Zuckerbergs Spende Eine typisch deutsche Ethik-Debatte

Die Ankündigung von Mark Zuckerberg, 99,5 Prozent seines Aktienvermögens im Laufe seines Lebens zu spenden, löst Diskussionen über dessen wahre Motive aus. Überflüssig, sagt der Philosophie-Professor Michael Bordt.

Diese Milliardäre spenden ihr Vermögen
Michael Otto Quelle: dpa
Apple-Chef Tim Cook Quelle: AP
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan waren 2013 die größten Spender Amerikas. Das Ehepaar spendete im Dezember 18 Millionen Facebook-Aktien im Wert von insgesamt mehr als 970 Millionen Dollar (711 Millionen Euro) an eine Stiftung im kalifornischen Silicon Valley. Damit führen beide die jährliche Liste der 50 großzügigsten Amerikaner, die von der Zeitschrift „The Chronicle of Philanthropy“ herausgegeben wird. Aktuell spendete das Paar 75 Millionen Dollar für ein Krankenhaus in San Francisco. Es soll künftig ihre Namen tragen. Die Spende werde dem San Francisco General Hospital erlauben, in der Notaufnahme die Fläche zu verdoppeln und vier Mal mehr Betten unterzubringen, schrieb Zuckerberg in einem Facebook-Eintrag. Außerdem solle mit einem Teil der umgerechnet 66,3 Millionen Euro die Ausrüstung erneuert werden. Quelle: dapd
Einige der größten Spender der USA tauchen auf der Liste für 2013 nicht auf, so zum Beispiel Microsoft-Mitgründer Bill Gates und seine Frau Melinda. Der Grund dafür ist, dass ihre tatsächlichen Spenden bereits in vorherigen Jahren als zugesagte Spenden gezählt wurden. So gaben die Eheleute Gates ihrer Stiftung im Jahr 2013 etwas mehr als 181,3 Millionen Dollar, die Summe war aber Teil einer Spende von rund 3,3 Milliarden Dollar, die sie 2004 angekündigt hatten. Quelle: dpa
Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates Quelle: dapd
Der neunte Platz geht an den Google-Mitentwickler Sergey Brin und seine Ehefrau Anne Wojcicki. Die beiden spendeten 219 Millionen Dollar an die Brin Wojcicki Foundation. Den zehnten Platz belegt Jeffrey Carlton, der Gründer eines Stahlkonzerns, der hauptsächlich für das Militär, die Luftfahrt sowie Energieunternehmen produzierte. Calton verstarb bereits 2012, vermachte einer wohltätigen Organisation allerdings 212 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Irwin Jacobs und seine Frau Joan spendeten 221,1 Millionen Dollar - überwiegend an das technische Institut der New Yorker Cornell Universität. Irwin Jacobs ist der Mitbegründer des Kommunikationsunternehmens Qualcomm. Quelle: Gemeinfrei
Pierre Omidyar Quelle: Creative Commons-Lizenz
Platz sechs belegt Charles Johnson mit 250 Millionen. Johnson ist der Sohn des Gründers von Franklin Templeton Investments. Charles Johnson hat lange Jahre das Tochterunternehmen Franklin Resources geleitet und ist außerdem größter Anteilseigner am San Francisco Giants Baseball-Team. Seine Spende ging an die Universität Yale, an der der 80-Jährige studiert hat. Quelle: Presse
Auf dem fünften Platz kürte die Zeitschrift das Ehepaar Laura und John Arnold, Gründer der gleichnamigen Stiftung. Beide spendeten 296,2 Millionen Dollar. Quelle: Screenshot
Michael Bloomberg Quelle: AP
Philip Knight Quelle: REUTERS
Der Energieunternehmer und Erfinder des Frackings, George Mitchell, ist im Juli 2013 im Alter von 94 Jahren verstorben. In seinem Testament vermachte er 750 Millionen Dollar wohltätigen Zwecken. Quelle: Screenshot

WirtschaftsWoche: Herr Bordt, in Deutschland sehen viele Menschen die Ankündigung von Mark Zuckerberg als Marketingmanöver. Viele sehen keinen großzügigen Akt, sondern eine Methode, sich vor dem Zahlen vor Steuern zu drücken. Woher kommt diese Einschätzung?

Michael Bordt: Die Amerikaner gehen damit anders um, das schon mal vorweg. Grundsätzlich ist es so, dass es in Deutschland üblich ist, solche Dinge mit ethischen Maßstäben bewerten zu müssen. Das geht sehr schnell, dass man so eine Sache als gut oder schlecht betrachtet und unlautere Motive unterstellt. Nur: Von den Handlungen eines Menschen kann man unmöglich auf seine Motive schließen. Deswegen verbietet sich jede Bewertung der Person.

Ist eine Spende erst dann wertvoll, wenn der Spender mehr oder weniger sein ganzes Hab und Gut aufgibt?

Es ist natürlich möglich, dass eine Spende von einem reichen Menschen erfolgt, weil er möchte, dass das gesehen wird. Nur: Macht das die Spende schon schlecht? Wird sie dann gut, wenn er alles aufgibt? Warum? Und die Frage ist, ob wir das in diesem Falle unterstellen dürfen.

Zur Person

Und die Antwort ist Nein?

Wir wissen es nicht. Wir Philosophen unterscheiden zwischen Egoismus und Selbstbezug. Das muss man auseinanderhalten. Alles, was wir tun, ist, weil wir es tun, selbstbezogen. Da kommen wir gar nicht raus. Das heißt nur nicht, dass wir etwas tun, um uns selbst etwas Gutes zu tun, also aus Egoismus. Wir können durchaus etwas Altruistisches tun. Das gilt auch für Mark Zuckerberg. Mir ist es selber völlig fremd das werten zu wollen.

Das passiert aber in der Diskussion

Ja, das passiert und das ist vermutlich eine Eigenschaft unseres Landes. Aber in dieser ganzen Debatte geht ein sehr wichtiger Punkt unter. Aus meiner Erfahrung ist es ein sehr kluger Schritt, den Mark Zuckerberg unternommen hat, und zwar nicht für sich, sondern vor allem für seine eigene Tochter - und zu deren Geburt hat er sich ja zu diesem Schritt entschieden.

Wird sie nicht sauer sein, dass er alles verschenkt?

Aus meiner Erfahrung mit großen Familienunternehmern und in der Ausbildung von Söhnen und Töchtern großer Familienunternehmern und der Frage von Nachfolge usw. geht es natürlich immer wieder um die Frage des Vermögens. Und da kann ich nur sagen, dass Söhne und Töchter nur dann wirklich motiviert sind, ihre eigenen Kräfte zu entfalten, ihr eigenes Leben zu führen, wenn sie nicht schlicht und einfach von dem Vermögen der Eltern leben. Wer weiß, dass er sich um seinen Lebensunterhalt überhaupt nicht sorgen muss, weil er im Hauptberuf Sohn oder Tochter ist, dem fehlt so leicht die Lebensenergie, etwas positiv zu gestalten, das Leben in den Griff zu nehmen, Schwierigkeiten anzugreifen und zu überwinden um daran zu wachsen.

Haben denn Kinder von so reichen Menschen überhaupt eine echte Chance? Oder eine besonders große?

In Arbeit
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Das Leben gelingt, wenn es selbstbestimmt ist und wenn man etwas aus seinen Talenten macht, das für andere wichtig ist. Beides wird schwer bis unmöglich, wenn man nicht Herausforderungen meistern muss. Dass Zuckerberg anderen Kindern diese Chancen mit seinem Geld ermöglichen möchte, schützt also gleichzeitig seine eigene Tochter. Das finde ich ziemlich gut. Denn sie kann hauptberuflich nicht Tochter des superreichen Vaters sein. Sie muss etwas aus ihrem Leben machen, ihren eigenen Weg finden.

Ist mit einigen Millionen im Rücken nicht dennoch eine sorglosere Laufbahn möglich?

Nicht unbedingt: Da ist die Angst der Kinder, das Vermögen der Eltern in den Sand zu setzen, d.h. dem Standard, den der Vater gesetzt hat, nie gerecht werden zu können. Diese Angst gibt es meiner Erfahrung nach nicht generell, aber bei sehr vielen. Man möchte dem kritischen Blick des Vaters standhalten können (selbst wenn es nur ein eingebildeter kritischer Blick ist), und das lähmt einen völlig, mutige Schritte auch mit dem Vermögen zu gehen.

Nun verbleiben Zuckerberg selbst mit 0,5 Prozent Aktienanteil  vermutlich rund 400 Millionen Euro. Dem Kind wird es also dennoch an nichts mangeln.

Dann würde ich sagen, dass er klug beraten wäre, wenn er davon viele Millionen auch noch in seine Stiftung überträgt.

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