Wohlstands-Index Die neue Freiheit heißt Sicherheit

Reichtum ist für die Deutschen nicht alles. Denn als wichtige Bausteine für ihren Wohlstand nennen sie vor allem auch Werte wie Glück und Gesundheit. Trotzdem: Ohne finanzielle Sicherheit scheint alles nichts.

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Wenn es nach Horst W. Opaschowski geht, sollte man die Nationalhymne umtexten: „Einigkeit und Recht und Sicherheit“ müsse es mittlerweile heißen, meint der Zukunftsforscher - denn: „Sicherheit ist die neue Freiheit der Deutschen.“ So fasst der Wissenschaftler seine Untersuchungen zusammen, mit denen er seit drei Jahren die Befindlichkeit der Bundesbürger untersucht.

Regelmäßig befragt er die Menschen, ob sie sich wohlhabend fühlen und was sie überhaupt unter Wohlstand verstehen. Die Möglichkeit, sich teure Dinge kaufen zu können, landet dabei unter den häufigsten Antworten nur auf Platz vier. An der Spitze stehen Antworten, die den Sicherheitsaspekt betonen: 77 Prozent verstehen unter Wohlstand die Abwesenheit finanzieller Sorgen, 71 Prozent der Befragten nennen ein sicheres Einkommen.

Was die Menschen vom Kapitalismus halten

So erklärt sich auch, dass die Senioren die eigentlichen Gewinner in Opaschowskis Wohlstandsindex sind. Die Über-65-Jährigen stufen sich in der Umfrage nämlich zu 50 Prozent als wohlhabend ein - so viele sind es in keiner anderen Altersgruppe. Viele Senioren hätten zwar keine hohe Rente, aber zumindest die Gewissheit, dass die staatlichen Zahlungen „bis ans Ende ihrer Tage fließen werden“, erklärt Hans-Peter Drews vom Ipsos-Institut, das die Studie gemeinsam mit Opaschowski erarbeitet hat.

Von einer derartigen Sicherheit können jüngere Generationen nur träumen. Drei von vier Befragten wünschen sich zwar, ohne finanzielle Sorgen leben zu können, aber deutlich weniger als die Hälfte sieht diesen Zustand für sich auch tatsächlich erreicht. So überrascht es fast ein wenig, dass die Forscher auf einen Wohlstandsindex von 48,4 kommen. Das bedeutet nämlich: Mehr als 48 Prozent der Deutschen stufen sich als wohlhabend ein. So viele waren es noch nie seit Beginn der regelmäßigen Datenerhebung vor drei Jahren.

Der hohe Wert hängt aber auch damit zusammen, dass nicht nur finanzielle Belange in den Index einfließen. Das Wohlergehen der Bevölkerung werde vom Bruttoinlandsprodukt nicht ausreichend abgebildet, meint Opaschowski. Das Nachkriegs-Motto, wonach mehr Wachstum auch mehr Lebensglück bedeutet, funktioniere nicht mehr. Deshalb wird beim Wohlstandsindex einberechnet, wie gesund sich die Menschen fühlen, ob sie ein friedliches Verhältnis zu ihren Mitmenschen pflegen und ob sie in einer gesunden Umwelt leben.

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So ist zwar die Angst um den Job in den ostdeutschen Bundesländern deutlich größer als im Westen - in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen halten nur 36 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher. Im Gegensatz zu den Nachbarländern Sachsen und Sachsen-Anhalt landet Thüringen in der Gesamtwertung aber trotzdem auf einem Mittelfeldplatz, weil dort der familiäre Zusammenhalt so gut bewertet wird wie in keinem anderen Bundesland.

Das gleicht die wirtschaftliche Unsicherheit in Opaschowskis Rechenmodell zumindest teilweise aus - obwohl die familiären Verhältnisse als Baustein für den Wohlstand deutlich seltener genannt werden als die finanzielle Absicherung. Auch demokratische Werte wie die freie Meinungsäußerung tragen der Studie zufolge nur bei einer Minderheit der Deutschen zum Wohlbefinden bei. Ihre ökonomische Sicherheit ist den Bundesbürgern dann doch wichtiger.

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