WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Banken Kartell der Derivate-Zocker

Seite 5/5

Gewiss hat ein Clearing-Haus ein berechtigtes Interesse, nur liquide Marktteilnehmer zuzulassen. „Die Mitglieder müssen den Garantiefonds finanzieren und wieder auffüllen, wenn ein Zahlungsausfall eingetreten ist“, sagt Derivateexperte Neill Pattinson von der Großbank HSBC. Es ist jedoch fraglich, ob wirklich fünf Milliarden Dollar Sicherheiten nötig sind.

„Anscheinend sind die Kriterien für eine Mitgliedschaft bei ICE Trust so festgelegt worden, dass eine bestimmte Gruppe von Marktteilnehmern sie erfüllen kann und alle anderen durch den Rost fallen“, sagt Marcus Katz, Chefstratege für das Derivategeschäft bei Newedge, einer Tochter von Crédit Agricole und Société Générale.

Das Ziel, den CDS-Handel sicherer zu machen, lasse sich aber kaum mit einer Beschränkung auf einige wenige große Banken erreichen. „Die zentralen Clearing-Stellen müssen möglichst vielen Teilnehmern offenstehen, damit sie sicher und effizient sind“, sagt Katz. Je mehr Clearing-Mitglieder und damit Handelsteilnehmer es gebe, desto besser könnten Risiken verteilt werden.

Aufsicht greift ein

Die US-Terminbörsenaufsicht CFTC hat jetzt eine Verordnung vorgeschlagen, wonach die Kapitalanforderungen dynamisch an die Umsätze der Clearing-Mitglieder angepasst werden. Die Untergrenze für das Mindestkapital soll künftig nur noch bei 50 Millionen Dollar liegen – gerade einmal ein Prozent dessen, was ICE Trust verlangt. Experten wie André Güttler, Finanzprofessor an der European Business School, begrüßen eine solche Regelung: „Die Höhe des Kapitals, das gegenüber der Clearing-Stelle als Sicherheit nachgewiesen werden muss, sollte sich nach den Risiken richten, die Marktteilnehmer eingehen wollen“, sagt er.

Die Großbanken dagegen laufen Sturm gegen die geplante Regelung. Lobbyisten bombardieren die CFTC mit Stellungnahmen. Einen ihrer schärfsten Kritiker haben die Banken schon elegant aus dem Verkehr gezogen: Theo Lubke, der im Auftrag der New Yorker Fed den CDS-Markt reformieren sollte, wurde abgeworben – von Goldman Sachs.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%