WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Anlegerschutz Statistiken schützen nicht vor Fehlberatung

Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Forderung nach einer Datei für Bankberater. Deren Arbeit wird dadurch nicht besser, sondern nur noch bürokratischer. Ein Kommentar von Heike Schwerdtfeger.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Dieses Symbolbild mutet an wie Quelle: dpa-tmn

Schon jetzt müssen Banken an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Bundesbank täglich eine Fülle von Daten liefern, die in diesen Behörden irgendwo in Tabellen gesammelt werden. Aber genutzt hat das Datensammeln wenig. Überdimensionierte Statistiken verhindern keine Bankenkrisen. Ähnlich erfolglos wird ein Register für Bankberater enden. Ihre rund 300.000 Bankberater sollen Banken und Sparkassen nach dem Willen der Bundesregierung künftig namentlich und mit Einsatzort an die BaFin melden.

Die Regelungen sind Teil des Anlegerschutzgesetzes, das am 9. Februar im Finanzausschuss beraten werden soll und dem dann noch Bundestag und Bundesrat zustimmen müssen.

Mit Datenpflege statt Aufsicht beschäftigt

Die BaFin wird nach dem Willen der CDU/CSU- und FDP-Koalition künftig mit noch mehr Daten zugemüllt und sie wird bei Hunderttausenden von Namen überwiegend mit der Datenpflege beschäftigt sein, um die Fluktuation unter den Bankberatern zu erfassen. Im schlimmsten Fall kommen wichtigere Aufgaben bei der Bankenüberwachung zu kurz, weil die Kapazitäten dafür fehlen.

Wer seinen Bankberater nicht mag, kann ihn künftig denunzieren. Böswillige Anleger können ihn bei der Bank anschwärzen. Sie muss dann die Beschwerde an die BaFin weitermelden. Dem Bankangestellten droht bei Beratungsverstößen ein Berufsverbot.

Ob der Anleger von der BaFin darüber informiert wird, dass die Beschwerde eingegangen ist, oder wie sich die Beamten ein Bild über den Wahrheitsgehalt machen wollen und wie sie  Missstände beseitigen wollen. Antworten darauf bleiben die Politiker noch schuldig.  Es zeigt aber bereits, was neben der Liste noch auf die Bankaufseher zukommen wird.

Verkäufer von Investmentfonds sind außen vor

Noch problematischer ist allerdings, dass nur Bankberater in die Liste aufgenommen werden, nicht aber Verkäufer von Investmentfonds oder Beteiligungsmodellen (geschlossene Fonds), die mit einer Gewerbeerlaubnis auf Anlegerfang gehen dürfen und auch in keiner Bankerliste auftauchen. Für sie gelten weiterhin laxe Weiterbildungsstandards und sie unterliegen nur der örtlichen Gewerbeaufsicht, deren Spezialgebiet sicherlich nicht die Bankberatung ist. Wer dem Bürger vorgaukelt, Tabellen führten zu einer besseren Anlageberatung, der erweist ihm einen Bärendienst. Sie nimmt nur Fälle auf, bei denen bereits etwas schief gegangen ist. Das Geld wurde also bereits versenkt und ohne eine gerichtliche Klage wird der Anleger es kaum zurückbekommen können. Diese Möglichkeit bestand allerdings immer schon.

Da häufig Zielvorgaben der Bankchefs Berater zum Verkauf riskanter Produkte nötigen, trifft die Datei die Falschen.  Die Zweiteilung im Beratermarkt, die es nur in Deutschland gibt, wird zementiert: Hier streng regulierte Bankberater und Finanzinstituten angeschlossene Vermittler, dort Vermittler, die nur mit einem Gewerbeschein Fonds verkaufen dürfen.

Dioxin statt Anlegerschutz

Verbraucherschutzministerin Aigner startete 2009 furios mit einem Bündel von Forderungen zum Anlegerschutz: Per Gesetz sollte es provisionsgierigen Beratern erschwert werden, Anlegern zu riskante Produkte zu verkaufen. Pflicht wurde bisher nur das Beratungsprotokoll. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) setzte sich erfolgreich für die rund 80 000 freien Vermittler ein. Im Sinn der Erfinderin war das nicht: "Der Verbraucher hat einen Anspruch auf eine sachkundige und ordentliche Beratung, und zwar völlig gleichgültig, ob er ein Wertpapier bei einer Bank, eine Rentenversicherung bei einem Versicherungsvermittler oder eine Fondsanlage bei einem freien Finanzvermittler oder einem Strukturvertrieb erwirbt", sagte Aigner der WirtschaftsWoche im November. Jetzt gilt ihr Kampf aber dem Dioxin-Skandal, da bleibt für den Anlegerschutz weniger Kraft und Zeit.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%