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Werner knallhart

Wann sind wir endlich das Bargeld los?

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Was hat unsere Banken so träge gemacht?

Schweigen. Die Verkäuferin wusste keine Lösung. Ich dachte: So etwas darf niemals an die Öffentlichkeit kommen. Kennen Sie das? Dass Sie sich denken: Das ist alles so peinlich das darf auf keinen Fall jemand mitkriegen? Kinder könnten sich ja was abgucken und genauso werden, Touristen könnten es zuhause weiter erzählen. Horror!

Ich besann mich auf einen neuen Vorschlag. „Wir verrechnen den Überschuss einfach bar.“ Bar! BAR!

Sie strahlte begeistert und überreichte mir am Ende des elektronischen Bezahlvorgangs über 25 Euro überglücklich zehn Cent. In bar. Das ist Deutschland.

Wie konnte es soweit kommen? Nun, wenn wir Kunden den Handel nicht erziehen, dann wird er den Teufel tun, freiwillig einen Service anzubieten, der ihn Geld kostet. Anderer Kundenservice kostet auch Geld: Heizung, Beleuchtung, Kundentoiletten, ein moderner Internetauftritt. All das ist aber im Preis mit drin. Bei Kartenzahlung gehen die Händler immer noch davon aus, das sei teurer Schnickschnack. Wie bei der Deutschen Bahn. Die kassieren von ihren Kunden jetzt ja wieder Kartenzahlungsgebühren. All das wirkt kundenfeindlich und von gestern, ist aber letztendlich Protest des Handels gegen die gierigen Banken.

Der Handel kann sich den Protest auf Kosten der Kunden erlauben, denn wir Kunden lassen uns das bieten. Weil diese Karten uns ja sowieso unheimlich sind. Die Argumente der Karten-Hasser: Was, wenn ein Atomkrieg kommt und alle Computer sind kaputt? Dann brauchen wir dringend Bargeld.

Und außerdem könnten die Kunden auch in Friedenszeiten die Banken unter Druck setzen: Nimmst du Negativzinsen auf mein Giro-Konto, dann hebe ich eben alles ab und horte es in meinem Kleiderschrank.

Bargeld-Fans wollen auch nicht, dass die Bank auf Heller und Pfennig nachvollziehen kann, wer wo wann war und wofür bezahlt hat.

Gegen alles Böse dieser Welt gibt es für die Bargeldfreunde nur eine denkbare Lösung: Bargeld.

Aus welchen Gründen Amerikaner auf das Bezahlen per Handy verzichten

Fakt ist: Weil wir Deutschen so kartenlahm sind, entstehen bei uns keine innovativen Bezahlsysteme. Und wir überlassen das große Geschäft den anderen. Und das sind die Amerikaner. Die haben weniger Vorbehalte, Apple und Google werden sich auch bei uns durchsetzen, und dann läuft die ganze elektronische Abrechnung im Zweifel über amerikanische Server. Das wird bitter. Denn: Wozu brauchen wir Verbraucher dann auf mittlere Sicht noch deutsche Banken? Höchtens noch als Dienstleister im Hintergrund. Handlanger für die großen US-Player.

Die Sattheit unserer Banken hat sie träge gemacht. Man könnte sagen: Die hohen Kreditkarten-Entgelte sind letztlich schuld daran, dass die deutschen Banken womöglich komplett den Anschluss verlieren.

Und einmal mehr treibt uns Europa voran. Die uneinheitlichen Entgelte, die die Banken den Händlern für die Transaktion in Rechnung stellen, werden demnächst EU-weit gedeckelt. Die Kostenbremse wurde gerade im Frühjahr beschlossen. Bei Kreditkarten auf 0,3 Prozent der vom Kartennutzer zu bezahlenden Betrages. Das macht es für die Gastronomen und Händler deutlich billiger.

Ironischer Nebeneffekt: Weil die Banken wohl allein schon 0,15 Prozent zum Beispiel an Apple Pay abdrücken müssten, wird das neue System per Fingerabdruck auf dem iPhone hierzulande durch die EU-Preisbremse für die Banken als Kooperationspartner so unattraktiv, dass die Einführung wohl eher schleppend verlaufen dürfte. Mehr Zeit für die Banken für Eigenes.

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Sechs Milliarden Euro könnten Europas Händler durch die Deckelung jedes Jahr sparen, schätzt die EU-Kommission. Das könnte die Akzeptanz von Karten bei den Händlern erhöhen. Aber dann bitte auch keine Ausreden mehr. Soviel sollte der Service am Kunden den Geschäftsleuten schon wert sein. Letztendlich werden die Kosten ja eh auf den Kunden abgewälzt. Über die Preise.

Dafür beulen sich unsere Hosentaschen nicht mehr so sehr aus. Wenn Sie mich fragen: Das sind mir 0,3 Prozent wert.

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