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EZB-Vize Vitor Constancio Geldschleusen bleiben noch lange weit geöffnet

Wann ist der Moment gekommen, um die geldpolitischen Zügel anzuziehen? In dieser Frage sind sich EZB und nationale Notenbanker keineswegs einig. EZB-Vize Vitor Constancio jedenfalls widerspricht dem Deutschen Jens Weidmann.

EZB-Vize Vitor Constancio: Geldschleusen bleiben geöffnet Quelle: AP

FrankfurtDie Geldpolitik im Euro-Raum könnte nach Einschätzung von Vitor Constancio, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) noch lange sehr locker bleiben. Die EZB habe sich zwar mit der Halbierung der monatlichen Anleihenkäufe auf ein neues wirtschaftliche Umfeld und eine kommende höhere Inflation eingestellt, sagte Constancio der italienischen Zeitung „La Repubblica“ (Mittwochausgabe). „Das bedeutet aber nicht, dass die Geldpolitik nicht für lange Zeit sehr konjunkturstützend bleiben wird“, fügte er hinzu.

Die Währungshüter erwerben wegen des sich festigenden Aufschwungs im Euro-Raum von diesem Januar an monatlich nur noch für 30 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Die Monate zuvor waren es noch 60 Milliarden gewesen.

Anders als Constancio würde Bundesbank-Präsident Jens Weidmann das billionenschweren Anleihekaufprogramms der EZB am liebsten noch in diesem Jahr beenden. „Das hielte ich aus heutiger Sicht für angemessen“, hatte Weidmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt. Die Käufe hätten nicht vernachlässigbare negative Wirkungen. „So sind die Zentralbanken dadurch inzwischen zu den größten Gläubigern der Staaten geworden.“ Weidmann stand insbesondere den Käufen von Staatsanleihen von Anfang an kritisch gegenüber.

Auch zum jüngsten Kursanstieg des Euro äußerte sich Notenbanker Constancio. Zwar verfolge die EZB kein Wechselkursziel. „Aber ich bin besorgt über plötzliche Bewegungen, die keine Veränderungen in den Fundamentaldaten widerspiegeln“, sagte Constancio. Der Euro legte allein seit Jahresstart rund vier Cent auf einen Kurs von inzwischen 1,22 Dollar zu. Ein starker Euro verbilligt unter anderem die Importe und dämpft dadurch die Inflationsentwicklung.

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