EZB-Protokoll Geldpolitiker fürchten Vertrauensverlust im Falle eines Handelskriegs

Der EZB-Rat blickt mit Sorge auf den drohenden Handelskrieg zwischen USA und China. Dabei geht es nicht nur um die unmittelbare Wirkung der Strafzölle.

EZB-Präsident Mario Draghi und Chefvolkswirt Peter Praet wollten offenbar eine Verschärfung ihres geldpolitischen Kurses möglichst vorsichtig kommunizieren. Quelle: AP

FrankfurtDer Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) betrachtet den drohenden weltweiten Handelskrieg und damit steigende Zölle als ernsthaftes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der Ratssitzung im März hervor. Die Stimmungslage ähnelt damit der in der US-Notenbank, die am Vortag ihr Sitzungsprotokoll veröffentlicht hatte.

Dabei ging es in der Diskussion der EZB nicht nur um die unmittelbare Wirkung der Zölle. Die Sorge war, dass es negative Auswirkungen auf das Vertrauen geben könnte, heißt es in dem Protokoll. Dabei hatten die Geldpolitiker auch den Devisenmarkt im Blick. Die Aufwertung des Euros habe zwar keine spürbaren Auswirkungen auf Exporte aus der Euro-Zone, heißt es, aber sie könnte eine Quelle der Unsicherheit sein und müsse genau beobachtet werden.

Die EZB hatte in der Sitzung am 7. und 8. März die Zinsen unverändert im Nullbereich gelassen, aber die Kommunikation leicht geändert, um ein Ende der Ankäufe von Zinspapieren vorzubereiten. Zurzeit erwarten die Experten, dass diese Käufe von monatlich 30 Milliarden Euro Ende September reduziert werden und Ende des Jahres ganz auslaufen. Danach könnte es Mitte des Jahres 2019 zu einer ersten Zinserhöhung kommen.

Frederik Ducrozet, EZB-Experte bei der Schweizer Bank Pictet, sieht keine Meinungsverschiedenheit über den grundsätzlichen Kurs der Geldpolitik im EZB-Rat. Seiner Beobachtung nach gibt es aber verschiedene Auffassungen über die richtige Kommunikation mit den Märkten.

EZB-Präsident Mario Draghi und Chefvolkswirt Peter Praet wollten offenbar eine Verschärfung des Kurses möglichst vorsichtig kommunizieren, um die Anleger nicht zu verschrecken und störende Markturbulenzen hervorzurufen. Benoît Cœuré dagegen habe mehrfach versucht, die Märkte rechtzeitig zu warnen, um zu verhindern, dass es später zu heftigen Reaktionen kommt.

Am Ende haben Draghi und Praet sich durchgesetzt, sagte Ducrozet. Er persönlich plädierte am Donnerstag für eine klare Kommunikation ohne zu viele Seitenblicke auf die Märkte. In dem Zusammenhang kritisierte er eine Äußerung von Praet, der vor einigen Wochen von einer beidseitigen Kommunikation mit den Märkten gesprochen hatte. Nach Ansicht des Pictet-Experten kommt darin eine zu starke Abhängigkeit der Geldpolitik von möglichen Reaktionen zum Ausdruck.

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