EZB-Rat Nowotny macht Vorschlag zum Ausstieg aus Nullzins-Politik

Österreichs Notenbankchef sieht ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik kommen. Seine Aussage bewegt die Märkte - vor allem den Euro.

Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hält ein schrittweises Vorgehen bei der Abkehr von der Niedrigzinspolitik für erforderlich. Quelle: Reuters

LondonÖsterreichs Notenbankchef Ewald Nowotny sieht die Zeit für eine schrittweise Abkehr von der Politik des billigen Geldes in der Euro-Zone gekommen. Zunächst werde die Europäische Zentralbank (EZB) ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm wohl bis zum Jahresende auslaufen lassen, sagte das EZB-Ratsmitglied am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies werde den Weg bereiten für die erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2011. „Das ist die Struktur.“ Dabei sollten die Währungshüter graduell vorgehen, wobei zunächst der Einlagensatz angehoben werden könne.

Die Aussagen bewegten die Märkte. Der Euro sprang zeitweise auf ein Tageshoch von 1,2377 Dollar. „Ich würde kein Problem damit haben, in einem ersten Schritt von minus 0,4 Prozent auf minus 0,2 Prozent zu gehen und dann als zweiten Schritt den Leitzins einzubeziehen“, sagte Nowotny.

Der Einlagensatz liegt seit März 2016 bei minus 0,4 Prozent. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der EZB über Nacht überschüssige Liquidität parken. Der Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld steht seitdem bei 0,0 Prozent.

Experten erwarten aktuell, dass die EZB im Juni oder Juli ihre Pläne bekanntgeben wird, wie sie ihr auf 2,55 Billionen Euro angelegtes Anleihen-Kaufprogramm beenden will. Die Käufe waren in den vergangenen drei Jahren das zentrale Kriseninstrument der Notenbank, um die Konjunktur und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuschieben.

Mehrere Währungshüter hatten zuletzt Übereinstimmung mit Markterwartungen signalisiert, nach denen nach einem Stop der Käufe eine erste Anhebung von Schlüsselzinsen bis etwa Mitte 2019 möglich sei.

Zum exakten Zeitplan wollte sich Nowotny nicht äußern. Dazu sei es noch zu früh. Zu den jüngsten Kursschwankungen an den Börsen sagte er: „Ich denke, Zentralbank-Politik muss eine mittelfristige Strategie verfolgen.“ Der Handelsstreit zwischen den USA und China könne aber die Wechselkurse beeinflussen. Die Turbulenzen könnten Investoren dazu veranlassen, Geld in die Euro-Zone zu bewegen.

Ein starker Euro käme für die EZB in der aktuellen Phase des Übergangs zu einer weniger expansiven Ausrichtung zur Unzeit. Denn das schmälert tendenziell die Absatzchancen europäischer Waren auf dem Weltmarkt und verbilligt Importe, was die Inflation dämpft.

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