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Bankenverbands-Präsident Schmitz "Exorzismus hilft nicht"

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Er soll das Finanzinstrument stützen, das die Krise ausgelöst hat?

Es hilft nichts, hier Exorzismus zu betreiben. Wir müssen das Produkt auf seinen gesunden Kern zurückführen. Und wenn Investoren Prädikatssignale einfordern, müssen wir ihnen diese bieten.

Selbst wenn dies gelingt, wird es zu Kreditausfällen und damit zu weiteren Belastungen für die Banken kommen. Können sie das verkraften?

Es kommen weitere Wertberichtigungen auf das Bankensystem zu, das nicht sonderlich stark ist. Sicher ist, dass wir die staatliche Unterstützung noch eine ganze Weile brauchen werden. Die Banken bewegen sich im dichten Nebel auf einer unbekannten Straße, auf der es noch viele Schlaglöcher gibt.

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    Einige Ihrer Kollegen fahren schon wieder mit Vollgas auf der Überholspur...

    Da muss ich widersprechen. Wir erleben bei den Investmentbanken derzeit eine Sondersituation. Eine Investmentbank, die bei derart günstigen Rahmenbedingungen wie der Fast-Nullzins-Politik, der hohen Volatilität und auch des eingeschränkten Wettbewerbs in diesem Jahr kein Geld verdient, wird es nie verdienen. Das wird sich spätestens dann ändern, wenn die Notenbanken die Zinsen wieder erhöhen.

    Führt es nicht zu gesellschaftlichen Spannungen, wenn Millionen ihren Job verlieren oder kurzarbeiten und Banken andererseits Boni ausschütten, die teilweise höher sind als im Rekordjahr 2007?

    Hier sehe ich in der Tat eine große Gefahr für die gesellschaftliche Akzeptanz von Banken. Gerade deswegen müssen wir international versuchen, die Verhältnisse wieder zu korrigieren. Vor allem müssen wir das Prinzip klar etablieren, dass eine Entscheidung und die Haftung dafür untrennbar verbunden sind.

    Dazu muss eine große Bank anders als bisher pleitegehen können.

    Diese Option muss es geben. Vorausgesetzt, es kommt dadurch zu keinem Dominoeffekt für das gesamte Finanzsystem. Deshalb ist die Prävention so wichtig, aber nicht nur beispielsweise durch höheres Eigenkapital oder wirksamere Kontrollinstrumente.

    Sondern?

    Banken brauchen eine bessere Regulierung durch den Gesetzgeber. Das kann man nicht allein den Banken überlassen. Selbstregulierung hat ihre Grenzen.

    Genau dagegen hat sich Ihre Branche doch jahrzehntelang erfolgreich gewehrt.

    Zugegeben, auch Banken haben die Kraft der Selbstregulierung überschätzt.

    In Deutschland allerdings weniger als in den USA.

    Und wie stellen Sie sich die optimale Regulierung bei nötiger Freiheit und im internationalen Wettbewerb vor?

    Zuerst einmal: Die Regulierung muss weltweit gelten. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass die Amerikaner Basel II, also die verschärften Richtlinien zum Eigenkapital, mitinitiieren, sie aber für sich hinausschieben. Das wird auf dem Rücken der deutschen Wirtschaft ausgetragen. Wir brauchen insgesamt eine bessere Eigenkapitalunterlegung. Zudem müssen neue Finanzprodukte auch in Zukunft möglich sein. Und wir brauchen, juristisch betrachtet, eine auf Prinzipien und nicht auf Einzelfälle zielende Regulierung. Aber die Geldinstitute dürfen dann auch nicht jeden juristischen Winkelzug nutzen wollen, um einen Umgehungstatbestand zu ihren Gunsten zu erschaffen.

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