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Bankenregulierung in den USA Die umstrittene Bankentrennung von 1933

Die von US-Präsident Barack Obama geplante Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ist ein Griff in die Mottenkiste: Sie geht auf den Glass-Steagall-Act von 1933 zurück. Schon damals war das Gesetz umstritten.

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Aufgeregte Aktionäre stehen Quelle: dpa/dpaweb

Der Glass-Steagall-Act war vor knapp 80 Jahren schon einmal die Antwort auf eine Krise, genau genommen die Antwort auf gleich mehrere Krisen in den Jahren 1929 bis 1933. In dieser Zeit schrumpfte die Zahl der US-Finanzinstitute von mehr als 24.000 auf 15.000 – Auslöser für das Bankensterben war die Weltwirtschaftskrise. Das Misstrauen gegenüber dem wachsenden Einfluss der Geldhäuser war groß. Schon damals warf man den Instituten vor, sie hätten verantwortungslos gehandelt. Der Glass-Steagall-Act, benannt nach dem Senator Carter Glass und dem Repräsentantenhaus-Abgeordneten Henry Steagall, sollte die Macht der Institute einschränken. Das Gesetz zwang sie, sich in Geschäfts- und Investmentbanken aufzuspalten, so dass sich die Geldhäuser nun zwischen dem traditionellen Kredit- und Einlagengeschäft oder dem risikoreichen Wertpapiergeschäft entscheiden mussten. Durch die Trennung sollte das Geld der Bankkunden besser geschützt werden.

Schlupflöcher im Glass-Steagall-Act

Das Gesetz wurde bereits kurz nach seinem Inkrafttreten heftig kritisiert. Nur ein Jahr später bezeichnete Namensgeber Glass es als „Überreaktion“ und versuchte, es wieder aufheben zu lassen. Vergeblich. Die Philosophie des Glass-Steagall-Act dominierte mehr als 60 Jahre die US-amerikanische Bankenwelt. 1956 kamen noch weiterer Einschränkungen hinzu: So durften etwa die Geldhäuser keine Konkurrenten in anderen US-Bundesstaaten übernehmen.

Ende der siebziger Jahre fanden dann die Banken Schlupflöcher, mit denen sie die strengen Regeln umgehen konnten. So beteiligten sich Geschäftsbanken über Tochtergesellschaften an dem eigentlich „verbotenen“ Wertpapierhandel. Ein großer Teil des Umsatzes der Muttergesellschaft wurde dabei über deren Tochter abgewickelt. Mit diesem Trick machten die Erlöse aus dem Wertpapiergeschäft nur einen geringen Teil des Gesamtumsatzes der Tochtergesellschaft aus. Auf dem Papier waren diese somit nicht hauptsächlich im Wertpapiergeschäft engagiert.

Neuauflage des Glass-Steagall-Act

Die Kritik an der Trennung verstummte jedoch nie. Besonders die Investmentbanken fühlten sich gegenüber den internationalen Universalbanken benachteiligt. Diese hätten  - etwa bei der Platzierung einer Anleihe für ein Unternehmen– viel mehr Informationen: Der Zahlungsverkehr oder Kreditkarten gäben zusätzliche Hinweise auf die Bonität eines Konzerns. Zudem hätten durch eine Zusammenführung der Geschäftsbereiche Risiken viel weiter gestreut werden können.

Die Klagen gipfelten schließlich in dem Gramm-Leach-Bliley Act von 1999. Nach 66 Jahren war es damit wieder möglich, gemischte Bank- und Versicherungskonzerne zu bilden. Allerdings bestanden in der Praxis noch einige Grenzen. Konzerne, die sich auf das Investmentbanking beschränkten, wurden weniger beaufsichtigt und unterlagen weniger strengen Kapitalvorschriften als die Geschäftsbanken.

Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 waren die US-Investmentbanken dann gezwungen, sich in Geschäftsbanken zu verwandeln. Das bedeutete zwar eine strengere Aufsicht, aber besseren Zugang zur Refinanzierung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Eine Erneuerung des Trennbankensystems war damals noch kein Thema, das Geschäftsmodell der Investmentbanken galt als tot. Erst die rasche Erholung des Finanzsystems rief Obamas Reformvorschläge auf den Plan.

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