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Banken Kartell der Derivate-Zocker

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Über die Clearing-Stelle sollte der gesamte CDS-Handel abgewickelt werden. Ein von ihr betriebener Fonds sollte haften, sobald ein Handelspartner Verpflichtungen aus CDS-Geschäften nicht mehr nachkommen würde. So sollte das Risiko, dass CDS-Spieler wie AIG und Lehman Brothers die Finanzmärkte mit in den Abgrund reißen könnten, minimiert werden.

Die Banken wollten für das CDS-Clearing die Firma The Clearing Corporation (TCC) aus Chicago nutzen; sie gehörte den neun Großbanken, die die EU-Kommission jetzt aufs Korn nimmt. Doch das kleine Clearing-Haus hatte kein funktionierendes Modell für Kreditderivate. ICE-Chef Jeffrey Sprecher, half den Banken aus der Patsche: Er übernahm das Clearing-Haus TCC und gliederte es als ICE Trust in seine eigene Derivateplattform ein. Im Gegenzug beteiligte er die neun Alteigentümer zu 50 Prozent an den Gewinnen des neuen Clearing-Hauses.

Das Modell, das Sprecher für die Banken konstruierte, war offenbar ganz nach deren Geschmack. Die neun Banken, so der Verdacht der EU-Kommission, müssen seither geringere Gebühren zahlen als andere Clearing-Teilnehmer von ICE Trust. „Ich habe die anderen Anbieter ausmanövriert“, sagte Sprecher einmal. Seine Konkurrenten, unter ihnen die Chicago Mercantile Exchange (CME), eine der größten Derivatebörsen der Welt, und die Deutsche-Börse-Tochter Eurex, werden vom globalen CDS-Kartell ignoriert.

Die Umsatzzahlen sprechen eine klare Sprache: Die ICE Trust, die im März 2009 an den Start ging, verrechnete bis Januar 2011 ein Clearing-Volumen von 15 000 Milliarden Dollar. Hingegen erzielte Eurex Clearing 2010 nur 100 Millionen Euro CDS-Umsatz, die CME wickelte bis Mitte 2010 gerade mal 200 Millionen Dollar ab.

Geheime Verabredungen

Weder die Deutsche Bank noch andere Institute äußern sich dazu, warum sie für CDS-Clearing fast ausschließlich einen Anbieter nutzen.

Wettbewerbshüter hegen den Verdacht, die marktbeherrschenden Banken hätten sich insgeheim dazu verabredet, das Clearing auf ICE Trust zu konzentrieren, um so Konkurrenz fernzuhalten.

Hierfür gibt es ein klares Indiz: Mitglieder von ICE Trust müssen nachweisen, dass sie über fünf Milliarden Dollar liquides Kapital verfügen. Kleinere Banken schaffen dies kaum. Eurex (eine Milliarde Euro) und die CME (500 Millionen Dollar) verlangen deutlich weniger Kapital als ICE Trust.

Und sie kontrollieren bei ICE Trust den Risiko-Ausschuss, der einem Clearing-Haus empfiehlt, welche Produkte zugelassen werden, wie hoch die Gebühren sein sollen und wie der Garantiefonds ausgestattet wird, der bei Ausfall eines Clearing-Mitglieds einspringen muss.

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