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Asien Hält Chinas Fundament bei Immobilien und Aktien?

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Das große Zocken

In Städten der zweiten Ebene wie Dalian, Xi’An oder Shenyang gibt es noch echten Nachholbedarf bei Wohnungen. Im Süden, in Peking, Shanghai und Shenzhen, der Millionenmetropole bei Hongkong, lockt dagegen das schnelle Geld. „Mehr als 80 Prozent der Käufer kommen von außerhalb, viele kaufen nur zur Spekulation“, sagt der Immobilienmakler Zhu Jiayi. Guido Stiel, Fondsmanager bei Allianz Global Investors, schätzt den Anteil der Spekulanten an den Wohnungskäufern auf 20 bis 30 Prozent. Das erinnert fatal an das Verhalten der Amerikaner zum Ende der Immobilienhausse in den USA.

Weil sie Schäden an den Wohnungen fürchten, vermieten viele Chinesen nicht einmal. So wachsen Geisterstädte heran. In Peking, Shanghai und Shenzhen steht in manchen Bezirken jede zweite Wohnung leer. Außerhalb des vierten Autobahnrings im Osten der Hauptstadt geht die Fahrt kilometerlang durch Wohnanlagen mit edlen Clubs und Fitnessstudios. Menschen sind keine zu sehen.

Optimisten weisen darauf hin, dass ein Viertel aller Immobilien bar bezahlt wird. Zudem hat die Regierung bereits reagiert und die Quote an eigenem Kapital, das die Chinesen in den Erwerb von Zweitwohnungen stecken müssen, auf 40 Prozent erhöht. In der Vergangenheit entwickelten sich Immobilienblasen meist, wenn die Beleihungsquoten bei 100 Prozent und mehr lagen – wie in den vergangenen zehn Jahren in den USA. Zusätzlich erhebt die Regierung nun 5,5 Prozent Spekulationssteuer auf Wohnimmobilien, die nach weniger als fünf Jahren wieder verkauft werden. „Werden diese Maßnahmen durchgesetzt, kann eine Blase verhindert werden“, sagte Claus Becher vom Immobilienresearch der DekaBank.

Spekulative Käufe

Erste Zeichen dafür gab es in der dritten Januarwoche: Die Wohnungsverkäufe sackten plötzlich auf das Niveau von Anfang 2009 ab. „Manche Interessenten sind verunsichert und rechnen mit strengerer Kreditivergabe und Zinserhöhungen“, sagt Immobilienmakler Zhu. Vielleicht lag der Preisabsturz aber auch am chinesischen Neujahrsfest. Im Februar schon stiegen die Verkäufe wieder an: um gut 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das hohe Wirtschaftswachstum und die im Februar auf 2,7 Prozent gestiegene Inflationsrate – im Juli 2009 lag sie noch bei minus 1,9 Prozent – legen den Schluss nahe, dass Peking die Geldpolitik weiter straffen wird. Anleger sehen das mit Sorge. Als im Januar die Notenbank die Reserve-Quote, die Banken auf ihre Ausleihungen hinterlegen müssen, um einen halben Prozentpunkt erhöhte, verloren nicht nur die China-Börsen, sondern auch der Dax sackte binnen Minuten um ein Prozent ab. Investoren rechnen simpel: Gibt es weltweit weniger frei investierbares Geld, ist das schlecht für die Börsen.

Peking muss Fingerspitzengefühl beweisen: Liquidität nährt Blasen, doch tritt die Regierung bei der Rückführung der Kredite stark auf die Bremse, besteht mittelfristig die Gefahr einer harten Landung der Konjunktur. Damit rechnet Marc Faber. Der Schweizer Asienkenner glaubt, das Chinas Wirtschaft dieses Jahr „spürbar abflauen“ werde. Es drohe ein Crash, weil es Schwierigkeiten geben könnte, bei eingeschränkter Kreditvergabe Überkapazitäten zu finanzieren.

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