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Young Professionals Survey 2020 Junge Fachkräfte wollen das Rundum-Sorglos-Paket

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Junge Fachkräfte wollen gut verdienen und dabei sehr flexibel arbeiten. Quelle: imago images

Sie erwarten viel und sind launenhaft: Junge Berufstätige stellen Unternehmen vor Herausforderungen. Denn selbst wenn die begehrten Fachkräfte alles bekommen, was sie wollen, sind sie manchmal schnell wieder weg.

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Junge Berufstätige in Deutschland legen unabhängig von ihrer Branchenzugehörigkeit Wert auf ein gutes Gehalt – aber Flexibilität und ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Privatleben werden immer wichtiger und ihr Fehlen lässt sich nicht mehr mit Geld ausgleichen. So lässt sich die Umfrage der Employer-Branding-Beratung Universum zusammenfassen, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Befragt wurden junge Berufstätige im Frühjahr 2020 – zu einem Zeitpunkt also, als die Coronapandemie Deutschland gerade erreichte, die Folgen auf dem Arbeitsmarkt aber noch nicht ganz abzusehen waren.

Lediglich die letzten drei Wochen des Befragungszeitraums fielen in die Anfangsphase der coronabedingten Kontaktbeschränkungen. Eine Sonderauswertung habe jedoch ergeben, dass sich dies noch nicht auf die Angaben der Teilnehmer niederschlug, erklärt Tina Smetana, Ländermanagerin von Universum für Deutschland. So ergebe sich ein Stimmungsbild vor Corona, das im kommenden Jahr durch ein Stimmungsbild nach Corona ergänzt werden könne.

Es zeigt eine junge Generation von Arbeitnehmern, die bei der Wahl ihres Arbeitgebers noch mehr als bisher auf das Gesamtpaket achtet. So landet ausgerechnet Google bei den Wirtschaftswissenschaftlern auf dem ersten Platz als Wunscharbeitgeber und löst BMW als Spitzenreiter ab. Apple ist erstmals vertreten und wäre für jeden Zehnten dieser Berufsgruppe ein attraktiver Arbeitgeber. Der Trend, dass Geld wichtig, aber nicht mehr alles ist, zeigt sich etwa an der fallenden Position der Unternehmensberatung McKinsey. Die steht schließlich stellvertretend für beste Verdienstmöglichkeiten, jedoch um den Preis von sehr wenig Freizeit.

Fachübergreifend ist in den vergangenen fünf Jahren die Anzahl der Arbeitgeber, die die Berufseinsteiger für einen späteren Job insgesamt in Betracht ziehen, stark angestiegen. Das bedeutet nicht, dass sie diese als ideale Arbeitgeber sehen, zumindest aber als mögliche. Bewerber vergrößern das Spektrum auch, weil Unternehmen inzwischen stärker nach Fachkräften verschiedener Richtungen suchen – und dies auch erfolgreicher kommunizieren. Am stärksten trifft das auf Absolventen von Wirtschaftswissenschaften und IT zu. „Heute haben die meisten Arbeitgeber Karriereseiten und sind in den sozialen Medien aktiv. Dadurch werden sie leichter auffindbar und sichtbarer für ihre Zielgruppe. Und die Branchenbarrieren verschwimmen: Als IT-ler kann ich nicht nur zu Google, Intel oder Dell, denn heute braucht jedes Unternehmen IT-Fachkräfte“, erklärt Tina Smetana den Trend.

Morgen vielleicht schon wieder weg

Die Wechselbereitschaft ist bei den jungen Berufstätigen insgesamt sehr hoch. 35 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler, 33 Prozent der Naturwissenschaftler und 24 Prozent der Ingenieure und IT-Kräfte etwa sagen, sie würden gerne innerhalb der nächsten sechs Monate die Stelle wechseln. Diese Werte dürften sich durch die Pandemie geändert haben, zumindest bei ihrer praktischen Umsetzung. Für die Unternehmen bedeutet die Umtriebigkeit der jungen Fachkräfte auch, dass der Wettbewerb um die Talente wieder härter wird. Top-Talente können umgekehrt deshalb darauf bauen, dass sie selbst in der durch Corona verschärften wirtschaftlichen Situation immer noch gefragt sind.

Als Arbeitsplatz der Zukunft sehen die jungen Talente Unternehmen, die mit diesen Eigenschaften punkten: Sie sollen Flexibilität und Homeoffice bieten, sie sollen innovativ sein und humane Arbeitszeiten („Work-Life-Balance“) ermöglichen. Das einstige Modewort agil taucht als Wunscheigenschaft dagegen erst an Rang 15 auf, auch Nachhaltigkeit rangiert erst auf Platz 12. Und während Unternehmen zurzeit große Anstrengungen unternehmen, ihre Teams und Bewerbungsprozesse divers zu gestalten, legen die jungen Berufstätigen den Umfragewerten zufolge gar nicht so viel Gewicht auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Womöglich, weil sie es für eine Selbstverständlichkeit halten.

Doch ist es klug, sich als Unternehmen all die gewünschten Dinge auf die Fahnen zu schreiben, um an die Zielgruppe heranzukommen? Tina Smetana warnt: „Natürlich sollten Arbeitgeber wissen, was ihre Zielgruppe will. Wie sie sich selbst präsentieren, muss allerdings der Wahrheit entsprechen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die eigenen Mitarbeiter entfremden – und neue Mitarbeiter merken die Diskrepanz ebenfalls. Das wirkt sich schnell negativ aufs Image aus.“ Flexibles Arbeiten etwa sei ein schwieriges Thema. „Da müssen sich Unternehmen überlegen, was sie tatsächlich bieten können.“

Vertrauen ist der Umfrage zufolge ebenfalls ein großes Thema: So steigt der Wunsch, die Stelle zu wechseln, um das Doppelte bis Dreifache, wenn Arbeitnehmer das Gefühl haben, dass ihren Fähigkeiten nicht vertraut wird (32 versus 65 Prozent Wechselwunsch), wenn sie selbst an die Vision ihrer Organisation glauben (20 versus 50 Prozent) oder wenn sie selbst nicht an die Fähigkeiten ihrer Führungskräfte glauben (45 versus 16 Prozent).

Topverdiener bei den jüngeren Berufstätigen sind die Ingenieure. Sie erhalten durchschnittlich rund 55.000 Euro pro Jahr, wobei im Bereich Chemie und Automobil sogar 68.000 beziehungsweise 63.000 Euro möglich sind. Young Professionals, die einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften haben, verdienen durchschnittlich 49.430 Euro. Diejenigen, die in der Automobilbranche arbeiten, haben im Vergleich das höchste Gehalt. Während IT-Absolventen und Naturwissenschaftler im Schnitt auch noch mehr als 50.000 Euro im Jahr verdienen, liegen Geistes- und Sozialwissenschaftler abgeschlagen bei etwas über 40.000 – je nach Branche kann das Gehalt auch deutlich niedriger ausfallen, etwa im sozialen Bereich oder Bildung.


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Bei allem Selbstbewusstsein, das junge Talente an den Tag legen, sind sie auch selbstkritisch. Auf die Frage, worin sie sich selbst gern verbessern würden, antworteten fast alle Fachbereiche gleich: An erster Stelle steht das Zeitmanagement – hier zeigt sich womöglich die Schattenseite von Flexibilität und Homeoffice. Bis auf die Geisteswissenschaftler nennen sie als zweiten Punkt, dass sie sich in puncto Kommunikation verbessern wollen – und sich bei sich selbst eine positivere Grundeinstellung wünschen.

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