internen Corona-Maßnahmen und wir machen Sit-ups.

- Der Chef schäumt vor Wut über die Konkurrenz und wir schäumen den Backofen ein.

- Das Marketing schwärmt von der neuen Werbekampagne – und wir schnippeln den Kindern unterhalb des Videobildes Obst, gehen in der Audio-Konferenz auf den Ergometer, legen den Duschkopf ins Säurebad oder sortieren die Wäsche.

Testen wir aus, wo jeder von uns seine persönlichen Grenzen hat. Ich kann zum Beispiel schlecht konzentriert zuhören, wenn ich parallel bei Amazon bestelle. Eine Kollegin hatte Schwierigkeiten zu folgen, weil sie parallel ihre Kinder im Garten am Planschbecken beaufsichtigen musste. Und ein Bekannter war ganz überrumpelt, als er in der Konferenz plötzlich zu seiner Meinung befragt wurde. Als er das Mikro öffnete, piepte im Hintergrund die Lidl-Kasse.

Grenzen erkunden. Es geht hier nicht darum, heimlich im Homeoffice Freizeit zu haben und sich ungesehen ins Fäustchen zu lachen. Es geht darum, effizient zu sein. Es spricht überhaupt nichts dagegen, die gewonnene Zeit ganz entspannt in ein paar zusätzliche Minuten für den Job zu investieren.


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Vorgesetzte aller Firmen: Entspannen Sie sich. Trauen Sie sich was und trauen Sie dem Team mehr zu. Je genauer Aufgaben definiert und je konsequenter Deadlines vereinbart sind, desto mehr Flexibilität ist erlaubt. Warum nicht am Nachmittag schnell mal eben zu Peek&Cloppenburg, statt nach Feierabend, wenn es sich da knubbelt? Dann wächst die Kaffeepause eben von einer Viertelstunde auf neunzig Minuten. Aber die Zeit lässt sich leicht am Abend dranhängen, während viele andere im Feierabendstau stehen.

Treffen wir einfach genaue Absprachen im Team, wie Erfolgskontrolle im Homeoffice aussehen kann. Anwesenheit war präcorona. Vorgespielte Büroatmosphäre daheim kann als Nächstes weg. Sicher werden jetzt viele sagen: Wenn Freizeit und Job so verschwimmen, kann man bald gar nicht mehr abschalten. Aber sehen wir es mal so: Alles, was ohne Stress Zeit spart, ist ein Gewinn. Und schafft Raum für Schönes.

Die Corona-Wende im Büroalltag ist noch nicht komplett vollzogen. Und es wird im Zweifel besser. Schreibe ich gerade, sitze dabei auf der Terrasse im Schatten und habe dabei die nackten Füße hochgelegt. Sagen Sie jetzt nicht, das merkt man am Text.

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Mehr zum Thema: Die Coronakrise hat die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen lassen. Das muss gar nicht schlecht sein.

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