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Europäische Zentralbank Griechenlands Notenbankchef: EZB sollte Corona-Anleihekäufe nicht drosseln

Am 10. Juni treffen sich die EZB-Währungshüter zur nächsten Zinssitzung. Ratsmitglied Yannis Stournaras will das Corona-Hilfsprogramm noch nicht zurückfahren.

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Im Juni entscheiden die EZB-Notenbanken über mögliche Änderungen des geldpolitischen Kurses. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss aus Sicht von Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras ihre Geldschleusen weiterhin weit offen halten. Trotz Fortschritten bei den Impfkampagnen werde die Konjunktur nach wie vor von der Virus-Pandemie gebremst, sagte das Ratsmitglied der EZB der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

„Natürlich hat es eine Beschleunigung bei den Impfungen gegeben“, sagte Stournaras. „Aber es gibt immer noch Reisebeschränkungen, daher kann ich nicht sagen, wir sind schon aus dem Schneider.“ Es sei noch sehr früh, um den Sieg zu verkünden.

Die nächste Zinssitzung der Währungshüter ist am 10. Juni. Dann wollen die Euro-Wächter unter anderem über die Geschwindigkeit ihres großen Pandemie-Anleihenkaufprogramms PEPP entscheiden, das noch bis Ende März 2022 laufen soll. Das Programm hat insgesamt einen Kaufrahmen von 1,85 Billionen Euro. Rund eine Billion Euro ist schon genutzt worden.

Aus Sicht von Stournaras sollte die EZB bei ihren PEPP-Käufen vorerst die aktuelle Geschwindigkeit beibehalten. „Ich sehe gegenwärtig keinen Grund, um irgendwelche Änderungen vorzunehmen“, sagte der Notenbanker.

Andere EZB-Ratsmitglieder hatten dafür argumentiert, die Geschwindigkeit der Käufe im weiteren Jahresverlauf zu drosseln. Die EZB hatte das Tempo der Käufe unlängst erhöht. Aktuell erwerben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken im Rahmen von PEPP Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Titel im Monatsvolumen von rund 80 Milliarden Euro.

Der Notenbankchef der Niederlande, Klaas Knot, hatte erst vor kurzem darauf hingewiesen, die EZB habe mit dem älteren Anleihenkaufprogramm APP immer noch ein weiteres Instrument in der Hinterhand. Dieses und weitere geldpolitische Werkzeuge würden es der EZB gestatten, die Notfall-Anleihenkäufe des PEPP graduell abzuschmelzen, wenn die akute Krisenphase vorüber sei.

Das APP-Programm, das seit Frühjahr 2015 mit Unterbrechung läuft, wurde einst zur Stützung der Konjunktur aufgelegt. Aktuell erwerben die Euro-Wächter in dessen Rahmen Titel im monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro. Griechische Staatsanleihen sind allerdings wegen ihres schlechten Kreditratings von den APP-Käufen ausgeschlossen.

Aus Sicht von Stournaras ist der Zeitpunkt für einen Wechsel hin zu den APP-Käufen noch nicht gekommen. „Ich glaube nicht, dass der Zeitpunkt schon richtig ist für diesen Wechsel“, sagte er. Natürlich werde das in der Zukunft der Fall sein und daran gebe es keinen Zweifel. „Wir müssen über einen reibungslosen Übergang vom PEPP hin zum APP nachdenken,“ sagte Stournaras.

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