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„Fat Finger“ Die Deutsche Bank ist kein Einzelfall – die skurrilsten Pannen bei Finanztransaktionen

Überweisungsfehler können Banken erheblichen Schaden zufügen, finanziell und immateriell. Eine Übersicht über bekannte, skurrile und teure Fälle.

Die skurrilsten Pannen bei Finanztransaktionen Quelle: dpa

DüsseldorfEinmal mehr ist die Deutsche Bank wegen eines „Fat-Finger-Fehlers“ in der Kritik. So werden in der Finanzbranche falsche Eingaben am Computer genannt, Vertipper sozusagen. Deutschlands größtes Finanzinstitut überwies im vergangenen Monat im Rahmen seines täglichen Handels mit Derivaten versehentlich 28 Milliarden Euro auf ein Konto bei der Frankfurter Derivatebörse European Exchange (Eurex).

Fehlerhafte Aufträge und Käufe dieser Art kamen und kommen immer wieder vor. Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Nicht immer kommen die Finanzinstitute ohne Schaden davon.

Anfängerfehler

Die Deutsche Bank ist keine unbekannte Firma, wenn es um unangenehme Überweisungsfehler geht. Vor etwa drei Jahren hatte das größte heimische Geldhaus versehentlich sechs Milliarden Dollar an einen Hedgefonds überwiesen. Ein neuer Mitarbeiter in London soll zu oft die Null auf seiner Tastatur gedrückt haben und der Chef, der Transaktionen dieser Art absegnet, im Urlaub gewesen sein. Am Folgetag war das Geld wieder zurücküberwiesen.

Überweisung ins Nirwana

Ein Vorgang, der kaum zu glauben ist: Die deutsche Förderbank KfW überwies im September 2008 im Rahmen eines Devisenswapgeschäfts über 300 Millionen Euro an Lehman Brothers. Die US-Großbank hatte jedoch zuvor Insolvenz angemeldet. Das Echo ist gewaltig, es folgen Krisensitzungen sowie Besuche im Bundeswirtschafts- und Finanzministerium. Zwei Vorstände werden für verantwortlich erklärt und entlassen, ein Bereichsleiter wird in den Ruhestand geschickt.

Teurer Sekundenschlaf

62,40 Euro – diese Summe sollte an einem Tag im April 2010 vom Konto eines Rentners überwiesen werden. Unglücklicherweise belief sich die Überweisung auf 222.222.222,22 Euro, nachdem ein Bankangestellter der Frankfurter Volksbank eingenickt und mit seinem Finger auf der „2“ hängen geblieben war. Bei Beträgen in dieser Höhe erscheint der Systemhinweis „Besonders prüfen“. Eine Mitarbeiterin gab die Transaktion dennoch frei. Erst einem dritten Mitarbeiter fiel der Fehler auf.

Herr der ruhenden Bälle

Ein 50 Millionen Dollar schwerer Deal wartete bei der Bank of America 2006 auf die finale Freigabe via Enter-Taste. Lediglich der Vorgesetzte musste noch zustimmen. Der Händler, der diesen Auftrag vorbereitet hatte, sah sich plötzlich einem fliegenden Football ausgesetzt. Ein Trainee hatte diesen quer durch den Raum geworfen. Ärgerlich: Der Football landete auf der Tastatur und löste die Enter-Taste aus. Der Trainee wurde mit einem strengen Verweis bedacht.

Teurer Rückkauf

Als die UBS Warburg Ende 2001 die Aktienemission der japanischen Werbeagentur Dentsu begleitete, kam es in der Frühphase zu einem peinlichen und sehr teuren Malheur: Ein Händler wollte 16 Aktien zu je 600.000 Yen verkaufen – bot allerdings 610.000 Papiere zu 6 Yen. Die Order konnte nur teilweise rückgängig gemacht werden. Das Geldhaus musste die verkauften Aktien zum Marktpreis zurückkaufen, was sie über 100 Millionen Dollar kostete.

Ein Jahr ohne Weihnachtsgeld

Ein ähnlicher Fehler unterlief einem Trainee des japanischen Traders Mizuho im Jahr 2005. Der 24-Jährige wollte an der Tokioter Börse eine Aktie der Telekommunikationsfirma zu 610.000 Yen verkaufen. Er bot jedoch 610.000 Aktien für einen Yen an. Mit einigen Finanzinstituten, die die Anteilsscheine derart günstig erwarben, konnte sich Mizuho auf einen Vergleich einigen. Die Fehleingabe kostete über 200 Millionen Dollar. Die Folge: Der gesamten Belegschaft wurde das Weihnachtsgeld gestrichen.

Mehr als eine Null zu viel

Ungefähr sieben Millionen Roche-Aktien existierten zu Jahresbeginn 1999. Trotzdem kaufte ein Aktienhändler der UBS in wenigen Minuten zehn Millionen Papiere des Pharmakonzerns. Die einfache Erklärung: Er hatte schlichtweg zu viele Nullen eingetippt.

989.529 – eine Zahl, eine Verwechslung

Eine unglückliche Verwechslung hätte die London Stock Exchange (LSE) im Herbst 1997 beinahe 60 Milliarden Pfund gekostet. Ein Händler hatte innerhalb einer Stunde gleich dreimal 989.529 Aktien des Pharmaunternehmens Zeneca geordert. Er hatte statt des Kaufvolumens versehentlich die sechsstellige Börsen-Kennziffer von Zeneca eingegeben. Die Londoner Börse wurde misstrauisch und prüfte den Auftrag vor der Ausführung noch einmal nach. Redebedarf gab es anschließend dennoch.

Abgestützt

Wieder dient die Londoner Börse als Schauplatz: Dort hatte sich ein Händler 1999 mit seinem Ellenbogen auf der Tastatur abgestützt und insgesamt 600 Mal 16.000 Aktien von Premier Oil gekauft. Gesamtvolumen: Nahezu zwei Millionen Pfund. Allein dieser Deal überstieg das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen der Aktie um das Fünffache.

Ähnlich unglücklich verhielt sich 1998 ein Händler der US-Investmentbank Salomon Brothers, der mit seinem Ellenbogen ebenfalls auf der „Sofort-Verkaufen“ gelandet war und dadurch mehr als 10.000 Futures auf französische Staatsanleihen verkauft hatte. Diese Funktion dieser Taste wurde in der Folge deaktiviert.

Millionen und Milliarden

Als ein Händler der US-Großbank Morgan Stanley im Februar 2007 eine Order über 100.000 Wertpapiere ins System tippte, übersah er den automatischen Multiplikator von 1000. So belief sich die Transaktion auf 10,8 Milliarden statt 10,8 Millionen Dollar. Ehe die Bank die Fehleingabe registrierte, waren bereits 875 Millionen Aktien verkauft worden.

Leben am Limit

Die Eingabemasken für Kontraktzahl und Limit vertauschte ein Händler im September 2002. Eigentlich war geplant, einen Kontrakt dann zu verkaufen, wenn der Dax die Marke von 5180 Punkten überschreitet. Stattdessen verkaufte er 5180 Kontrakte sofort und ohne Limit, also ohne eine Ober- oder Untergrenze. Der Marktbetreiber konnte einen Teil der Deals wieder rückgängig machen.

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