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Fair Finance Guide Deutschland Wie fair verhält sich meine Bank?

In einem neuen Informationsportal können Verbraucher die sozialen und ökologischen Selbstbestimmungen ihrer Bank begutachten – mit teils überraschenden Ergebnissen. Aus Finanzkreisen gibt es deshalb reichlich Kritik.

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Ein unabhängiges Informationsportal bewertet die soziale und ökologische Selbstbestimmung von acht deutschen Banken. Quelle: Imago

Fürsprecher von ethisch-ökologischer Geldanlage haben es wahrlich nicht leicht: Für sie ist es alles andere als einfach, die Leitlinien ihrer Bank in dieser Hinsicht überhaupt zu identifizieren – sie zu überprüfen ist allerdings nahezu unmöglich. Zu groß sind die Verflechtungen in Unternehmens- und Finanzkreisen, zu unvollständig die publizierten Informationen der Institute.

Ein neu errichtetes Informationsportal könnte da künftig Abhilfe schaffen. Der Fair Finance Guide Deutschland (FFG D) überprüft und bewertet die tatsächliche Fairness vieler Geldhäuser. Wie nachhaltig arbeitet meine Bank? Inwiefern werden indirekt Menschen- und Arbeitsrechte verletzt oder der Klimaschutz missachtet? Auf solche Fragen könnte das web-basierte Tool künftig eine Antwort geben.

Die Macher sichten die sozialen und ökologischen Selbstbestimmungen verschiedener Banken und stellen die Analysen zusammen. Die öffentlich zugänglichen Richtlinien ausgewählter Institute werden dabei auf ethische und nachhaltige Inhalte geprüft und anschließend gerankt. Als Maßstab dienen insgesamt 210 Kriterien – nach Angaben von FFG D international anerkannte Normen und Werte.

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Das erste Ranking überrascht zum Teil: Dass die Nachhaltigkeitsbanken GLS Bank (92 Prozent) erfüllte Bewertungskriterien) und Triodos Bank (82 Prozent) das Ranking vor der evangelischen KD-Bank (63 Prozent)anführen, dürfte kaum überraschen. Verwunderlich ist auf den ersten Blick allerdings, dass die katholisch-genossenschaftliche Pax-Bank auf dem letzten Platz landet – mit nur drei Prozent erfüllten Bewertungskriterien. Die Selbstbestimmung sei nicht präzise und ausführlich genug formuliert, heißt es.

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    Mit erheblichen Einbußen haben die untersuchten Großbanken zu kämpfen. So erfüllt die Commerzbank lediglich 35 Prozent der Kriterien, die DZ-Bank 29 Prozent, Deutsche Bank (21 Prozent) und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, 8 Prozent) werden gar noch dahinter gelistet.

    Mit ausschlaggebend dafür: Laut FFG D würden diese Häuser entgegen ihrer Selbstbestimmungen in kontroverse Unternehmen investieren oder zur Finanzierung beitragen – etwa in Firmen, die durch Rüstungsexporte in Länder, in denen Menschenrechte verletzt werden, ihr Geld verdienen. Auch solche Dritthandlungen führen zu einer Abwertung im Ranking. Ein solches Informationsportal gibt es bereits in sechs Ländern – Tendenz deutlich steigend. Inzwischen wurden 56 Banken genau unter die Lupe genommen.

    Wenn das Gewissen über die Geldanlage entscheidet
    Euromünzen Quelle: Fotolia
    Platz 17: Bergbau (6 Prozent)Die großen Bergbaukonzerne der Welt stehen häufig am Pranger – nicht nur wenn es um Nachhaltigkeit geht. Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus haben trotzdem eher wenige Bedenken bei der Branche: Nur Sechs Prozent würden hier kein Geld investieren. Quelle: dpa
    Platz 16: Hersteller von Verhütungsmitteln/Betreiber von Abtreibungseinrichtungen (6 Prozent)Ebenfalls 6 Prozent finden Verhütungen und Abtreibungen ethisch bedenklich und würden hier kein Geld investieren. Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geldanlagen hatte übrigens nur jeder zwanzigste der Befragten. Quelle: AP
    Platz 15: Autobranche (7 Prozent)Knapp ein Drittel der übrigen Befragten hat aber generell Interesse. Diejenigen, die aus dem Osten der Bundesrepublik stammen oder älter als 60 Jahre sind, sind seltener für ethisch-ökologische Geldanlagen zu begeistern. Sieben Prozent der Verbraucher haben ein grundsätzliches Problem damit, Geld in die Automobilbranche zu investieren. Quelle: dpa
    Platz 14: Chemiebranche (9 Prozent)Vor die Wahl gestellt hielt fast die Hälfte der Teilnehmer ethische Aspekte für wichtiger als ökologische. Nur ein gutes Viertel gab der Umwelt den Vorzug, der Rest mochte sich nicht entscheiden. Fast zehn Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Geld in der Chemiebranche anzulegen. Quelle: dpa
    Platz 13: Pharmabranche (12 Prozent)Trotz ihrem Beitrag zum medizinischen Fortschritt: In der Bevölkerung herrscht traditionell das Bild der bösen Pharmaindustrie vor. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Für 12 Prozent der Befragten käme eine Investition in das Geschäft mit den Medikamenten nicht in Frage. Quelle: dpa
    Platz 12: Biogas- und Biosprit-Herstellung (13 Prozent)Ein Großteil der landwirtschaftlich angebauten Lebensmittel wird mittlerweile für die Produktion von Biogas und Biosprit verwendet. Das ist in manchen Regionen der Welt problematischer als in anderen, denn die Verknappung der Lebensmittel kann die Konkurrenz zwischen Teller und Tank verschärfen. 13 Prozent der Befragten schließen die Branche bei ihren Geldanlagen deshalb kategorisch aus. Quelle: dpa

    Federführend ist das Netzwerk Fair Finance Guide International (FFG I), das von der Hilfsorganisation Oxfam gegründet würde und hauptsächlich vom schwedischen Entwicklungsministerium Sida finanziert wird. „Die Betrachtung von Banken ist ein guter Start, weil dort die größte Nähe zum Verbraucher ist“, sagt Petra Hamers, Koordinatorin von FFG I. Für die Zukunft gibt es Überlegungen, ein ähnliches Angebot auch für den Versicherungssektor anzubieten.

    Banken zweifeln an der Aussagekraft

    Federführend für die Umsetzung in Deutschland ist die Organisation Facing Finance, gemeinsam mit einigen weiteren Partnerorganisationen. Durch das Ranking möchte das Netzwerk zum einen die Transparenz für den Verbraucher erhöhen, zum anderen allerdings auch an das Selbstverständnis der Banken appellieren. „Soziale und ökologische Kriterien müssen ein unverzichtbarer Teil des Geschäftsmodells sein“, sagt Thomas Küchenmeister, Geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. „Banken sollen ihre kommunizierten Richtlinien als Qualitätsmerkmal begreifen.“

    Die Nachfrage sei zwar noch gering, so Experten, allerdings stetig steigend. „Nischenmärkte“ wie nachhaltige Geldanlage könnten in Zeiten niedriger Zinsen allerdings eine immer wichtigere Rolle in der Entscheidung der Kunden spielen.

    Daher bräuchte man gesetzlich verankerte Mindeststandards, fordert Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen, die ebenfalls an der Umsetzung des FFG D beteiligt ist. „Wenn Banken mit Nachhaltigkeit werben, dann müssen sie auch bestimmte Richtlinien erfüllen. Werbebotschaften halten oft nicht das was sie versprechen“, so Brendel.

    In Branchenkreisen wird die Aussagekraft des erstellten Rankings allerdings stark infrage gestellt. Da das Ranking lediglich frei zugängliche Richtlinien bewerten würde, sei es „grobmaschig“ und „kaum aussagefähig“, heißt es aus Finanzkreisen. Die Geheimhaltung von Prüfkriterien sei legitim und in ausgewählten Fällen auch zwingend notwendig. Bei der Deutschen Bank etwa werden Finanzierungs- und Projektbeteiligungen stets im Einzelfall geprüft. „Die Umfrage bildet daher nur einen kleinen Teil unserer Aktivitäten ab“, so ein Sprecher.

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      Bei der Pax-Bank sei die fehlende Konkretisierung und Präzisierung der Leitlinien ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden gewesen, so FFG D. Der Bewertungsansatz allerdings, kritisiert die Bank, sei „wenig zielführend“, da gemäß der Satzung einzelne Geschäftsfelder ausgeschlossen werden.

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      „Dies führt zu einer Negativinterpretation. Mit Blick auf dieses Untersuchungs- und Befragungsdesign halten wir die Bewertung daher für unzureichend“, so ein Sprecher. Eine vollständige Übereinkunft könne es grundsätzlich nicht geben, da Nachhaltigkeit auch Definitionssache sei, so die Pax-Bank.

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