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Börse Wie an gebührenfreien Fonds verdienen wird

Einige börsengehandelte Indexfonds gibt es schon ohne Gebühren. Für die Anbieter lohnen sich die Produkte trotzdem – etwa als Spielwiese für Investmentbanker.

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Mit der Deutschen Bank geht es Quelle: AP

Die Gewinne bei der Deutschen Bank sprudeln wieder. Im Frühjahrsquartal verbuchte der heimische Branchenprimus einen Überschuss von 1,1 Milliarden Euro. Auf die Kleinigkeit von 512.476 Euro kann das Haus nun offenbar verzichten. Diesen Betrag hat der börsengehandelte Fonds mit dem sperrigen Namen „DB x-trackers DJ Euro Stoxx 50 ETF“ der Bank in einem Jahr eingebracht. Jetzt setzt die Deutsche Bank die jährlichen Gebühren für den Fonds, der die Entwicklung der 50 größten Aktien aus dem Euroland nachbildet, anlegerfreundlich auf null.

Die besonderen Merkmale der ETFs (Exchange Traded Funds), von denen in Deutschland rund 500 von 12 Anbietern auf dem Markt sind: Sie orientieren sich im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds an einem Index, werden also passiv gemanagt und an der Börse gehandelt.

0,42 Prozentpunkte Mehrertrag für Anleger

Der Gebührenverzicht für den Stoxx-ETF ist jedoch alles andere als ein uneigennütziger Zug. Denn im Hintergrund verdient die Deutsche Bank trotzdem.

Laut Verkaufsprospekt des DB x-trackers DJ Euro Stoxx 50 ETF sind die Deutschbanker aktiv als Promoter, Swap-Kontrahent, Swap-Berechnungsstelle, Vertriebsstelle, Market Maker, Anlageverwalter oder Unterdepotstelle. Diese Mehrfach-Rolle führt zu Erträgen bei der Deutschen Bank, die für den ETF-Anleger nicht sichtbar sind. Aber immerhin liegt die Rendite über dem Index: Der ETF hat in den vergangenen zwölf Monaten etwa 0,6 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der Euro Stoxx 50.

Nach Kostenabzug blieben Anlegern 0,42 Prozentpunkte Mehrertrag. Wenn die Investmentbanker künftig 0,6 Prozentpunkte Überrendite erzielen sollten, erhalten Anleger trotz Nullgebühren nicht diesen vollen Ertrag. Die Deutschbanker werden einen Teil für sich behalten – theoretisch die komplette Überrendite. Welcher Vorsprung Anlegern noch bleibt, hängt vom Ehrgeiz der Banker ab, die Indexperformance aufzubessern. Dazu bedienen sie sich mehrerer Tricks.

Sprudelnde Einnahmequelle (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Der Deutschen Bank hilft schon jetzt, dass der Indexanbieter Stoxx seine Indizes so berechnet, als würden pauschal nur zwei Drittel der Dividendenausschüttungen in den Index fließen und der Rest als Steuern vom Finanzamt geschluckt. DB x-trackers jedoch kassiert Dividenden von ausländischen Unternehmen teilweise ohne Steuerabzug, weil die Papiere in den Handelsbüchern der Bank am jeweiligen Auslandsstandort der ausschüttenden Gesellschaft geführt werden.

Funktioniert dieser Trick nicht, verlangt die Bank im Ausland gezahlte Quellensteuern zurück. Zudem bilden die Investmentbanker den Index nicht eins zu eins nach, sondern nutzen einen kostengünstigen Tauschhandel, im Fachjargon als Swap bezeichnet. Swap-Zusagen für ein Volumen von 30 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank ihrer Luxemburger Fondstochter gewährt. Gehen die Tauschwetten auf, verdient die Bank kräftig; geht’s schief, steht sie für Verluste gerade. „Das ETF-Geschäft ist für manche Bank ein lukratives Anhängsel des Investmentbankings“, sagt Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope.

Vorbild Commerzbank

Lukrativ, aber auch riskant. Da Anleger im Fall einer Bankpleite um die Swap-Zusagen fürchteten, will die Deutsche Bank künftig Sicherheiten hinterlegen, die den Wert der Swap-Geschäfte übersteigen. Ob sie im Notfall reichen, müssen die Banker hoffentlich nie beweisen.

Vorbild für die Deutsche Bank ist die Commerzbank, die im September 2008 mit ihrem ETF-Anbieter Comstage mit Kampfkonditionen für den DJ Euro Stoxx 50 von nur 0,1 Prozent jährlich in den Markt eingestiegen war. Die Deutschbanker unterbieten die Gebühren jetzt noch. Alle haben es auf die 4,5 Milliarden Euro abgesehen, die der Marktführer Lyxor in seinem DJ Euro Stoxx ETF bunkert – zu teuren Gebühren von jährlich 0,25 Prozent.

Mit dem Nullgebühren-Coup könnten sich bald Milliarden zugunsten der Deutschen Bank verschieben. Milliarden, aus denen sie durch die Hintertür Zusatzerträge für die eigene Kasse pressen kann. Konkurrent Ishares, der weltgrößte ETF-Spieler, macht es vor: Er hat Hedgefonds Aktien und Anleihen überlassen, gegen Gebühr versteht sich. Auf 3,5 Milliarden Euro im DJ Euro Stoxx 50 ETF verdiente Ishares 0,2 Prozent oder sieben Millionen Euro für die Anleger. Investmentbanker, die das Leihgeschäft organisieren, machen dabei auch ihren Schnitt.

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