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Bilanztricks bei Lehman Chefin der US-Börsenaufsicht gibt Fehler zu

Mit Bilanztricks verschleierte Lehman das Ausmaß seiner Schulden: Die Investmentbank war schon Wochen vor dem endgültigen Kollaps zahlungsunfähig. Die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, gestand nun „eklatante Fehler“ bei der Aufsicht des Wall-Street-Instituts ein.

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Die Chefin der Quelle: AP

Die Untersuchungen der großen Wall-Street-Firmen durch die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) seien "sowohl in ihrem Design als auch in der Ausführung" schrecklich mangelhaft gewesen, gab Schapiro in einem Rechenschaftsbericht zu. Auslöser war ein Ermittlungsbericht, der zeigt, wie die Investmentbank Lehman Brothers ihren Verschuldungsgrad künstlich herabgesenkt hatte. Das Institut war am 15. September 2008 unter einem Schuldenberg von mehr als 600 Mrd. Dollar kollabiert.

Mehr als ein Jahr lang untersuchte der Ermittler Anton Valukas Ursachen und Hintergründe zu der wohl spektakulärsten Pleite der Finanzgeschichte. Er sicherte mehrere Millionen Dokumente und interviewte zahlreiche Beteiligte.

Das Ergebnis seiner Recherchen lässt Bankenaufsicht und Wirtschaftsprüfer hochschrecken: Mit geschickten Buchungen ließ Lehman einen Teil der Risiken aus den Büchern verschwinden. "Die Manipulation der Bilanz war Absicht. Sie zielte darauf ab, die Verschuldungsquote der Bank geringer darzustellen", schreibt Valukas in dem 2200 Seiten dicken Bericht.

Mit Repo-Geschäften Verschuldungsgrad manipuliert

Valukas stört sich vor allem an sogenannten "Repo 105"-Transaktionen. Über Repo-Geschäfte finanziert sich eine Bank kurzfristig. Dazu verleiht sie Wertpapiere und erhält im Gegenzug Bargeld. Im Fall von "Repo 105" müssen besonders hohe Sicherheiten hinterlegt werden, deshalb dürfen Unternehmen sie unter "Verkäufe" verbuchen. Lehman machte von diesem Buchungskniff Gebrauch, und schaffte so rund zweistellige Milliardenbeträge an illiquiden Vermögenswerten aus der Bilanz. Der Verschuldungsgrad fiel und die Ratingagenturen waren besänftigt.

Bereits im Jahr 2001 hat Lehman erstmals zu den Buchhaltungstricks gegriffen. Am Ende jedes Quartals verkaufte die Investmentbank einen Teil seiner Kredite und Anlagen gegen Bargeld für kurze Zeit an andere Finanzhäuser und nutzte dafür Repo-Geschäfte.

Nach Quartalsende kaufte die Bank die Positionen dann wieder zurück. Bei üblichen Repo-Transaktionen wären die entsprechenden Kredite und Investments weiter in der Lehman-Bilanz geblieben, diese Geschäfte waren allerdings so strukturiert, dass sie als echter Verkauf gewertet wurden: Lehman befreite so seine Bilanz von Risiko.

Bilanzkosmetik für 50 Milliarden Dollar

 Bis Anfang 2007 lag das Volumen dieser Geschäfte bei weniger als 25 Mrd. Dollar. Als sich die Finanzkrise zuspitzte, versteckte Lehman im ersten und zweiten Quartal 2008 laut dem Untersuchungsbericht rund 50 Milliarden Dollar und wies so einen Verschuldungsrad von 12,1 Prozent statt der tatsächlichen 13,9 Prozen aus.

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