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Wirtschaft 4.0 „Übertriebene Technikskepsis ist gefährlich“

Was Technik heute kann, ist schon ziemlich gruselig. Trotzdem trauen sich die deutschen Unternehmen: Sie sind weit weniger zurückhaltend, als gedacht. Das ist gut. Denn Skepsis kostet vor allem die Wettbewerbsfähigkeit.

Viele Amerikaner halten HTML für eine Geschlechtskrankheit
HTMLDas amerikanische Pendant zu Groupon, die Gutscheinplattform Vouchercloud, hat ihre Nutzer zu technischen Begriffen befragt. Das Resultat: Viele Amerikaner haben keine Ahnung, was sich hinter alltäglichen technischen Begriffen verbirgt. So hielten elf Prozent der Befragten die Programmiersprache HTML für eine Geschlechtskrankheit. Quelle: dpa
USBAuch mit der Abkürzung USB konnten viele nichts anfangen. Zwölf Prozent der 2392 Umfrageteilnehmer hielten USB für ein europäisches Land. Quelle: AP
Software15 Prozent verwechselten offenbar Software mit soft wear und gaben an, der Begriff für Computerprogramme stünde für bequeme Kleidung. Quelle: dpa
Blu-ray18 Prozent hielten den Nachfolger der DVD, die Blu-ray, für ein Meerestier. Quelle: REUTERS
MP3Und erstaunliche 23 Prozent hielten das Audiodateiformat MP3 für einen Roboter aus Star Wars. Quelle: REUTERS
GigabyteDie Maßeinheit für Speicherkapazität Gigabyte hielten 27 Prozent für eine Insektenart. Quelle: dpa/dpaweb
MotherboardEin Motherboard, also die Platine des Computers, hielten 42 Prozent für das Deck eines Kreuzfahrtschiffes. Quelle: REUTERS

Sie halten Virtual und Augmented Reality für abgefahrenen Kram? Cloud-Technologie und Organe aus dem 3D-Drucker klingt irgendwie nach wahrgewordener Science Fiction? Dann schnallen Sie sich mal an: Ray Kurzweil geht davon aus, dass wir im Jahr 2030 Nanoroboter in unseren Köpfen haben werden, die mit dem Internet vernetzt sind und Smartphones, Virtual Reality Brillen und andere technische Errungenschaften unserer Zeit einfach obsolet machen werden. Sie suchen ein italienisches Restaurant in der Bahnhofstraße? Sobald Sie darüber nachdenken, taucht die gewünschte Information in Ihrem Kopf auf.

Und bevor Sie das nun als total verrückt abtun: Besagter Mister Kurzweil ist der 68-jährige „Director of Engineering“ bei Google und dort unter anderem für das Machine Learning-Programm zuständig. Und das Dumme ist: Mr. Kurzweil hat mit seinen Prognosen meistens Recht.

"Auch in Deutschland gibt es early adopters"

Unternehmen müssen sich auf derartige Entwicklungen einlassen, sonst sind sie weg vom Fenster. Doch gerade deutsche Betriebe scheinen sich schwerer zu tun, offen auf Neues zu reagieren, als Firmen in anderen Ländern. Das mag am deutschen Perfektionismus liegen, den vielgepriesenen Ingenieurstugenden, aber auch am hierzulande stark ausgeprägten Datenschutz und am Arbeitsrecht. Die Kombination aus vielen verschiedenen Faktoren wird es sein, die die deutsche Wirtschaft eher zu Nachahmern macht, als zu Innovatoren. Lieber erstmal abwarten und es dann besser machen, scheint die Devise zu sein.

„Auch in Deutschland gibt es viele early-adopters, aber die Mehrheit reagiert eher zurückhaltend auf neue Technologien“, bestätigt Doug Merrit. Er ist CEO von Splunk, einem Big-Data-Unternehmen aus Kalifornien, das mit seiner Plattform auch viele deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt.

Aber immerhin funktioniert die Adaption: Jeder zweite Betrieb nutzt bereits digitale Technologien. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor .

Im produzierenden Gewerbe ist es die vernetzte Fabrik, im Dienstleistungsbereich spielen vor allem Online-Plattformen und -Shops, Cloud-Computing-Systeme und Big-Data-Anwendungen eine zunehmende Rolle.

Konkrete Big-Data-Beispiele

Nur noch 31 Prozent der Unternehmen haben sich noch gar nicht mit der Nutzung solcher Technologien beschäftigt. Das ist kein Grund zum Jubeln, aber immerhin etwas. „Deutsche Unternehmen sind Big Data-Lösungen gegenüber vielleicht skeptischer als andere, aber der Wille, beispielsweise Cloudtechnologie zu nutzen, ist weltweit da – auch in Deutschland“, bestätigt Merrit. Bedenken gäbe es natürlich. Und je sensibler die Daten, die ein Unternehmen verwaltet, desto größer die Skepsis, erzählt Merrit. „Finanzdienstleister und andere Unternehmen mit sensiblen Kundendaten sind oft zurückhaltender.“

Dennoch gehört unter anderem die Finanz Informatik der Sparkassengruppe zu den deutschen Kunden von Splunk.

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