Werner knallhart

Was Ihr Badezimmerteppich Sie Tag für Tag kostet

Wir scheuen uns, monatlich 10 Euro für eine Online-Musik-Flat oder eine Online-Video-Flat auszugeben. Aber ist Ihnen klar, was Ihre elektrische Zahnbürste umgerechnet jeden Abend kostet? Ein Rechenspiel für Nervenstarke.

Euro-Cent-Münzen liegen auf einem Haufen Quelle: dpa

Miete, Handyvertrag, DSL, Kabelanschluss, Fitnessstudio, Strom, Rundfunkbeitrag, Schwimmverein für die Kinder: Laufende Kosten auf dem Konto sind unsympathische Racker. Sie machen nicht nur die Ordner mit den Auszügen dick.

Sie führen uns auch gnadenlos monatlich vor, wie das Geld einfach so weggeht. Ganz ohne das berauschende Gefühl, gerade schön geshoppt zu haben.

Beim Einkaufen bekommt man für das hingeblätterte Geld wenigstens direkt eine volle Einkaufstüte über den Tresen gereicht - oder zumindest eine Bestellbestätigung per Mail. Die Euphorie betäubt. Man merkt gar nichts.

So wohnen die Deutschen in verschiedenen Lebensphasen

Was aber, wenn man diese berauschenden einmaligen Investitionen mal rechnerisch umlegt auf die Zeit, in der wir die gekauften Produkte nutzen - und schön längst alle Freude am Neuen verflogen ist? Dann ist das sehr bitter. Ich wiederhole: sehr.

Mir ist das kürzlich aufgefallen, als ich vergangene Woche einen zwölf Jahre alten Schreibtisch bei Ebay verscheuert habe. Anfang des Jahrtausends hatte das Ding 1100 Euro gekostet. Jetzt passte das kitschige italienische Ding mit seinen geschwungenen Messinggriffen nicht mehr in mein neues modernes Büro und musste einem schlichten Modell mit mehr Schubladen weichen.

Ein unerwartetes Geldgeschenk

Gerade mal 155 Euro konnte ich bei der Online-Versteigerung für den alten noch rauspressen. Einmal schön zu zweit schlemmen gehen. Sollte ich mich darüber freuen? Schließlich hatte ich die 1100 Euro schon im Jahr 2003 abgeschrieben. Die 155 Kröten waren also wie ein unerwartetes Geldgeschenk.

Andererseits: Der Tisch hatte mich in den vergangenen zwölf Jahren 945 Euro gekostet. Das waren € 78,75 pro Jahr, sprich € 6,56 pro Monat, also 22 Cent am Tag. 22 Cent. Zwölf Jahre lang habe ich Tag für Tag den Wert einer mittelgroßen Bio-Banane für meinen Schreibtisch hingeblättert!

Wenn mir jemand sagen würde: Du darfst jeden Tag meinen Schreibtisch benutzen, wenn du mir dafür immer eine mittelgroße Bio-Banane mitbringst, dann hätte ich gesagt: "Oje, das läppert sich. Dann kaufe ich mir lieber einen eigenen Tisch." Tja.

Und das war ja nur der Schreibtisch!

Für welche Luxusgüter Verbraucher online am liebsten Geld ausgeben

Ich kam ins Rasen. Schweißgebadet irrte ich durch die Wohnung mit dem Taschenrechner in der zitternden Hand.

Überall stürzen plötzlich laufende Posten auf mich ein:

Da! Der Fernseher. Seit vier Jahren in Betrieb. Für täglich 82 Cent. Und da ist der Stromverbrauch noch nicht mal drin.

Oh Gott! Mein iPhone: Seit gut zwei Jahren kostet mich das Ding 93 Cent am Tag. Jenseits der Telefonrechnung.

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