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Altersvorsorge Die Riester-Bombe

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So beschreibt er es, heute, fünf Jahre später, auf dem Sofa sitzend, bei verdunkelten Fenstern, an einem sonnigen Frühlingsvormittag in der Stadt Harouf, zu einer Uhrzeit, zu der er früher bei der Arbeit war, in der Werkstatt, die es nicht mehr gibt. Einer seiner Nachbarn wird später erzählen, Aayash sei der beste Sportler der Stadt gewesen. Fast zwei Meter hoch konnte er springen und den Handball werfen wie kein Zweiter. Jetzt sitzt er da und raucht, und an der Wand lehnen die Krücken.

Aayash beugt sich nach vorn. Ob ich ihn fotografieren dürfe, habe ich gefragt. Er sagt, er wolle sich nicht selbst als Krüppel sehen. Nur von seinen Beinen solle ich ein Bild machen, die sollten die Leute sich anschauen.

Er zieht die Socke von seinem Stumpf, dort, wo früher sein rechter Fuß war, der Fuß, der auf die Bomblette trat. Er zeigt den linken Fuß, der an einem seltsam dünnen Bein hängt, weil die Bombensplitter ihm die Muskeln zerrissen. Vor ein paar Wochen haben die Ärzte ihm wieder ein Stück Metall aus dem Fleisch geschnitten, es war die 21. Operation in viereinhalb Jahren.

Welche Rädchen drehen sich da?

Nach Schätzung der Vereinten Nationen enthielten die Streubomben, die auf dem Südlibanon niedergingen, vier Millionen Bombletten. Etwa eine Million prallten auf dem Boden auf, ohne zu detonieren. Manche Blindgänger sind kugelrund, nicht größer als Tennisbälle. Andere erinnern an kleine Getränkedosen, wie man sie in Flugzeugen bekommt. Selten enthalten sie mehr als dreißig Gramm Sprengstoff, genug, um einen Menschen zu töten oder ihn zu verstümmeln.

Naser Aayash zieht die Socken wieder über die Narben. Er setzt zu einem Satz an, bricht ab, zieht an der Zigarette, als könne der Rauch seine Gedanken ordnen. Dann sagt er: „Was ist das für eine Waffe, die den Frieden zum Krieg macht?"

Es ist nicht so, dass ich nichts von Streubomben wusste, als ich die erste Rate für die CBU-105 überwies. Im Gegenteil, im Mai 2008 sah ich im Fernsehen einen Bericht über eine Demonstration von Streubombenopfern. Es waren Krüppel aus der halben Welt. Sie hielten schwarze und gelbe Arme aus Styropor in die Höhe, die abgerissene Gliedmaßen symbolisierten. Mit dicker Farbe hatten sie die Namen ihrer Heimatländer aufgemalt. Äthiopien, Irak, Afghanistan, Serbien, Vietnam, Kambodscha, Kroatien, Libanon. Es sind 36 Länder, in denen Menschen durch Streubomben starben.

Der Grund für die Demonstration war eine internationale Konferenz. Die Vertreter von 107 Nationen trafen sich in der irischen Hauptstadt Dublin, um über Streubomben zu diskutieren. Man kennt das von Klimaverhandlungen: Erst reden alle von dringendem Handlungsbedarf, dann schließen sie einen Vertrag, der zu nichts verpflichtet.

Diesmal war es anders.

Sogenannte fondsbasierte Riester-Rente

Es ist verboten, Streubomben einzusetzen. Es ist verboten, sie weiterhin zu lagern. Es ist verboten, sie herzustellen oder ihre Herstellung zu unterstützen. So steht es heute in den Paragrafen der internationalen Streubomben-Konvention.

Ich weiß noch, wie ich mich ärgerte, dass Militärmächte wie Russland, Indien, Israel oder die USA das Abkommen nicht unterschrieben. Ich war ein wenig stolz, als der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier seinen Namen unter den Vertrag setzte. Steinmeier sagte damals: „Wir wollen ein starkes Signal an andere Staaten senden, unserem Beispiel zu folgen."

Als Deutscher hatte ich das Gefühl, auf der Seite der Guten zu stehen. Knapp drei Jahre später stieg ich selbst in das Geschäft mit den verbotenen Waffen ein – mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung.

Es war Herr Krüger, der mir die Bombe verkaufte. Ein sympathischer älterer Herr, sorgfältig frisiert und gekleidet, mit Nadelstreifenanzug und Einstecktuch. Er parkte seinen braunen Smart vor der Tür und besuchte mich in meiner Wohnung. Bevor er den Mantel auszog, fragte er, ob er ablegen dürfe.

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