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Bankenregulierung Punkt 1: Die Banken erfüllen ihre Aufgaben nicht mehr

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„Der typische Mittelständler hat drei Hausbanken, neben der örtlichen Sparkasse ist eine davon fast immer entweder die Dresdner oder die Commerzbank“, sagt Jakob. Die Commerzbank hat sich an der Übernahme der Dresdner verhoben. Jetzt drängen beide darauf, dass Kreditlinien zurückgeführt werden.

Es komme immer öfter vor, bestätigt der Filialleiter einer Großbank aus der Pfalz, dass er für einen Kunden alle nötigen Kreditunterlagen bei der Zentrale in Frankfurt einreiche und von dort wochenlang nichts mehr höre. „Häufig werden längst zugesandte Unterlagen doppelt und dreifach nachverlangt“, sagt er. „Mails, Faxe und Anrufe einfach nicht beantwortet. Die spielen dort auf Zeit, lassen gute Kunden verhungern.“ Nicht auf sein Geld warten muss dagegen Jens-Peter Neumann. Der Ex-Manager der verlustreichen Investmentbank Dresdner Kleinwort setzte vor Gericht 4,5 Millionen Euro an Bonus und Abfindung durch.

Sauerland ist abgebrannt

Eduard Appelhans kennt die Finanzierungsnöte. Er leitet einen Familienbetrieb im sauerländischen Sundern. Schon als Kind habe er oft mitbekommen, wenn Kreditverhandlungen seines Vaters mal wieder schlecht gelaufen waren, aber diese Krise sei anders, tiefer. Appelhans bekam zwar kürzlich noch einmal Kredit. Er hat schon vor 20 Jahren ein Beteiligungsprogramm installiert. Angestellte wandeln dabei Teile des Gehalts in Genussrechte um. „Das bessert mein Eigenkapital auf. Ohne dieses Geld, das sich meine Mitarbeiter vom Munde absparen, wäre es eng geworden“, sagt er.

Andere bekommen nichts mehr. „Wer sehr klein ist und nur 50.000 Euro will, kriegt das noch irgendwie von der örtlichen Sparkasse. Wer aber ein paar Hunderttausend oder eine Million braucht, muss zur Großbank – und beißt dort meist auf Granit.“

"Bei größeren Krediten schließen sich die Sparkassen zwar zu mehreren zusammen", sagt Achim Both, Marktvorstand der Sparkasse Rhein-Nahe in Bad Kreuznach. So fangen die Sparkassen den einen oder anderen Mittelständler auf, der bei der Großbank derzeit abblitzt; inzwischen kommen rund 43 Prozent aller Unternehmenskreditmittel in Deutschland von den Sparkassen. 

Und: Bevor eine Sparkasse ein in der Region verwurzeltes  Unternehmen pleite gehen lässt, geben im Zweifel doch weiche Faktoren den Ausschlag. „Da hängt nicht nur die Eigentümerfamilie dran, die seit Jahrzehnten Kunde ist, sondern auch Mitarbeiter, die bei uns vielleicht ihre  Baufinanzierung haben; das hat alles immense Rückkoppelungen.“

Dennoch geraten aber auch die Sparkassen derzeit immer öfter an ihre Grenzen. Both: „Wir können trotz aller Bemühungen natürlich nicht alles auffangen, was bei den Großbanken derzeit an Krediten nicht verlängert wird.“

Viele Unternehmen spürten die Vorboten des Aufschwungs, können die nötigen Anschubinvestitionen aber nicht finanzieren. Die Bank mauert wegen der Bilanzen von 2009, in denen Umsätze und Gewinne oft um die Hälfte eingebrochen sind. Ein Teufelskreis. Dass die Banken „schon wieder in Geld schwimmen, auch in Steuergeld“, bringt Familienunternehmer Appelhans auf die Palme.

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