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Ackman, Marshall Wace, Lone Pine Capital Wie Hedgefonds Aktienkurse nach unten prügeln

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Keine Kunst

Beim deutschen Baukonzern Bilfinger ging die Wette dagegen nicht auf. Nach zwei Gewinnwarnungen musste Vorstandschef Roland Koch gehen. Die Aktie brach ein. Erst danach ging Marshall Wace seine Wette ein. Besser lief es beim Sportartikelhersteller Adidas. Der Hedgefonds Odey ging bereits am 9. Juli short, gut zwei Wochen vor der Gewinnwarnung der Herzogenauracher.

Wo Anleger auch bei fallenden Kursen profitieren

Marshall Wace und Konkurrent Lone Pine Capital lagen wiederum mit ihren Spekulationen gegen die Lufthansa richtig. Aber erst die Gewinnwarnung von Mitte Juni hatte die Shorties auf die Spur gebracht – keine Kunst also.

Hedgefonds können schlauer sein als andere Anleger, in der Praxis sind sie es oft zufällig. Allerdings geben sie immer wieder ungewollt Tipps, denn wenn sie Aktien abstrafen, schaffen sie auch Kaufgelegenheiten. Im vergangenen Jahr gehörte der Handyhersteller Blackberry zu den US-Aktien mit den meisten Wetten auf fallende Kurse. 35 Prozent des Börsenwerts waren an Hedgefonds verliehen. In diesem Jahr ist die Aktie mit 40 Prozent im Plus.

Bußgeld bei Missbrauch

Anders als in den USA sind in der EU derzeit ungedeckte Leerverkäufe verboten. Ungedeckt heißt, dass Spekulanten Aktien oder Anleihen verkaufen, die sie nicht besitzen und die sie sich auch nicht geliehen haben. Sie müssen sich diese Papiere erst später besorgen, um sie liefern zu können. Der Kurs des Papiers gerät ins Rutschen bevor auch nur ein Euro investiert wurde, deshalb sind diese Deals auch so umstritten. Leerverkäufe in der EU sind nur noch zulässig, wenn diese gedeckt sind durch:

- Wertpapierleihe: Anleger leihen sich physisch Aktien, bei denen sie auf fallende Kurse wetten.

- Derivate: Der Leerverkäufer erwirbt zusätzlich eine Kaufoption, die es ihm erlaubt, in einem bestimmten Zeitraum eine Aktie zu einem vorgegebenen Preis zu kaufen. Eine Leihe ist dann nicht erforderlich.

Anleger, die das Verbot umgehen, riskieren bis zu 500 000 Euro Bußgeld. Um Missbrauch zu stoppen, sind Leerverkäufe ab 0,2 Prozent der ausgegebenen Aktien den nationalen Aufsichtsbehörden zu melden. Ab 0,5 Prozent werden Shorts im Bundesanzeiger veröffentlicht. Das Verbot ungedeckter Leerverkäufe gilt auch für Fonds, die außerhalb Europas mit Aktien aus der EU wetten. Ob sich diese Vorschriften in der Praxis auch auf den Cayman Islands durchsetzen lassen, bleibt fraglich.

Dass Hedgefonds sich nicht immer an gesetzliche Regeln halten, zeigt ein Fall aus dem vergangenen Jahr in den USA. Die Hedgefonds D.E. Shaw und Deerfield Management hatten mehrfach gegen ein Leerverkaufsverbot bei Börsengängen verstoßen. In den fünf Handelstagen bevor ein Unternehmen neue Wertpapiere an den Markt bringt, dürfen in den USA diese Titel nicht leer verkauft werden. Die beiden Hedgefonds haben das Verbot umgangen, um billiger an die Aktien zu kommen.

Selbst wenn sich Shorties an die gesetzlichen Vorschriften für Leerverkäufe halten, sind einige Deals unsauber. 2012 deckte die US-Börsenaufsicht SEC auf, dass der Freund eines Angestellten des US-Chipentwicklers Nvidia einen Hedgefondsmanager gegen Geld mit Geschäftsinterna versorgt hatte. Der Hedgefonds soll damit 16 Millionen Dollar verdient haben.

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