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71 Milliarden Dollar geboten Alle jagen Netflix

Logo von 21st Century Fox Quelle: REUTERS

Disney legt beim Übernahmeangebot für 21st Century Fox nach und bietet nun mehr als 71 Milliarden Dollar und übertrumpft so Wettbewerber Comcast. Der Deal setzt Netflix unter Druck. Der Streaming-Pionier könnte zum Opfer des eigenen Erfolgs werden.

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Wer bietet mehr? Im Kampf um den von Rupert Murdoch kontrollierten US-Medienkonzern 21st Century Fox hat Walt Disney wieder die Nase vorn. Der Unterhaltungskonzern bietet jetzt 38 Dollar pro Aktie und toppte damit das Gebot des Kabelkonzerns Comcast um drei Dollar. Damit ergibt sich eine Gesamtbewertung von 71,3 Milliarden Dollar – nach 52,4 Milliarden bei Disneys ersten Anlauf im Dezember. Die jüngste Cash-Offerte von Comcast lag bei 65 Milliarden Dollar in bar.

Disney bietet den Fox-Aktionären jetzt die Möglichkeit, sich den Kaufpreis bis zur Hälfte in bar auszahlen zu lassen. Zuvor bestand das Angebot ausschließlich aus eigenen Aktien. Disney würde außerdem 13,8 Milliarden Dollar Nettoschulden von Fox übernehmen. Kartellrechtliche Auflagen sind nicht zu befürchten.

Ungewiss ist, ob Comcast abermals nachlegt. Der Kabelkonzern bietet gleichzeitig 40 Milliarden Dollar für den britischen Bezahlsender Sky. Die Verschuldung von Comcast stiege schon mit dem bisherigen Angebot für 21st Century Fox auf 170 Milliarden Dollar.

Abgesehen haben es Disney und Comcast auf Filmstudios und Produktionsfirmen von Fox, regionale Sportsender und Beteiligungen wie eben den britischen Bezahlsender Sky oder den Streamingdienst Hulu. Der Nachrichtensender Fox News, Fox Sport und Fernsehstationen verbleiben bei Murdoch unter dem Dach einer neuen Gesellschaft. Mit neuen Inhalten und Kanälen will sich auch Disney gegen die wachsende Konkurrenz von Netflix & Co positionieren. Der Streamingdienst hat weltweit inzwischen 125 Millionen Kunden. Während die Disney-Aktie an der Börse seit drei Jahren seitwärts dümpelt, legte der Kurs der Netflix-Aktie allein seit Jahresanfang um 100 Prozent zu. Das ist ein Phänomen angesichts der zunehmenden Konkurrenz.

Alle jagen Netflix

Die Werbeschwergewichte Google und Facebook bauen ihre Videoangebote aus, Apple will stärker in die Produktion von Serien und Spielfilmen einsteigen. Amazon steht mit seinem Prime-Video-Service bereits im direkten Wettbewerb. Disney wäre bei einer Übernahme der Fox-Filmsparte und dem geplanten Ausbau des Streamingdienstes Hulu der nächste Jäger.

Bieterschlacht um 21st Century Fox

Damit der Streaming-Pionier keine Kunden an die neue Konkurrenz verliert, muss er in eigene, attraktive Inhalte investieren. Allerdings machen sich die Eigenproduktionen im Zahlenwerk negativ bemerkbar. Die Produktion eigener Inhalte erhöht die Investitionen so sehr, dass Netflix sie nicht aus dem laufenden Geschäft bezahlen kann. Das Unternehmen weist deswegen negative freie Mittelzuflüsse aus und muss zur Finanzierung Kredite aufnehmen. Das wird teurer mit steigenden Zinsen. Schon heute muss Netflix Anleihegläubigern knapp fünf Prozent Rendite bieten. Die neuen Konkurrenten haben dagegen tiefe Taschen.

Netflix sei eine der am meisten überbewerteten Aktien im Technologiesektor, sagt der einflussreiche Investor Paul Wick, der aus dem Silicon Valley heraus die Anlagestrategie des sechs Milliarden Dollar schweren Columbia Seligman Communications & Information Fund steuert. Netflix wäre nicht der erste Pionier, der untergeht. Ende des 19. Jahrhunderts gingen in Amerika die meisten Eisenbahn- und Kanalgesellschaften pleite, auch Internetpionier AOL verschwand in der Versenkung. Wichtige Aufbauarbeit hatten sie trotzdem geleistet, weil sich durch den Aufbau der Infrastruktur überall Industrien bilden konnten.

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