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Überleben im Büro

Warum Sie mittags rausgehen und nicht alleine essen sollten

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Obelix in einer Szene des Quelle: dpa

Neueste Studien zeigen: Wer sich tagsüber kaum noch körperlich bewegt, riskiert, schon bald an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken. Umgekehrt: Mehrere (moralisch unbedenkliche) Tierversuche, unter anderem an der Yale-Universität, belegen, dass bei regelmäßiger Bewegung Proteine ausgeschüttet werden, die sowohl die Bildung neuer Blutgefäße im Gehirn (und damit dessen Sauerstoffversorgung) fördern als auch das Wachstum frischer Nervenzellen im Hippocampus anregen. Zudem helfen die Bausteine, die grauen Zellen besser miteinander zu vernetzen. Sogar das Depressionsrisiko sinkt durch Bewegung. 

So haben US-Forscher des National Institute of Mental Health rund 1900 kerngesunde Menschen über einen Zeitraum von acht Jahren beobachtet. Ergebnis: Die Depressionsrate derjenigen, die sich in dieser Zeit kaum bewegten, war doppelt so hoch. Eine Untersuchung der Universität in Athens unter 4600 Kindern bestätigt ebenfalls: Faule, bewegungsarme Kinder wiesen häufiger depressive Verstimmungen auf als die körperlich aktiven.

Wabernde Gammawellen

Sie sehen schon, wohin das führt: Ich erspare uns an dieser Stelle den Appell, sage aber dennoch, dass 15 Minuten Bewegung an der frischen Luft mittags drin sein sollten. Schon Ihrem Intellekt zuliebe. Wer länger kann, darf seine grauen Zellen auch gerne mit einem Kurzbesuch im Museum, einem Ausflug ins Café oder einem Gebet in der Kirche füttern.

Tatsächlich entspannt Meditation nicht nur, sie steigert auch unsere kognitiven Fähigkeiten, wie Richard Davidson vom Waisman Laboratory for Brain Imaging and Behavior herausgefunden hat. Davidson untersuchte dazu die Hirnströme von Mönchen, die in ihrem tibetanischen Kloster zuvor mehr als 10.000 Stunden meditiert hatten. Als sie in dem Experiment erneut in sich gingen, waberten durch den Kopf der Geistlichen Gammawellen, die 30 Mal stärker waren als die von gewöhnlichen Studenten. Die Glaubensbrüder waren geistlich wie geistig high.

Der Obelix-Effekt

Abwechslung und Bewegung schaffen jene kognitiven Freiräume, in denen wir von alleine Lösungen für Probleme finden, an denen wir zuvor stundenlang herumgeknobelt haben. Ich könnte jetzt noch mehr ins Detail gehen und weitere Studien aufzählen, letztlich kommen aber alle zum selben Schluss: Wer nach der Hälfte des Arbeitstages eine längere Pause einlegt, arbeitet danach einfach besser.

„Wer geht mit?“, ist vielleicht die häufigste Frage mittags um halbeins in Deutschland. Und vielleicht ist es auch eine der frustrierendsten Erfahrungen, wenn man selbst nie gefragt wird. Obelix-Effekt heißt das im Psychojargon. Regelmäßig muss der dicke Gallier neidvoll zuschauen, wie seine Freunde beim Zaubertrank-Ausschank zusammenkommen – nur er darf nicht. Wahrscheinlich hat das jeder schon einmal erlebt und sich anschließend über den gemeinen Ausschluss und den damit empfundenen Statusverlust auf der Beliebtheitsskala geärgert.

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