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Erneuerbare Energien Wie Akasol für bessere Luft in deutschen Städten sorgen will

Das Unternehmen hat als Studentenprojekt begonnen. Nun will Akasol mit seinen Batteriesystemen die Elektrifizierung von deutschen Stadtbussen vorantreiben.

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Wie Akasol für bessere Luft in deutschen Städten sorgen will Quelle: dpa

Frankfurt Während Bundesregierung und Autoindustrie darum ringen, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in deutschen Städten zu verhindern, arbeitet Sven Schulz daran, saubere Elektrobusse mit Energie zu versorgen.

„Ich persönlich halte es durchaus für denkbar, dass es ab 2025 nur noch elektrische Stadtbusse geben wird“, sagte der CEO der Akasol AG im Interview mit Bloomberg. Die geplanten Diesel-Fahrverbote in vielen deutschen Städten seien ein „sehr großer Treiber“ für das Geschäft des Darmstädter Unternehmens, das aus einem studentischen Projekt hervorgegangen und seit Ende Juni dieses Jahres börsennotiert ist.

„Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Bundesregierung die Elektrifizierung der Busse beschleunigt, um Fahrverbote für private PKW zu vermeiden“, so der 42-Jährige.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe hatten bereits Ende letzten Jahres angekündigt, ihre E-Bus-Flotte bis 2021 um 50 auf dann 59 Fahrzeuge aufzustocken. Und die ESWE Verkehrsgesellschaft hat das Ziel ausgerufen, bis 2022 alle ihre Diesel-Busse in Wiesbaden durch Busse mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb zu ersetzen.

Die IAA-Nutzfahrzeugmesse in Hannover im September dürfte Schulz in der Erwartung bestätigt haben, dass viele der künftigen elektrisch angetriebenen Busse – und LKW – ihre Energie aus Batteriesystemen von Akasol beziehen werden. „Wir hatten den Eindruck, dass etwa die Hälfte der Elektrofahrzeuge, die auf der Messe zu sehen waren, Batteriesysteme von uns hatten“, erklärte Schulz.

Gespräche mit den OEMs deuteten darauf hin, dass die Marktdynamik zunimmt und 2019 möglicherweise mehr elektrische Busse und LKW hergestellt werden, als noch Anfang dieses Jahres erwartet, sagte der Akasol-Chef. „Das könnte sich in unserem Geschäft nächstes Jahr niederschlagen.“

Die Umsatzerwartungen von Analysten für 2019 von 60 bis 80 Mio. Euro seien denn auch aus jetziger Sicht „kein gänzlich unrealistisches Szenario“, bestätigt Schulz, wobei er darauf hinweist, dass Akasol eine offizielle Prognose erst kommunizieren wird, „sobald wir eine entsprechende Visibilität für unser Geschäft im Jahr 2019 haben“.

„Eine Umsatzschätzung von 60 bis 80 Mio Euro für nächstes Jahr ist konservativ“, sagte Karsten Iltgen, Analyst beim Bankhaus Lampe. „Wegen der Nachfrage allein von den Großkunden Daimler und Volvo dürfte da noch Luft nach oben sein“, erwartet er. Iltgen empfiehlt die Akasol-Aktie zum Kauf bei einem Kursziel von 70 Euro. Am Dienstag war die Aktie mit 47,75 Euro aus dem Handel gegangen.

Um die Nachfrage der wichtigsten Kunden Daimler und Volvo nach Batteriesystemen für ihre elektrische Nutzfahrzeugflotte zu bedienen, baut Akasol gerade ihre Produktionskapazitäten massiv aus.

In dem Werk im hessischen Langen unweit von Frankfurt will Akasol dieses Jahr rund 650 Batteriesysteme herstellen und plant für kommendes Jahr „ein Vielfaches davon“, so Schulz.

Und weitere potenzielle Abnehmer sind in Sicht. „In Hannover sind mehrere große Bus- und LKW-Hersteller auf uns zugekommen, die noch nicht unsere Kunden sind, sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland“, berichtet Schulz. „Diese Kontakte wollen wir pflegen und für die Ausweitung unseres Geschäfts nutzen.“

Während die Nachfrageseite für Akasol günstig aussieht, ist deren Bedienung keine leichte Aufgabe. „Der Ramp-up der Serienproduktion für unsere Hauptkunden Daimler und Volvo in Langen ist kein Spaziergang“, bestätigt Schulz und verweist unter Anderem auf den notwendigen starken Personalaufbau und Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Elektronikbauteilen.

„Die Herausforderungen haben wir aber im Griff. Alles in allem sind wir auf der Spur und werden die Planungen erreichen, wenn es keine unerwarteten Ausfälle gibt.“

„Die Äußerungen vom Vorstandschef zu möglichen Neukunden und zur Marktentwicklung sind ermutigend“, sagte Yasmin Steilen, Analystin bei der Commerzbank. „Wichtiger ist aber, dass Akasol auch mit dem Aufbau der Produktionskapazitäten hinterherkommt. Der Ramp-up in Langen und der starke Kapazitätsausbau sind eine Herausforderung, aber bisher scheint die Firma auf gutem Weg zu sein.“ Steilen stuft Akasol mit Kaufen ein bei Kursziel 64 Euro.

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