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Abstimmung „Freiwilliger Schuldenschnitt“ ist Börsen-Unwort 2012

Mit freiem Willen hatte der Schuldenschnitt Griechenlands im vergangenen Jahr wenig zu tun. Erst recht nicht aus Sicht der Privatanleger. Kein Wunder, dass auch Börsianer diese Formulierung nicht mehr hören können.

Aus freiem Willen hat wohl niemand auch die Rückzahlungen Griechenlands verzichtet. Quelle: dpa

Düsseldorf/DarmstadtFreiwillig auf sein Geld verzichten? Das macht wohl niemand gern. Börsianer und Anleger schon gar nicht. Denn ihr Hauptziel ist ja eben die Vermehrung von Geld. Kein Wunder also, dass „Freiwilliger Schuldenschnitt“ jetzt zum Börsen-Unwort 2012 gewählt wurde, denn mit freiem Willen hatte das wenig zu tun.

Zum zwölften Mal haben Düsseldorfer Makler, Wertpapierhändler und Analysten über das Unwort abgestimmt. Die Staatsschuldenkrise und die immer neuen Rettungsaktionen für Griechenland haben an den Nerven der Anleger gezehrt. Dass der Schuldenschnitt Griechenlands als „freiwillig“ bezeichnet wurde, hat das Vertrauen der Anleger und Investoren Anfang 2012 erschüttert. Schließlich handle es sich für Privatanleger doch eher um eine Enteignung, heißt es in der Mitteilung der Börse Düsseldorf.

Die griechische Regierung hatte nach Verhandlungen mit Banken und institutionellen Investoren kurzerhand per Gesetz rückwirkend in die Anleihebedingungen Zwangsumschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) eingeführt, die private Anleihegläubiger zum Forderungsverzicht zwangen.

Der Schuldenschnitt traf damit auch die Privatanleger, die bei den Verhandlungen zum Schuldenschnitt ausgeschlossen waren. Durch diese faktische Enteignung hätten viele das Vertrauen in Staaten und das hohe Gut der Rechtsstaatlichkeit verloren, fasst die Börse Düsseldorf zusammen. Ob das wieder gewonnen werden kann, sei sehr fraglich.

Die Börse Düsseldorf ermittelt das „Börsen-Unwort des Jahres“ seit 2001 in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres“. Auch dieses wurde am Dienstag bekanntgegeben und lautet „Opfer-Abo“. Im vergangenen Herbst habe der ehemalige Wettermoderator Jörg Kachelmann in Interviews wiederholt davon gesprochen, dass Frauen ein "Opfer-Abo" hätten, mit dem sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen, etwa Vergewaltigungen, gegenüber Männern durchsetzten. Nach Ansicht der Jury stellt das Wort Frauen in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden.

Auf Platz Zwei der Unwörter landete "Pleite-Griechen" vor dem Begriff "Lebensleistungsrente". Im vergangenen Jahr hatte sich die Formulierung "Döner-Morde" durchgesetzt. Zum Börsen-Unwort 2012 wurde "freiwilliger Schuldenschnitt" bestimmt.

Podcast: Money Master

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