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Biotech "Jetzt ist die Zeit, investiert zu sein"

Biotechaktien seien selten so preiswert wie heute gewesen, sagt der Chef der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech Daniel Koller.

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Bioexperte Daniel Koller Quelle: PR

Herr Koller, wann kehrt BB Biotech der Börse den Rücken und wandelt sich, wie ihr ehemaliges Pendant BB Medtech, in einen Fonds?

Koller: Das wird nicht passieren. Unser Investmentansatz hebt sich von dem eines Fonds ab. Wir fahren ein konzentriertes Portfolio mit gezielter Einzeltitelauswahl. Daran halten wir fest. Außerdem bietet Bellevue Asset Management, der Vermögensverwalter, der das Mandat hat, bereits einen Biotechfonds an. Unsere Investoren sind zudem überwiegend Aktieninvestoren, die über eine Aktie im Sektor investiert sein wollen oder gar müssen, weil sie keine Fonds halten dürfen.

Ihre Aktie notiert gut 20 Prozent unter dem inneren Wert Ihres Beteiligungsportfolios. Der hohe Abschlag ist schon chronisch. Warum ist das so?

Anders als in Amerika ist Biotech in Europa noch ein Randthema an der Börse. Das ist abzulesen an den geringen Allokationsquoten in dem Sektor. Wenn ein lokales, europäischen Biotechunternehmen schlecht performt, dann spüren selbst wir das, auch wenn wir den Wert überhaupt nicht im Portfolio haben. Dann leidet das Sentiment insgesamt. Wir gehen das Problem jetzt aktiv an über den Rückkauf eigener Aktien. Wir wollen den Discount auf 10 bis 15 Prozent eindämmen.

Das haben Sie schon versucht, indem Sie Dividenden ausgeschüttet haben. Gebracht hat das nichts.

Das hat zur Attraktivität der Aktie bei einigen Investoren sicher beigetragen, aber der erhoffte Effekt ist ausgeblieben.

Warum?

Weil es auch Investoren gab, die steuerliche Nachteile hatten durch die Ausschüttungen. Außerdem wollen die meisten Anleger, dass wir das Geld ausschließlich in Biotech investieren.

Jetzt ersetzen Aktienrückkäufe Dividenden. Doch auch den Kauf eigener Aktien zahlen Sie letztlich aus der Substanz.

Schon, aber der Aktienrückkauf macht ökonomisch Sinn. Schließlich bringt alles, was wir unter Buchwert kaufen, unseren Investoren, die langfristig investiert bleiben, einen zusätzlichen Gewinn.

Ihre Investitionsquote liegt derzeit bei 110 Prozent, ein Teil des Portfolios ist also fremdfinanziert. Warum?

Das macht uns flexibler. Wir können uns erlauben, neu zu investieren, ohne woanders gleich aussteigen zu müssen. Wir sind ja ein geschlossenes Vehikel mit einer fixen Vermögensmasse bezogen auf den Moment. Mit diesem Puffer können wir eine gewisse Zeit überbrücken. Wegen der attraktiven Bewertung des Biotechsektors, der so preiswert ist wie selten zuvor, sehen wir auch keinen Grund, viel Cash zu halten. Unser fundamentaler Ansatz sagt uns: Jetzt ist der Zeitpunkt, investiert zu sein.

BB Biotech

Welchen Mehrwert haben Anleger mit BB Biotech gegenüber einem passiven Index‧investment, etwa auf den Amex Biotech Index? Gemessen an der langjährigen Performance, liegen Sie hinten.

Den Index können Sie selbst nicht investierbar abbilden. Weil alle 20 Mit‧glieder regelmäßig auf fünf Prozent Indexanteil adjustiert werden, müssten Sie fortlaufend umschichten. Das kostete Rendite.

Es gibt Anlagezertifikate auf den Index.

Richtig, aber das sind Bankschuldverschreibungen und keine Biotechaktien.

Die Grenze zwischen Biotech und Pharma verschwimmt. Nehmen Sie große Pharmaaktien rein, erhielten Sie stabile Rückflüsse über Dividenden.

Das könnte man sicher machen. Es gibt immer Phasen, wo Sie in Pharma ein paar Monate besser aufgehoben wären. Aber wir setzen auf innovative Medikamente, um daraus den Hebel zu ziehen. Wir differenzieren zwischen Pharma und Biotech ohnehin eher über die Wachstumsraten. Und die sollten zweistellig sein. Das bietet Big Pharma nicht. Dort sind Konsolidierung, Patentabläufe, Kostenreduzierung, Generikakonkurrenz und Übernahmen die dominierenden Themen.

Sie wollen vermehrt Beteiligungen an Gesellschaften in Schwellenländern eingehen. Was hat Sie in der Vergangenheit daran gehindert?

Wir machen zuerst unsere Hausaufgaben und gehen systematisch vor. Bevor wir ‧einsteigen, schauen wir uns die Firmen genau an. In Indien...

...wo Sie bei drei Unternehmen eingestiegen sind...

...haben wir die Unternehmen anderthalb Jahre auf Herz und Nieren geprüft.

Warum Indien und nicht China?

Die Inder gehören in den Emerging Markets zu den wenigen, die im Pharma- und Biotechbereich auf Innovationen setzen und eigene Produktpipelines aufbauen. Wir wollen Firmen, die Medikamente entwicklen. In China ist man noch nicht so weit.

Was passierte, wenn klamme Staaten die Medikamentenpreise massiv drücken wollten?

Dann verabschieden sich die Unternehmen aus der Entwicklung, wie wir das bei HIV gesehen haben. Dann ziehen sich die Investoren zurück, angefangen von den Risikokapitalgebern bis zu Big Pharma. Das Thema ist dann erledigt, die Konsequenzen erleiden die Patienten.

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