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Überleben im Büro

Wie Sie Ihre Motivation verbessern

Gute Laune im Büro hat ein schlechtes Image. Dabei ist sie eine wichtige Motivationsquelle während der Arbeit.

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Mitglieder des Berliner Quelle: AP

Als ich Anfang 2008 über gute Laune im Büro recherchierte, war ich überrascht, wie negativ das Thema besetzt ist. Schließlich gibt es unzählige Zitate und Aphorismen aus den Federn von großen Dichtern, Denkern und Philosophen, die der Hochstimmung große Macht, hohes Ansehen und geradezu magische Kräfte nachsagen. „Nicht Wünschelruten, nicht Alraune, die beste Zauberei liegt in der guten Laune“, dichtete etwa Johann Wolfgang von Goethe. Charles Dickens wiederum war der Meinung, dass nichts auf der Welt so ansteckend sei „wie Gelächter und gute Laune“. Und Immanuel Kant war sich sicher, dass nur „drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“.

Im Büro sieht das anders aus. Nur wenig deutet dort auf Begeisterung und Euphorie hin. Tatsächlich hat Heiterkeit im Betrieb ein veritables Imageproblem. Gut gelaunte Mitarbeiter stehen überraschend oft unter dem Generalverdacht, dass es ihnen, nun ja, zu gut geht. Nicht wenige Manager glauben, dass Hurrastimmung im Büro ablenkt, fahrlässig und faul macht. Der Gedanke dahinter: Wer satt ist, geht nicht mehr auf die Jagd; wer zufrieden ist mit sich und der Welt, strengt sich weniger an. Entsprechend ernst geht es in vielen Unternehmen zu: Es wird geschwiegen und gelangweilt, drangsaliert und geschurigelt. Und dafür kaum noch gelobt, gescherzt, gelacht. Der Alltag – ein einziges Trauerspiel.

Frohsinn ist kein Fetisch

Die Folgen lassen sich kontinuierlich in Umfragen und Statistiken zum Betriebsklima ablesen. So rutschte etwa das Arbeitsklima-Barometer des Taunussteiner Sozialforschungsinstituts IFAK 2008 um ganze drei Prozentpunkte nach unten: Nur noch zwölf Prozent der Beschäftigten waren demnach motiviert bei der Sache, 64 Prozent machten Dienst nach Vorschrift, satte 24 Prozent hatten innerlich gekündigt.

Frohsinn ist jedoch kein Fetisch, sondern nützlich. Gute Laune, also jener Zustand, in dem man laut Definition die Umwelt mit durchweg positiven Gefühlen wahrnimmt, wird in der Wissenschaft schon länger erforscht. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen: Heiterkeit macht aufmerksamer und aktiver. Gutgelaunte sind stressresistenter, ertragen Rückschläge leichter, können besser mit Niederlagen umgehen und lernen daraus mehr. Und natürlich macht Frohsinn kreativ. Das Gehirn belohnt Lebensfreude mit gesteigerter Denkleistung und neuen Sichtweisen. Zu diesem Ergebnis kamen zum Beispiel Untersuchungen der Universität Toronto.

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    Auch Chris Robert, Psychologe und Management-Professor an der Universität von Missouri-Columbia beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit Humor am Arbeitsplatz und hat dazu diverse Theorien und Studien unterschiedlicher Disziplinen verglichen. Seine Quintessenz ist ein Plädoyer für mehr Frohsinn: So können etwa lustige Menschen, die ab und an einen Witz erzählen oder Optimismus im Job verbreiten, ihr Ansehen im Unternehmen enorm steigern, sie werden eher erinnert und weiterempfohlen als andere.

    Die beiden Wissenschaftler Adrian Gostick und Scott Christopher wiederum haben über eine Million Angestellte dazu befragt, was diese motiviert oder was einen Arbeitgeber attraktiv macht. Die Ergebnisse hat das Duo in dem Buch The Levity Effect: Why it Pays to Lighten Up zusammengefasst, aber eine Einsicht war auch hierbei: Die Menschen mögen Betriebe und Büros umso mehr, wenn in diesen häufig gelacht wird.

    Die Büro-Alltags-Bibel - Alle Regeln und Gesetze für den Job (DTV, ISBN 978-3-423-24762-7)

    Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und wir alle leben und arbeiten nun mal lieber mit Kollegen zusammen, die morgens schon mit einem Lächeln die Bürotür aufschließen, Meetings mit einem kleinen Scherz aufheitern und das Glas lieber halb voll sehen als halb leer. So ganz uneigennützig ist das nicht. Den meisten dürfte das nicht bewusst sein, aber instinktiv spüren sie womöglich, was einige soziologische Studien längst nachweisen konnten. Dass nämlich Begeisterte hilfsbereiter sind als normal oder gar schlecht gelaunte Kollegen. In der Wissenschaft ist dies als Feel-good-do-good-Phänomen bekannt. „Je mehr jemand mit seinem Leben zufrieden ist, desto empathischer ist er“, sagt etwa der Sozialwissenschaftler Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität in Rotterdam. Und desto mehr färbt das auf das Umfeld ab.

    Wer sich zur guten Laune entscheidet, treibt positive Entwicklungen voran

    Manchmal hat man den Eindruck, das Grau in Grau draußen, der Regen und das Wetter insgesamt könnten einem die Laune vermiesen. Stimmt aber nicht, sagt Jaap Denissen von der Humboldt Universität: Mehr Sonne, weniger Wind oder höhere Temperaturen haben keinerlei positiven Effekt auf unsere Stimmung. Umgekehrt macht weniger Sonnenlicht allenfalls müde. Die Wirkung ist aber marginal.

    Was aber wäre, wenn gute Laune nicht nur das Ergebnis positiver Umstände wäre, sondern auch deren Ursache? Eine kuriose Frage, zugegeben. Doch de facto deutet vieles darauf hin. So tautologisch es klingen mag: Die Entscheidung, die Dinge optimistischer und entspannter zu sehen, kann nicht nur die eigene Stimmung heben. Danach entwickeln sich viele Dinge tatsächlich positiver. Glauben Sie nicht? Vielleicht überzeugen Sie ein paar Untersuchungen: Gutgelaunte Kollegen bringen im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, so das IFAK-Barometer, Miesepeter dagegen nur 8,4. Ebenso kommen motivierte Mitarbeiter im Schnitt auf höchstens 4,3 Fehltage, ihre frustrierten Kollegen dagegen auf zehn.

    Die Untersuchungen von Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York wiederum zeigen: Gutgelaunte sind nicht nur belastbarer und zufriedener. Sie sind auch beliebter und populärer und werden von ihren Vorgesetzten besser bewertet und öfter befördert. Das Gros erzielt sogar höhere Einkommen. Außerdem führt Heiterkeit zu einer Art Viraleffekt: Gute Laune wirkt hochgradig ansteckend – sogar stärker als schlechte. Auch das konnten Wissenschaftler belegen. Also wenn das keine guten Gründe sind, den Tag schon gutgelaunt zu beginnen und Fröhlichkeit zu verbreiten?

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