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Europäische Zentralbank EZB sieht sich für Zähmung der Anleiherenditen gerüstet

Zwei EZB-Vertreter bekräftigen, dass die Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm einsetzen wird, um die Renditen von Staatsanleihen niedrig zu halten.

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Die Zentralbank will für länger niedrig bleibende nominale Renditen sorgen. Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich nötigenfalls mit ihrem zurzeit wichtigsten Werkzeug gegen einen unerwünschten Anstieg der Staatsanleihen-Renditen stemmen. Die Währungshüter würden dann, wenn es erforderlich ist, ihr inzwischen auf 1,85 Billionen Euro angelegtes Anleihekaufprogramm PEPP nutzen, wie Vize-Präsident Luis de Guindos und Notenbank-Direktor Fabio Panetta am Dienstag erläuterten.

„Wir sollten nicht zögern, das Volumen der Käufe zu erhöhen und den ganzen PEPP-Rahmen auszugeben oder mehr, falls das nötig ist“, sagte Panetta auf einem Webinar der italienischen Bocconi Universität laut Redetext.

Die Renditen von Staatsanleihen der Euro-Länder waren zuletzt nach oben geklettert. Das hatte Befürchtungen ausgelöst, die Kreditkosten könnten mitten in der Pandemie steigen und die erhoffte Erholung ausbremsen. Indem die EZB für länger niedrig bleibende nominale Renditen sorge, könne sie konjunkturfördernde Finanzierungsbedingungen sicherstellen, sagte Panetta. „Meine Hauptbotschaft heute kann mit dem Titel eines Songs des Elektromusik-Duos Daft Punk zusammengefasst werden: ‚Harder, better, faster, stronger‘.“

Aus Sicht von de Guindos muss geprüft werden, ob der Renditeanstieg im momentanen Wirtschaftsumfeld schädlich ist. „Wir müssen sehen, ob dieser Anstieg der nominalen Renditen negative Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen hat“, sagte er in einem auf der EZB-Webseite einsehbaren Interview.

Die Notenbank sei offen, notfalls ihr PEPP-Programm zu rekalibrieren, einschließlich des Kaufrahmens, sagte er: „Wir haben Spielraum und wir haben Munition.“ Zur Zeit sind noch ungefähr eine Billion Euro des PEPP-Kaufrahmens ungenutzt. Inflationssorgen hält de Guindos derzeit allerdings nicht für angebracht.

„Alles in allem würde ich sagen, dass wir kurzfristig nicht sehr besorgt sein müssen hinsichtlich der Inflation, und mittelfristig werden wir uns das weiterhin sehr sorgfältig anschauen, was wir immer tun.“ Kurzfristig, in den nächsten zwölf Monaten, werde voraussichtlich die Teuerung im Durchschnitt unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent bleiben. Die EZB strebt diese Marke als Idealwert für die Wirtschaft an, verfehlt sie aber bereits seit Jahren.

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