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Erneuerbare Energien Solarenergie ist die billigste Stromquelle Deutschlands

Ökostrom war lange teurer als normaler Strom. Doch die Herstellungskosten sinken immer weiter. Verbraucher profitieren davon bisher nicht.

Energiegewinnung durch Sonnenkraft war lange eine der teuersten Techniken der Erneuerbaren Energien. Quelle: dpa

DüsseldorfÖkostrom bricht einen Rekord nach dem anderen: Erst verkündet der Energieversorger Eon, dass im vergangenen Jahr so viel Strom aus grünen Quellen erzeugt wurde wie nie zuvor. Jetzt berichtet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), dass Solarkraft die billigste Stromquelle Deutschlands ist. Ausgerechnet die Technik, die lange als teuerste unter den Erneuerbaren Energien galt.

„Neu errichtete Photovoltaik-Anlagen an günstigen Standorten sind bereits heute günstiger als fossile Kraftwerke, und dieser Trend wird sich bis 2035 deutlich verstärken“, sagt Projektleiter Christoph Kost vom ISE. Technische Fortschritte und ein harter Wettbewerb hätten den Preis nach unten getrieben, erklärt die Studie die gesunkenen Kosten.

Für die effizientesten Solarparks berechnen die Forscher einen Preis von durchschnittlich 3,71 Cent bis 11,54 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Elektrizität aus konventionellen Kraftwerken kommt der Studie zufolge auf Herstellungskosten bis zu 21,94 Cent pro Kilowattstunde.

Auf dem Photovoltaikmarkt, der wie die anderen Erneuerbaren Energien stark subventioniert wurde, ist es in den vergangenen Jahren zu einem hohen Wettbewerb innerhalb der Industrie gekommen. Das hat seit 2011 nicht nur zu deutlichen Preisrückgängen, sondern auch zu zahlreichen Insolvenzen in der deutschen Solarbranche geführt. Seit 2010 gingen so mehr als 100.000 Jobs im Photovoltaikbereich verloren.

Nur noch 32.000 Beschäftigte arbeiten heute in dem Sektor. Beinahe alle Pioniere schlitterten in die Insolvenz, so etwa Solarworld, der letzte große Solarmodulhersteller Europas. Seitdem dominieren Wettbewerber aus China den globalen Markt, sowohl in der Produktion als auch in der Installation von Photovoltaik-Anlagen.

Nur weil Solarenergie jetzt am günstigsten in der Produktion ist, heißt das aber nicht, dass Deutschland bald nur noch aus Photovoltaik-Anlagen besteht. Es ist nicht notwendigerweise die kostengünstigste Energieform, die sich am Ende durchsetzen wird, so Kost.

Auch Onshore-Windenergie ist mit Herstellungskosten zwischen 3,99 Cent und 8,23 Cent pro Kilowattstunde immerhin die zweitgünstigste Stromquelle im Land, Offshore sei aufgrund höherer Installations-, Betriebs- und Finanzierungskosten noch etwas teurer, heißt es in der Studie.

Trotzdem bestehe das Problem der Wetterabhängigkeit und der mangelnden Flexibilität, warnen die Forscher. Das alte Verteil- und Speicherproblem bei Erneuerbaren Energien: Solar- und Windanlagen produzieren nichts, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht und die Speicherkapazitäten sind begrenzt. Deswegen springen in solchen Flautezeiten immer noch konventionelle Kraftwerke ein. Das wird in den Herstellungskosten – auch bekannt als Gestehungskosten – in der Studie allerdings nicht mit eingerechnet.

Zuletzt hat Strom aus Erneuerbaren Energien etwa 35 Prozent des deutschen Bedarfs gedeckt. Die Bundesregierung will diesen Anteil bis 2030 auf 65 Prozent erhöhen.

Mit günstigeren Preisen können Verbraucher trotzdem nicht rechnen. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt hat laut Verivox-Verbraucherpreisindex im vergangenen Jahr knapp 28 Cent pro Kilowattstunde Strom bezahlt. Dabei waren die Preise 2014, 2015 und 2016 jeweils noch zurückgegangen. 2018 soll der Strom im Schnitt sogar noch teurer werden, obwohl die Kosten der Versorger sinken – die Entlastungen werden aber in der Regel nicht weiter gegeben.

So ist die EEG-Umlage, mit der die Stromkunden den Ausbau der Erneuerbaren Energien finanzieren, zum ersten Januar um 0,09 Cent auf 6,792 Cent je Kilowattstunde gesunken. Auch die Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung hat sich verringert. Die Netzentgelte, die Netzbetreiber für die Durchleitung des Stromes verlangen, sind zum Jahreswechsel im Schnitt um rund vier Prozent gesunken.

Die Branche sieht den Staat in der Pflicht: Die staatlichen Umlagen machten weiter mehr als die Hälfte des Gesamtpreises aus, den Stromanbietern bleibe kaum noch Spielraum für die Preisgestaltung, heißt es dann von Seiten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Und der Verbraucher zahlt weiter drauf.

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