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Ackman, Marshall Wace, Lone Pine Capital Wie Hedgefonds Aktienkurse nach unten prügeln

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Eher Trittbrettfahrer als Vorreiter

Leerverkäufer sind häufiger Trittbrettfahrer als Vorreiter. „Hedgefonds verstärkten die 2008 ausgelöste Finanzkrise deutlich mehr, als es Geschäftsbanken oder Investmentbanken getan haben“, sagt Reint Gropp, Finanzprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt. Grund dafür ist, dass sich Hedgefonds für Wetten auf fallende Kurse Geld bei den Banken borgen. So können sie mit wenig eigenem Kapital Kurse massiv drücken.

Zwei Hedgefonds wetten noch vor Gewinnwarnung von Adidas auf fallende Kurse (zum Vergrößern bitte anklicken)

Einzelwerte: Hedgefonds wetten gegen einzelne Aktien, die sie für überbewertet halten. Das Management des Fonds BlackRock Global Long Short Equity beispielsweise sucht nach folgenden Schwächen:

- Geringer Überschuss der Einzahlungen gegenüber den Auszahlungen im Unternehmen (Cash-Flow) und hohe Bewertung im Vergleich zu den Wettbewerbern.

- Schwindendes Vertrauen des Managements, abzulesen an den Insider-Deals. Wenn Unternehmenschefs ihre Aktien verkaufen, dann sei Skepsis angesagt.

- Unattraktives Makro-Umfeld, wenn die Konjunktur in den Absatzmärkten lahmt, oder die Heimatwährung so stark ist, dass sich die eigenen Produkte im Ausland nicht mehr absetzen lassen.

Vieles davon trifft etwa auf Wilmar International zu, einen Düngemittelkonzern aus Singapur. Wilmar ist einer der größten Shorts des BlackRock-Fonds. Zwar sei die Aktie günstig bewertet, der Kurs dürfte dennoch weiter rutschen, so BlackRock. Der Cash-Flow schwanke zwischen den Geschäftsjahren zu stark; dazu kämen miese Gewinnaussichten für die kommenden Jahre. Auch die deutsche K+S, ebenfalls im Düngemittelgeschäft, ist Ziel der Shorties. 17 größere Shorts von fünf Hedgefonds zielten allein auf den Dax-Konzern in diesem Jahr ab.

Chinesen dick im Minus

Je mehr Anleger an einen Crash der Aktie glauben, desto erfolgreicher ist die Wette. Als Indikator taugt der Short nur, wenn die Argumente des Leerverkäufers schlüssig sind und er mit seinen Analysen schon in der Vergangenheit richtig lag.

Der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber etwa vertraut dem Hedgefondsmanager Jim Chanos: „Seine Analysen sind brillant, und ich tue mich schwer, gegen seine Argumente zu investieren.“ Im vergangenen Jahr habe Chanos auf fallende Kurse beim Landmaschinenhersteller Caterpillar spekuliert, weil der ihm zu abhängig vom China-Geschäft war. Wenn schon ein internationaler Konzern Probleme wegen flauer Nachfrage in China hat, dann sollte es dem heimischen Baumaschinenkonzern Zoomlion noch schlechter ergehen. Leber mied die Aktie. Zu Recht: 2013 verlor Zoomlion 42 Prozent.

„Shorties und Anleger, die unterbewertete Aktien suchen, finden häufig die gleichen Unternehmen, kommen aber mitunter zu anderen Schlüssen“, sagt Leber.

Zwei Hedgefonds platzierten ihre Wetten gegen Bilfinger zum falschen Zeitpunkt (zum Vergrößern bitte anklicken)

Juni 2012 in den Bergen des US-Bundesstaates Colorado: In der Manor Vail Lodge diskutieren 30 Profi-Anleger über unterbewertete Aktien. Mit dabei auch Hedgefondsmanager Jim Chanos. Der gebürtige Grieche warnt vor Papieren aus dem Mittelmeerraum, darunter die spanische Bank Santander. Billig sei sie, aber voller Probleme. Der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber hält dagegen. Santander sei familiengeführt und besser in Schuss als die staatsnahen Banken. Der Santander-Kurs erholte sich, Leber behielt recht.

Die Shorts der Profis sind ein Indiz dafür, dass Unternehmen Probleme haben. Sie können die eigene Meinung aber nicht ersetzen, denn die Erfolgsbilanz der Hedgefonds ist eher mau.

Fette Millionengewinne machte zuletzt der Londoner Hedgefonds Marshall Wace mit Wetten gegen die portugiesische Pleite-Bank Espirito Santo. Die erste Wette ist der Fonds am 15. Mai eingegangen, als der Espirito-Kurs bei 2,74 Euro stand. Am 1. August wurde sie vom Handel ausgesetzt bei nur noch 13 Cent.

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