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Altersvorsorge Die Riester-Bombe

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Nächste Woche wird Küchenmeister nach Frankfurt fahren, zur Hauptversammlung der Deutschen Bank. Gemeinsam mit Vertretern von Urgewald will er dort die Rede auf Muammar al-Gadhafi bringen.

Urgewald liegen Informationen vor, wonach die Deutsche Bank mithalf, das spanische Rüstungsunternehmen zu finanzieren, das den libyschen Diktator mit Streubomben versorgte. Vor wenigen Wochen ließ Gadhafi die Bomben auf Wohnviertel in der Stadt Misrata abwerfen. Konfrontiert mit diesem Vorwurf, sagt mir ein Sprecher der Deutschen Bank, die Bank äußere sich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen.

Finanzströme sind schwer zu überwachen. Sie beginnen und enden auf Computerschirmen, ausgelöst durch Tastenklicks, dazwischen durchlaufen sie ein paar Glasfaserkabel, das ist alles. Walter Riester sagt, das Problem lasse sich trotzdem lösen. Der Bundestag müsste ein Gesetz verabschieden, dann würde den Banken und Versicherungen das Risiko schnell zu groß. Investitionen in Streubomben sind verboten, müsste in dem Gesetz stehen, nichts weiter. Es wäre ein Beschluss, wie es ihn in Belgien, Irland, Luxemburg, Norwegen und Neuseeland bereits gibt.

Kein Verstoß gegen den Vertrag zur Ächtung dieser Waffenart

Die Bundesregierung steht auf einem anderen Standpunkt. Ein Sprecher des Außenministeriums teilt mir mit, man sehe Investitionen in Unternehmen, die Streubomben herstellten, nicht als Verstoß gegen den Vertrag zur Ächtung dieser Waffenart an.

Streng genommen habe ich auch nicht die CBU-105 gekauft, sondern nur die Aktie des Unternehmens, das die Bombe baut. Offenbar ist die Bundesregierung der Meinung, dass das ein großer Unterschied ist.

Ich sehe das anders. Ich habe meinen Vertrag mit dem Deutschen Ring gekündigt. Ich will mich nicht darauf verlassen, dass es Textron gelungen ist, eine Waffe zu bauen, die keine Zivilisten tötet. Ich will mich nicht freuen, wenn das Unternehmen seine Bomben rund um die Welt verkauft. Ich will keine höhere Rente kassieren, weil irgendwo ein Mann wie Naser Aayash sein Bein verliert.

Knapp 400 Menschen getötet

Seit dem Ende des Krieges haben die israelischen Streubomben im Libanon knapp 400 Menschen getötet oder verletzt. Bis jetzt. Nach Schätzung der britischen Organisation Mines Advisory Group, die im Libanon nach Streubomben sucht, wird es noch vier Jahre dauern, bis alle Blindgänger gefunden und entschärft sind.

Der Mechaniker Naser Aayash kann nicht mehr unter Autos kriechen. Er lebt von dem Geld, das sein Bruder mit dem Verkauf von Reinigungsmitteln verdient. Die Werkstatt musste Naser Aayash schließen. Dafür gibt es in Harouf und anderen Städten des Südlibanon jetzt andere Werkstätten. Aus Leder und Kunststoff, Holz und Metall entstehen Produkte, die hier neuerdings recht gefragt sind. Es sind Prothesen.

Postskriptum: Konfrontiert mit den Recherchen der ZEIT, erklärt das Unternehmen Pioneer Investments, der U.S. Mid Cap Value Fund werde alle Aktien der Firma Textron mit sofortiger Wirkung verkaufen.

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