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Undercover-Ökonom Tim Harford Die Ökonomie von Socken, Sex und Supermarkt

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Illustration: Ich täusche einen Orgasmus vor - verhalte ich mich falsch? Quelle: Nicolas Blechmann

Ich liebe meinen Partner, aber im Bett befriedigt er mich nicht immer. Manchmal täusche ich den Orgasmus vor. Verhalte ich mich falsch? Ms. C.H., Nottinghamshire

Liebe Ms. C.H.,

der Ökonomiedoktorand Hugo Mialon betrachtet diese Situation als Signalspiel mit zwei Spielern. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder vertuschen Sie, dass das Erdbeben ausgeblieben ist, oder Sie geben es offen zu. (Mialons hilfreicher Kommentar dazu: "Die -Täuschung ist die Strategie einer hingebungsvollen Geliebten oder einer Kurtisane, je nachdem, ob die Absicht darin besteht, die Gefühle des Liebhabers zu schonen oder sich seine Gunst zu sichern.") Wenn Sie den Eindruck vermitteln, Spaß zu haben, hat Ihr Partner ebenfalls zwei Optionen: Er kann Ihnen glauben oder nicht.

Die von Mialon empfohlene Strategie hängt von der Stärke Ihrer Liebe und davon ab, ob Ihr Partner erwarten darf, dass Sie auf Ihre Kosten kommen. Wie wahrscheinlich dieser Genuss ist, hat in Mialons Modell mit dem Alter der Frau zu tun. Sein Ergebnis: Je mehr Sie Ihren Partner lieben und je weiter sie sich jenseits der Dreißig befinden (das ist das Alter, in dem Ihr Partner vom Höhepunkt Ihrer Orgasmusfähigkeit ausgeht), desto eher sollten Sie die Täuschung wählen.

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    Ich muss gestehen, dass mir all das extrem kompliziert erscheint. Und obwohl ich diesen Ansatz ausführlich mit meiner Frau besprochen habe, hat er offenbar keinem von uns beiden sonderlich viel genutzt. Dennoch wurden einige von Mialons Thesen durch die Ergebnisse der "Orgasmusumfrage 2000" bestätigt. (Die Bezeichnung dürfte eher chronologisch als quantitativ sein.)

    Ich habe gründlich darüber nachgedacht und schließlich meine Zweifel geklärt: In Mialons Modell sind die Orgasmen exogener Natur. Die Spieler können sich nicht einfach ein wenig mehr bemühen. Diese Annahme lässt aber einen wichtigen Faktor unberücksichtigt; eines der vielen Argumente gegen das Vortäuschen lautet, dass man dadurch dem Partner jenes Feedback vorenthält, das er braucht, um sich verbessern zu können.

    Daher habe ich mich entschlossen, mein eigenes ökonomisches Modell zu diesem Thema zu entwickeln. Bis dieses Modell fertig ist, rate ich Ihnen, keine Orgasmen mehr zu simulieren und stattdessen dafür zu sorgen, dass Ihr Partner das Vorspiel nicht vortäuscht.

    Ihr energiegeladener Undercover-Ökonom

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