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Absturz von Dow Jones, Dax, Bitcoin und Co Ausverkauf am Aktienmarkt

Die US-Börsen sind mit den schwersten Verlusten seit Jahren in die neue Woche gestartet. Auch aus deutschen Aktienwerten fliehen Anleger. Der Dax konnte höhere Verluste rasch eindämmen.

Der Dow-Jones-Index wies am Montag wie der S&P 500 den größten Tagesverlust in Prozent seit August 2011 auf. Zeitweilig lag der Dow zehn Prozent unter seinem Rekordhoch vom 26. Januar, bevor er sich bis zum Handelsschluss etwas erholte. Neben der Sorge vor stark steigenden Zinsen stand Experten zufolge auch die Entwicklung bei US-Staatsanleihen im Fokus. Auch der automatisierte Handel wurde mitverantwortlich gemacht.

Der Dow-Jones-Index fiel um 4,6 Prozent - etwa 1175 Zähler - auf 24.346 Punkte. Der breiter gefasste S&P gab um 4,1 Prozent auf 2649 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,8 Prozent auf 6968 Zähler. Der Dow Jones hatte bereits vergangene Woche mehr als vier Prozent verloren.

Marktanalyst Craig Erlam vom Devisenbroker Oanda sprach von einem „Flash Crash“ an der Wall Street und Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ergänzte: „Viele Anleger sind regelrecht in Panik verfallen.“ Die Flucht aus Aktien sei dabei durch zahlreiche Stop-Orders massiv beschleunigt worden, die Anleger eigentlich setzen, um sich vor allzu großen Verlusten zu schützen. Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research sah im freien Fall des Dow „den schwärzesten Tag für die Aktienmärkte seit Jahren“.

Diese US-Aktien trifft der Crash am stärksten

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich von der Panik an der Wall-Street nicht anstecken lassen. Der Leitindex Dax konnte am Dienstagmorgen höhere Verluste rasch eindämmen. Zuletzt stand er noch 1,83 Prozent tiefer bei 12 455,33 Punkten. Ein für möglich gehaltenes Absinken unter die Marke von 12 000 Punkten blieb aus.

„Investoren behalten die Nerven“, meinte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Vor dem Hintergrund des Crash in den USA flohen einige Anleger in "sichere Häfen" wie Staatsanleihen. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundestiteln basiert, gewann bis zu 97 Ticks auf 159,06 Punkte. Sein US-Pendant legte zeitweise 1,4 Prozent auf 147-23/32 zu. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1346 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Ob es bei dem Kursverlust von 3,6 Prozent bleibt, ist ungewiss. Banken und Brokerhäuser rechnen damit, dass der Dax am Dienstag um mehr als fünf Prozent einbricht. Am Montag hatte er 0,8 Prozent auf 12.687,49 Punkte verloren.

Auslöser des aktuellen Ausverkaufs seien Ängste vor einer rascheren US-Zinserhöhungen, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Könnte die Inflation, auf die man solange gewartet hatte, nun schneller und heftiger kommen als erwartet?"

Viele Börsianer halten es für möglich, dass die US-Notenbank Fed die derzeit bei 1,25 bis 1,5 Prozent liegenden Leitzinsen in diesem Jahr vier Mal erhöhen könnte statt drei Mal wie bislang signalisiert. Denn in den USA brummt die Wirtschaft, am Arbeitsmarkt läuft es rund, und die Löhne stiegen im Januar so stark an wie seit Mitte 2009 nicht mehr. In der Nacht auf Montag war zudem die Rendite der zehnjährigen Papiere auf den höchsten Stand seit Januar 2014 gestiegen.

Der Investment-Stratege Jeffrey Kleintop von dem Geldhaus Charles Schwab erklärte dagegen, er habe "nichts Fundamentales" gesehen, was als Auslöser hätte herhalten können. "Es wurde nicht durch ein Makro-Ereignis ausgelöst", sagte er. "Eher scheint es der Computer-getriebene Handel gewesen zu sein, der das Ungleichgewicht ausgelöst hat." Dem stimmte Larry Milstein, Chefhändler beim Broker R.W. Pressprich zu: "Es war wahrscheinlich irgendeine 'Black Box', Algo-Verkäufe von Aktien und -Käufe von Staatsanleihen."

Auch der Bitcoin stürzt ab

Bei den Einzelwerten stand Wells Fargo mit einem Kursverlust von 9,2 Prozent im Fokus. Zahlreiche Analysten stuften die Aktie der Bank herunter oder senkten ihre Kursziele, nachdem die Fed dem von Skandalen geplagten Institut am Freitag weiteres Wachstum verboten hatte.

Auch der Absturz bei Bitcoin ging weiter. Die auf Bitstamp gehandelte Kryptowährung verlor 12,2 Prozent auf etwa 7189 Dollar.

Verluste auch an der asiatischen Leitbörse

Der Kurseinbruch an der Wall Street hat auch an der asiatischen Leitbörse in Tokio für gewaltige Verluste gesorgt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte am Dienstag um mehr als 1000 Punkte ab und verzeichnete damit den höchsten Tagesverlust seit 2016. Der Index ging mit einem massiven Abschlag von 1071,84 Zählern oder 4,73 Prozent beim Stand von 21.610,24 Punkten aus dem Handel. Zwischenzeitlich hatte der Nikkei 7,1 Prozent verloren. Der breit gefasste Topix büßte 80,33 Punkte oder 4,4 Prozent auf 1743,41 Punkte ein.

Auch in China, Südkorea und Australien liefen Anleger fluchtartig davon. Der MSCI-Index für die asiatischen Märkte ohne Japan brach um bis zu 4,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen ein. "Seit dem vergangenen Herbst haben Investoren auf ein 'Goldlöckchen-Szenario' gewettet - robustes Wachstum, steigende Firmengewinne und eine stabile Inflation", sagte Norihiro Fujito, Investmentstratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. "Aber es schaut so aus, als ob sich die Gezeiten abgelöst haben."

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