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Undercover-Ökonom Tim Harford Die Ökonomie von Socken, Sex und Supermarkt

Ökonomen haben Antworten auf alles. Selbst auf Probleme des Alltags, wie der britische "Undercover-Ökonom" Tim Harford in seinen Kolumnen beweist.

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Illustration: Wie viele Geschenke soll ich in die Hochzeitsliste aufnehmen? Quelle: Nicolas Blechmann

Wie viele Geschenke sollte ich in die Hochzeitsliste aufnehmen, um möglichst großen Nutzen daraus zu ziehen? Claire Song, per E-Mail

Liebe Claire,

die Hochzeitsliste ist eines der seltenen Beispiele für Aufrichtigkeit in unseren sozialen Beziehungen: das Eingeständnis, dass man von seinen Gästen keine besonders nützlichen Geschenke erwartet. Wenn an Weihnachten und Geburtstagen eine ähnlich ehrliche Vorgehensweise möglich wäre, wäre die Welt zweifellos ein besserer Ort.

Doch auch die Hochzeitsliste weist potenzielle Mängel auf, über die Sie sich offensichtlich Gedanken gemacht haben: Ist die Liste zu umfangreich, so besteht die Gefahr, dass sich Ihre Gäste für jene Gegenstände entscheiden, an denen Ihnen am wenigsten liegt: Sie werden die kitschigen Toilettenpapierhalter bekommen, während der hochwertige Kochtopf übrigbleibt. (Ich habe vor nicht allzu langer Zeit geheiratet und verstehe Ihre Lage.)

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    Ist die Hochzeitsliste jedoch zu kurz, so werden möglicherweise die Geschenke ausgehen, und die Gäste werden sich entschließen, etwas "Originelles" auszusuchen – was zwangsläufig katastrophale Präsente zur Folge haben wird. Ebenso schlimm ist, dass Gäste, die Ihnen eigentlich etwas kaufen wollten, möglicherweise ganz auf eine Aufmerksamkeit verzichten werden.

    Die Lösung ist ein wenig arbeitsintensiv, dürfte die Mühe jedoch wert sein: Sie müssen Ihre Hochzeitsliste in mehreren Tranchen freigeben. Beginnen Sie mit einer Auswahl von Dingen, die Ihnen wichtig sind, und verfolgen Sie die Entwicklung. Wenn nur noch wenige Posten offen sind, können Sie die zweitrangigen Geschenke hinzufügen. Und wenn diese ebenfalls fast alle vergeben sind, können Sie die Liste der eher überflüssigen Gegenstände auflegen. Dank der modernen Technologie ist das kein Problem mehr.

    Selbstverständlich ist das immer noch eine Plackerei. Bei meiner eigenen Hochzeit wollte ich eigentlich auf die Liste verzichten und stattdessen Eintrittsgeld kassieren. Diese Lösung schien mir sehr viel praktischer, aber die Braut erhob Einspruch. Ich weiß eigentlich nicht, warum.

    Ihr frustrierter Undercover-Ökonom

    Illustration: Soll ich nach dem Wasserlassen die Klobrille runterklappen? Quelle: Nicolas Blechmann

    Sollte ich der Forderung meiner Frau  nachgeben und nach dem Wasserlassen die Klobrille herunterklappen? Oder  sollte meine Frau das selbst tun, da sie  die Schwerkraft auf ihrer Seite hat? Michael Govind, Cirencester

    Lieber Michael,

    der Ökonom Jay Pil Choi von der Michigan State University hat bestätigt, was die Männer selbstverständlich finden und die Frauen anscheinend nicht ver-stehen können: Die "Status-quo-Regel" (lassen Sie die Klobrille in der Position, in der sie sich nach dem Toilettengang befindet) ist unter den plausibelsten Annahmen effizienter als die "Runter-Regel" (klappen Sie sie anschließend -herunter). Das entscheidende Argument für dieses Resultat: Die Klobrille sollte nur bewegt werden, wenn es unbedingt nötig ist, das heißt, wenn man sich anschickt, die Toilette zu benutzen. Wird eine Toilette zweimal in Folge von einem Mann benutzt, so erspart dieser sich dank der "Status-quo-Regel" den Aufwand, die Klobrille beim Verlassen der Toilette herunterzuklappen, nur um sie beim folgenden Besuch wieder hochklappen zu müssen. Anhand einiger anspruchsvoller mathematischer Berechnungen hat Choi zudem gezeigt, dass diese Regel auch dann besser ist, wenn Ihrer Frau durch das Herunterklappen der Klobrille fast dreimal so hohe Unannehmlichkeitskosten entstehen wie Ihnen.

    Warum dauert die Kontroverse also an? Der Mathematiker Richard Harter hat ausgerechnet, welche zusätzlichen Kosten beim Wechsel vom Junggesellen- oder Jungfernleben in den Hafen der Ehe durch das Rauf- und Runterklappen der Klobrille entstehen. Da sich auch alleinstehende Männer manchmal niedersetzen müssen, sind sie daran gewöhnt, die Kosten dieses Handgriffs zu tragen. Frauen, die alleine oder mit anderen Frauen leben, klappen den Sitz überhaupt nie hoch, womit die Mehrkosten eines Wechsels in einen gemischten Haushalt feststehen.

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      Aber diese Forscher haben nicht das Gesamtbild gesehen. Nehmen wir an, es gibt zwei Typen von Männern: den rücksichtsvollen Gentleman und den selbstsüchtigen Schmutzfinken. Für Frauen ist es am Anfang schwierig, herauszufinden, welchem Typus ein Exemplar zuzurechnen ist. Indem man die Klobrille herunterklappt, kann man sich also ohne viel Aufwand als Gentleman zu erkennen geben. Dies ist eine gewinnbringende Lektion, die ich selbst früh gelernt habe.

      Aus dem richtigen (Blick-)Winkel grüßt Sie der Undercover-Ökonom

      Illustration: Wie kann ich meine Aussichten auf eie Gehaltserhöhung verbessern? Quelle: Nicolas Blechmann

      Wie kann ich meine Aussichten auf eine Gehaltserhöhung eher verbessern: indem ich am Morgen als Erster im Büro erscheine oder indem ich am Abend als Letzter nach Hause gehe? D. Clark, Seattle

      Lieber D. Clark,

      der Versuch, als Erster im Büro zu sein, ist riskant: Was, wenn Sie um halb sieben am Morgen eintreffen und feststellen, dass ein Kollege schon seit Viertel nach sechs da ist? Wenn wirklich nur der Erste einen Vorteil hat, wie Sie offenbar glauben, hätten Sie in diesem Fall ebenso gut erst um zehn Uhr auftauchen können, denn es hätte ja keinen Sinn, als Zweiter ins Ziel zu kommen.

      Dagegen können Sie zumindest planen, wie Sie das Büro garantiert als Letzter verlassen: Sie müssen einfach nur warten, bis alle anderen nach Hause gegangen sind – nicht eine Minute länger. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass Ihre Kollegen das Spiel durchschauen. Ihre Strategie, am längsten am Schreibtisch auszuharren, könnte Schule machen und kostspielig werden. Welches ist der einfachere Weg zu einer Gehaltserhöhung?

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        So sonderbar das klingen mag: Beide Wettbewerbe können im Grunde als Auktionen bezeichnet werden. In beiden Fällen setzen die Bieter statt ihres Geldes ihre Arbeitskraft ein. Zur Kasse gebeten wird in beiden Fällen jedoch nicht nur der erfolgreiche Bieter. Der Nobelpreisträger William Vickrey hat nachgewiesen, dass alle derartigen Auktionen denselben erwarteten Ertrag haben. Ein überraschendes Ergebnis. Beide Wettbewerbe – der um den frühesten Arbeitsbeginn und der um den spätesten Dienstschluss – werden gleichermaßen profitabel für Ihren Chef und gleichermaßen teuer für Sie sein.

        Ich habe einen Rat und eine Warnung für Sie. Wenn Sie dieses Spiel wirklich spielen wollen, kann ich Ihnen, ausgehend von meinen eigenen Studien, sagen, dass Sie den Wettbewerb eher gewinnen werden, wenn das Jahr schon fortgeschritten ist und die Kraft der Widersacher sowie das Verständnis ihrer Frauen schwinden. Gehen Sie die Sache ruhig an und beginnen Sie erst bis in die Nacht zu arbeiten, wenn die Ehen Ihrer Rivalen zerbrechen.

        Aber vielleicht sollten Sie überhaupt nicht mitspielen. Gewinnen dürfte diesen Wettbewerb derjenige, der besonders -zuversichtlich ist, was das Ausmaß der Gehaltserhöhung anbelangt. Aber Optimisten werden zumeist enttäuscht.

        Ein Undercover-Ökonom, der immer am Arbeitsplatz zu finden ist

        Illustration: Wie gewöhne ich meiner Tochter ab, ihren kleinen Bruder zu hauen? Quelle: Nicolas Blechmann

        Wie gewöhne ich es meiner zehnjährigen Tochter ab, ihren kleinen Bruder zu hauen? Cynthia Evans, Richmond (Yorkshire)

        Liebe Cynthia,

        ich verstehe Ihr Problem nicht ganz. Der Nobelpreisträger Gary Becker hat mit -seinem "Rotten-Kid-Theorem" bewiesen, dass ein solches Verhalten eigentlich nur auftreten kann, wenn es sozial wirksam ist. Zur Veranschaulichung ein numerisches Beispiel: Nehmen wir an, Sie lieben Ihre Kinder genauso wie sich selbst. In diesem Fall werden Sie jede Woche Liebe, Aufmerksamkeit und Geld im Wert von 750 Pfund gleichmäßig untereinander aufteilen.

        Drücken wir Freud und Leid in monetären Einheiten aus, so können wir Folgendes feststellen: Ihre Tochter verdient 5 Pfund an sadistischem Vergnügen, wenn sie ihren Bruder schlägt, während Ihr Sohn 20 Pfund an Schmerzen verliert. Damit würde das Familienbudget um 15 Pfund sinken. Ihre optimale Reaktion bestünde darin, den Verlust aufzuteilen und die Einkommen damit wieder auszugleichen. Der Junge würde 265 Pfund erhalten (minus 20 Pfund durch den Schlag), das Mädchen hätte 240 Pfund (plus 5 Pfund durch den Schlag), und Sie selbst hätten 245 Pfund. Auf diese Art wird Ihre Tochter am meisten verlieren, weshalb sie ihren Hang zur Gewalt wahrscheinlich bremsen wird.

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          Nun könnte das Vergnügen Ihrer Tochter an den Attacken gegen den kleinen Bruder natürlich größer sein als dessen Leiden. Wenn sie 20 Pfund an Vergnügen gewinnt und er 5 Pfund verliert, hat sie einen Überschuss von 15 Pfund erzielt, der durch Ihre Umverteilung gleichmäßig auf die drei Familienmitglieder umgelegt würde. Die Attacken Ihrer Tochter wären somit sowohl individuell rational als auch sozial optimal.

          Sollte Ihre Tochter nach den Umverteilungsbemühungen immer noch Angriffe auf den kleinen Bruder starten, so beweist dies, dass sie Spaß daran hat. Es gibt drei Möglichkeiten: Ihre Tochter ist irrational; Ihr Sohn leidet nicht übermäßig unter den Schlägen; oder Sie können nicht rechnen.

          Ihr böswilliger Undercover-Ökonom

          Illustration: Ich täusche einen Orgasmus vor - verhalte ich mich falsch? Quelle: Nicolas Blechmann

          Ich liebe meinen Partner, aber im Bett befriedigt er mich nicht immer. Manchmal täusche ich den Orgasmus vor. Verhalte ich mich falsch? Ms. C.H., Nottinghamshire

          Liebe Ms. C.H.,

          der Ökonomiedoktorand Hugo Mialon betrachtet diese Situation als Signalspiel mit zwei Spielern. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder vertuschen Sie, dass das Erdbeben ausgeblieben ist, oder Sie geben es offen zu. (Mialons hilfreicher Kommentar dazu: "Die -Täuschung ist die Strategie einer hingebungsvollen Geliebten oder einer Kurtisane, je nachdem, ob die Absicht darin besteht, die Gefühle des Liebhabers zu schonen oder sich seine Gunst zu sichern.") Wenn Sie den Eindruck vermitteln, Spaß zu haben, hat Ihr Partner ebenfalls zwei Optionen: Er kann Ihnen glauben oder nicht.

          Die von Mialon empfohlene Strategie hängt von der Stärke Ihrer Liebe und davon ab, ob Ihr Partner erwarten darf, dass Sie auf Ihre Kosten kommen. Wie wahrscheinlich dieser Genuss ist, hat in Mialons Modell mit dem Alter der Frau zu tun. Sein Ergebnis: Je mehr Sie Ihren Partner lieben und je weiter sie sich jenseits der Dreißig befinden (das ist das Alter, in dem Ihr Partner vom Höhepunkt Ihrer Orgasmusfähigkeit ausgeht), desto eher sollten Sie die Täuschung wählen.

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            Ich muss gestehen, dass mir all das extrem kompliziert erscheint. Und obwohl ich diesen Ansatz ausführlich mit meiner Frau besprochen habe, hat er offenbar keinem von uns beiden sonderlich viel genutzt. Dennoch wurden einige von Mialons Thesen durch die Ergebnisse der "Orgasmusumfrage 2000" bestätigt. (Die Bezeichnung dürfte eher chronologisch als quantitativ sein.)

            Ich habe gründlich darüber nachgedacht und schließlich meine Zweifel geklärt: In Mialons Modell sind die Orgasmen exogener Natur. Die Spieler können sich nicht einfach ein wenig mehr bemühen. Diese Annahme lässt aber einen wichtigen Faktor unberücksichtigt; eines der vielen Argumente gegen das Vortäuschen lautet, dass man dadurch dem Partner jenes Feedback vorenthält, das er braucht, um sich verbessern zu können.

            Daher habe ich mich entschlossen, mein eigenes ökonomisches Modell zu diesem Thema zu entwickeln. Bis dieses Modell fertig ist, rate ich Ihnen, keine Orgasmen mehr zu simulieren und stattdessen dafür zu sorgen, dass Ihr Partner das Vorspiel nicht vortäuscht.

            Ihr energiegeladener Undercover-Ökonom

            Illustration: Wohin verschwinden die fehlenden Socken? Quelle: Nicolas Blechmann

            Ich habe eine Schublade voller Socken, die nicht zusammenpassen. Wohin verschwinden nur all die fehlenden Socken? Christian Turner, Washington

            Lieber Mr. Turner,

            wie die meisten Investitionen in Sachanlagen erleidet Ihr Sockenvorrat eine Wertminderung. Das ist unvermeidlich. Suchen Sie deshalb lieber nach einer Möglichkeit, den Schaden auf ein Mindestmaß zu senken, anstatt sich auf die Suche nach den verlorenen Socken zu machen.

            Das Problem ist einfach: Jede Hälfte eines unverwechselbaren Sockenpaars ist die perfekte Ergänzung der anderen Hälfte. Der Grenzwert der ersten Socke liegt nahe null, sofern Sie kein Anhänger unkonventioneller Kleidung sind. Der Grenzwert der zweiten Socke ist ein passendes Paar Socken. Der Verlust einer Socke ist tatsächlich gleichbedeutend mit dem Verlust von zwei Socken.

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              Diesem Problem begegnen wir auch bei Maschinen: Wenn ein Bauteil versagt, muss möglicherweise das ganze Gerät weggeworfen werden. Die Lösung besteht darin, austauschbare Teile herzustellen, damit fehlerhafte Komponenten ersetzt werden können. Die prinzipielle Austauschbarkeit geht auf Gutenberg und die Druckerpresse zurück, aber große technische Probleme schoben ihr bis zur Einführung des Fließbands zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Riegel vor. Generationen von Ingenieuren wussten, dass sich der Kampf im Lauf der Jahrhunderte wirtschaftlich bezahlt machen würde. Sie hingegen müssen nicht auf einen hart erkämpften technologischen Durchbruch warten. Es sollte -Ihnen nicht schwerfallen, austauschbare Teile für Ihre Sockenschublade zu -finden. Entledigen Sie sich der vorindustriellen Bestände und kaufen Sie sich auf einen Schlag zwei Dutzend identische Sockenpaare.

              Ich persönlich finde, dass diese Methode sehr gut funktioniert. Die Einbuße an modischer Flexibilität wird durch ein sehr viel weniger verschwenderisches Muster der Wertminderung und eine sehr viel kürzere morgendliche Durchsuchung der Sockenschublade wettgemacht. Ihre Socken werden weiterhin auf geheimnisvolle Art und Weise verschwinden, aber Sie werden wahrscheinlich keine metaphysischen Fragen mehr zu dem Problem stellen.

              Ihr stets passender Undercover-Ökonom

              Illustration: An welcher Supermarktkasse wartet man am längsten? Quelle: Nicolas Blechmann

              Kann man herausfinden, an welcher Kasse im Supermarkt man am längsten warten muss? P.N., Aylesbury

              Lieber P.N.,

              laut Mathematiker stehen die Chancen dafür schlecht. Wenn Sie die Warteschlange willkürlich wählen und es links und rechts von Ihnen jeweils eine weitere Schlange gibt, so besteht eine Wahrscheinlichkeit von 2 zu 1, dass eine der beiden schneller sein wird als Ihre.

              Die Ökonomen haben das Problem anspruchsvoller analysiert. So wendet David Friedmann die Finanzmarkt-theorie auf Warteschlangen an. Die Wahl der schnellsten Schlange ist demnach der Wahl des besten Aktienportfolios vergleichbar: Wäre klar, mit welchen Aktien man ein gutes Geschäft macht, so wären sie kein Geschäft mehr. Wäre klar, welche Schlange am schnellsten abgefertigt wird, so würden sich alle Kunden dort anstellen. Naive Versuche, "den Markt zu schlagen", werden also fehlschlagen.

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                Sodann ist da die Theorie der "effizienten Märkte" – man kann den Wertzuwachs einer zufälligen Auswahl von Aktien nicht übertreffen, da öffentlich zugängliche Informationen augenblicklich in die Aktienkurse einfließen. In Wahrheit sind die meisten Märkte nicht effizient, weshalb ein gut informierter Akteur die Möglichkeit hat, sie zu schlagen. Aber selbst wenn die Warteschlangen an den Supermarktkassen effizient wären, wäre keine Schlange aussichtsreicher, da sich gut informierte Supermarktkunden rasch in jener Schlange anstellen würden, die rascher abgefertigt wird. Wahrscheinlicher ist, dass die Schlangen nicht effizient sind, weil wenige Kunden sehr davon profitieren werden, wenn sie sich in Experten für Warteschlangen verwandeln. Viele Kunden orientieren sich an anderen Kriterien – etwa an der Kürze des Anfahrtswegs – oder gehen selten einkaufen, weshalb ihnen die Berechnung der Wartezeit an der Kasse nicht der Mühe wert ist. Und im Gegensatz zum Aktienmarkt, dessen Effizienz ein Finanzexperte erhöhen kann, indem er dumme Entscheidungen kleiner Akteure ausgleicht, kann ein einzelner Warteschlangenexperte kaum Einfluss auf die Verteilung der Wartezeiten nehmen.

                Ich kann Ihnen lediglich raten, sich nicht in einer Schlange anzustellen, in der eine ältere Dame mit Einkaufsgutscheinen steht, aber weitere Empfehlungen wären kontraproduktiv: Ihre Konkurrenten würden sie ebenfalls lesen.

                Von der Expresskasse grüßt Sie Ihr Undercover-Ökonom

                Lieber Undercover-Ökonom, ich bin auf der Suche nach dem "Richtigen". Gibt es ihn irgendwo dort draußen? Ruth, Barcelona

                Liebe Ruth,zunächst sollten wir wohl klären, welche Kriterien von vielen potentiellen Ehemännern erfüllt werden und welchen Ansprüchen nur der "Richtige" genügt.

                Erstens bietet die Ehe Größenvorteile in der Produktion, insbesondere in der Produktion von Kindern. Die Eheleute können sich abhängig von ihren jeweiligen komparativen Vorteilen auf bestimmte Fertigkeiten spezialisieren. Ich würde sagen, dass Sie diese Größenvorteile mit fast jedem Mann erzielen können. Dazu kommen Größenvorteile beim Verbrauch. Ein Garten genügt auch für zwei, und Sie und Ihr Mann brauchen nicht mehr als eine Küche.Somit lautet die eigentliche Frage, ob man die Person, die man heiratet, so gut erträgt, dass man diese Effizienzvorteile tatsächlich genießen kann. Diesbezüglich war die Ökonomie lange Zeit nicht sehr hilfreich. Doch vor kurzem habe die Forscher Michèle Belot und Marco Francesconi eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Sie werteten die Daten eines Speed-Dating-Unternehmens aus und stellten fest, dass Frauen erwartungsgemäß große, reiche, wohlerzogene Männer bevorzugen. Die Männer ihrerseits mögen schlanke, gebildete Frauen, die nicht rauchen.

                Doch die interessanteren Entdeckungen machten die beiden Ökonomen dort, wo die Auswahl begrenzt war. Unabhängig von der Qualität des Angebots merkten sich die Frauen etwa 10 Prozent der Männer für eine genauere Prüfung vor. Waren die angebotenen Männer klein und arm, so schraubten die Frauen einfach ihre Ansprüche zurück und machten weiterhin nur bei 10 Prozent ein "Kreuzchen". Auch die Männer lösten sich rasch von unrealistischen Erwartungen. Unabhängig von der Qualität des Angebots merkten sie sich immer etwa ein Viertel der Frauen vor – und das, obwohl jenen Teilnehmern, die keine geeignete Person fanden, ein weiterer Speed-Dating-Termin angeboten wurde.Daraus schließe ich Folgendes: Selbst wenn sie durch das Festhalten an ihren Ansprüchen wenig verlieren würden, sind die Menschen rasch bereit, ihre Maßstäbe zu senken. Mein Rat: Machen Sie es ebenso.

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                  Ihr pragmatischer Undercover-Ökonom

                  Lieber Undercover-Ökonom, Ich habe eine einfältige Frage: Ich will einfach nur glücklich sein. Haben Sie einen Rat für mich? Ms. Jessica Granger, Kirkby StephenLiebe Ms. Granger,Für diese Frage müssen Sie sich wirklich nicht schämen. Sie wenden sich genau an den Richtigen, denn die Ökonomen haben sich bereits eingehend mit diesem Thema beschäftigt.Der Nobelpreisträger Danny Kahneman forderte in einer Studie zahlreiche berufstätige Frauen auf, zu beschreiben, was sie am Vortag getan und wie sie sich dabei gefühlt hatten. Wenn die Ergebnisse der Befragung als Orientierung dienen können, so dürfte die beste Option darin bestehen, viel Sex zu haben. Auch Sport, Essen und Gebete wecken Glücksgefühle. Das Pendeln zur Arbeit macht die Leute unglücklich. Die Gesellschaft eines anderen Menschen wirkt beflügelnd – es sei denn, der andere Mensch ist der Chef. Wenig hilfreich sind Professor Kahnemans Erkenntnisse, wenn man Sex mit dem Chef hat.Aber vielleicht sollten Sie sich auch ansehen, welche Möglichkeiten Ihnen das Leben langfristig eröffnet. Diese Frage hat der Ökonom Richard Layard von der London School of Economics untersucht.

                  Seine Ergebnisse wirken auf den ersten Blick wenig überraschend: Geld macht uns bis zu einem gewissen Grad glücklich, während uns Scheidungen und Arbeitslosigkeit unglücklich machen. Damit Sie eine Vorstellung von den Auswirkungen bekommen: Die Arbeit und ein Drittel des Einkommens zu verlieren, ist viermal so niederschmetternd wie der alleinige Verlust des Einkommens. Eine Scheidung ist fast genauso schlimm, und noch schlimmer ist eine Trennung ohne Scheidung.Klar, was das bedeutet: Erstens sollten Sie auf Karriereentscheidungen verzichten, die Ihre Ehe untergraben können. Zweitens werden Sie in einem durchschnittlich bezahlten, aber sicheren Job glücklicher werden als in einem gut bezahlten, aber ungewissen Arbeitsverhältnis.Schließlich sollten Sie Ihre Erwartungen herabschrauben. Personen in einer einkommensstarken Berufsgruppe, Frauen, deren Schwestern mit reichen Männern verheiratet sind, und gebildete Personen mit geringem Einkommen sind unglücklich. Möglicherweise ist das die Erklärung für die Übellaunigkeit vieler Journalisten.

                  Ihr heiterer Undercover-Ökonom

                  Lieber Undercover-Ökonom, im Lauf der Jahre habe ich so manchen Jungen geküsst, und ich habe vor, auch in Zukunft noch den einen oder anderen zu küssen. Doch irgendwann möchte ich sesshaft werden und Kinder haben. Bis wann kann ich mir damit Zeit lassen? Caroline Breyer, ManchesterLiebe Miss Breyer,Ihre offenherzige Frage macht eine ernsthafte Anwendung der optimalen Versuchsplanung erforderlich. Beginnen wir zur Veranschaulichung mit einer einfacheren Variante: Wann sollte man in seinem Stammrestaurant aufhören, neue Speisen auszuprobieren und stattdessen einfach immer sein Lieblingsgericht bestellen?

                  Die Antwort hängt davon ab, wie sehr man sein Lieblingsgericht mag, wie gern man Abwechslung hat und wie häufig man das Lokal zu besuchen gedenkt. Wenn man vorhat, regelmäßig dort zu essen, lohnt es sich, auf der Suche nach einer Speise, die das bisherige Lieblingsessen noch übertrifft, eine Reihe von Enttäuschungen in Kauf zu nehmen. Steht das Restaurant jedoch kurz vor der Schließung, so bleibt man bei den wenigen verbleibenden Besuchen besser beim Altbewährten.

                  Eine ähnliche Berechnung lässt sich auf Ihre Frage anwenden. Allerdings wird die Problemstellung in Ihrem Fall dadurch erschwert, dass Sie weder Ihre Zugangsrate an Männern noch den Zeitpunkt bestimmen können, zu dem Sie Ihre Fortpflanzungsfähigkeit verlieren werden. Nehmen wir jedoch an, dass Sie alle zwei Monate einen Mann "ausprobieren" können und sich entschließen, unabhängig von den Umständen mit 35 Jahren sesshaft zu werden. Somit können Sie sich im Alter von 18 Jahren auf 102 Männer freuen, weshalb Sie sich nur auf ein Exemplar festlegen sollten, wenn Sie zufällig auf einen Kandidaten aus dem besten 1 Prozent stoßen.Doch wenn die Jahre vergehen, ohne dass Brad Pitt auftaucht, müssen Sie die kritische Schwelle herabsetzen. Es wird Sie freuen zu hören, dass Sie während Ihres gesamten dritten Lebensjahrzehnts experimentieren dürfen, ohne Ihre Ansprüche erheblich senken zu müssen. Noch im Alter von 30 Jahren müssen Sie sich nur mit einem Mann aus den besten 3 Prozent zufriedengeben. Aber lassen Sie sich nicht ewig Zeit. Sonst müssen Sie sich am Ende noch mit einem Volkswirt abfinden.

                  Ihr experementierfreudiger Undercover-Ökonom

                  Lieber Undercover-Ökonom, die Wachsenthaarung der Bikinizone: Offenbar gefällt das Resultat den Jungs, aber das Verfahren ist schmerzhaft. Wie schätzen Sie Kosten und Nutzen der Enthaarung ein? Sylvia, per EmailLiebe Sylvia,ich danke Ihnen dafür, dass Sie Ihre Sorgen mit uns teilen. Ich selbst habe mir nie die Bikinizone mit Wachs enthaart und ziehe es vor, mich nicht zu den ästhetischen Vorzügen dieser Methode zu äußern. Aber ich glaube, dies ist ein Beispiel für eine wichtige ökonomische Erkenntnis: Sie tun etwas, was die Ökonomen als "beziehungsspezifische Investition" bezeichnen würden, und derartige Investitionen haben Folgen.Selbstverständlich ist eine Enthaarung der Intimzone keine so ernste Angelegenheit wie die Entscheidung, ein Kind mit jemandem zu haben oder sich an einer gut sichtbaren Stelle den Schriftzug "Sylvia für Tim" in die Haut tätowieren zu lassen. Doch das Ergebnis dieses Verfahrens wird wahrscheinlich nur ein einziger Partner zu Gesicht bekommen: Sollte er Ihre Mühe nicht ausreichend zu schätzen wissen, so können Sie kaum gegenüber anderen Verehrern mit Ihrer gepflegten Bikinizone werben – es sei denn, Sie haben eine sehr offenherzige Flirttechnik.

                  Wenn Unternehmen Ausrüstung installieren, um einen bestimmten Kunden zufriedenzustellen, tun sie dies im Normalfall nur im Rahmen einer Kostenbeteiligungsvereinbarung oder eines langfristigen Vertrags, und manchmal ist der Kunde sogar an einer Fusion mit dem Anbieter interessiert. Ein Unternehmen, das auf solche Vereinbarungen verzichtet, riskiert, vom Geschäftspartner übervorteilt zu werden: Ist es seiner einseitigen Verpflichtung einmal nachgekommen und profitiert der Kunde von der Installation, so verliert er möglicherweise das Interesse an der Geschäftsbeziehung.In Ihrem Fall könnte die Kostenbeteiligung in einer schönen Wochenendreise bestehen, und ein langfristiger Vertrag in der Vereinbarung, dass Ihr Freund das Geschirr abwäscht.

                  Und die Fusion? Hier bietet sich selbstverständlich eine Heirat an. Eine Verlobung sollte schon mit einem angemessen wertvollen Kohlenstoffmineral besichert werden.Egal, für welche Gegenleistung Sie sich entscheiden: Sorgen Sie dafür, dass Sie sie bekommen, bevor Sie Ihre schmerzhafte Investition auf sich nehmen. Sie müssen richtig einschätzen, wann Ihre Verhandlungsposition unter dem heißen Wachs dahinschmelzen wird.

                  Ihr kahler Undercover-Ökonom

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