ADO Properties und CBR Börsenkandidaten ziehen sich zurück

Der Berliner Immobilienkonzern ADO Properties zieht kurz vor der geplanten Zeichnungsfrist die Reißleine. Auch aus dem geplanten Börsengang des Modehändlers CBR wird erstmal nichts.

Die heißesten Börsenneulinge
ABN AmroDie Privatisierung der niederländischen Großbank ABN Amro droht zum Verlustgeschäft für die Regierung zu werden. Sie teilte am Dienstag mit, 23 Prozent der Anteile an den Markt bringen zu wollen. Die Aktien würden dabei Investoren für jeweils 16 bis 20 Euro angeboten. Auf Basis dieser Preisspanne hat die Bank einen Wert von 15 bis 18,8 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008 wurde ABN Amro allerdings mit Steuergeldern in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro verstaatlicht. Quelle: AP
Scout24 Schon vergangenes Jahr liebäugelte die Scout24-Gruppe, zu der Immobilienscout24, AutoScout24, die Datingseite FriendScout24 und das Finanzvergleichs-Portal FinanceScout24 gehören, mit dem Börsengang. Nachdem jedoch die Papiere von Zalando und RocketInternet ins Rutschen geraten waren, wurde es still um die IPO-Pläne. Nun hat das Handelsblatt aus Bankkreisen erfahren, dass Scout24 Anfang September konkretere Börsenpläne bekannt geben will. Den Informationen zufolge soll das IPO ein Volumen maximal einer Milliarde Euro haben - das wären 200 Millionen Euro mehr als bei den Börsenplänen 2014. Damals war die Rede davon, 25 Prozent der Aktien an die Börse zu bringen. Dass Scout24 trotz der China-Angst und sehr volatiler Märkte einen neuen Vorstoß wagen könnte, dürfte von den Eigentümern forciert werden. Die Private-Equity-Unternehmen Hellman & Friedman und Blackstone hatten sich vor eineinhalb Jahren für 1,5 Milliarden Euro zusammen 70 Prozent an Scout24 gesichert.. Quelle: Screenshot
PayPalDer Online-Bezahldienst wurde erst im Juli von der Muttergesellschaft Ebay abgespalten und eigenständig an die Börse gebracht. Getrennt voneinander sollen beide Unternehmen noch erfolgreicher werden. Die Aktien wurden jedoch ausschließlich Ebay-Aktionären zugeteilt bekommen. Nach der Erstnotiz an der Börse am 20. Juli ging es mit dem PayPal-Kurs allerdings kräftig auf und ab und notiert an der Nasdaq unter dem Ausgabepreis. Der Bezahl-Service brachte zuletzt rund die Hälfte der Konzernumsätze ein. Im ersten Quartal dieses Jahres wuchsen die Erlöse von Paypal im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. In der Handelsplattform-Sparte mit der Auktions-Website ging es dagegen um vier Prozent abwärts auf 2,07 Milliarden Dollar. Paypal war 2002 bereits kurze Zeit an der Börse notiert, bevor der Bezahlservice von Ebay übernommen wurde. Der Dienst hat 165 Millionen aktive Kunden. Quelle: REUTERS
CBR Fashion Holding Quelle: Screenshot
ADO Properties Quelle: Screenshot
Chorus Clean Energy Quelle: Presse
Tinder & Co.InteractiveCorp will seine Dating-Sparte - unter anderem mit den Plattformen Tinder, Match.com und in Deutschland mit Neu.de, Friendscout und Partner.de an die Börse bringen. Der New Yorker Medienkonzern kündigte einen Börsengang der Tochter Match Group an, in der die Dating-Sites gebündelt sind. Allerdings sollen zunächst nur 20 Prozent der Anteilsscheine in den öffentlichen Handel gebracht werden. Investoren dürften vor allem auf Tinder scharf sein, dessen Nutzerzahlen kräftig wachsen. Dem letzten Finanzbericht nach machte die Match Group im ersten Vierteljahr 2015 einen Umsatz von 239,2 Millionen Dollar (213,5 Mio Euro). Das waren 13 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Börsengang soll im vierten Quartal stattfinden. Tinder und andere Dating-Apps wirbeln mit ihrer einfachen Benutzung auf dem Handy den Markt der Partnerbörsen auf. Quelle: dpa
Europcar Quelle: REUTERS
Elumeo Quelle: Presse
Deutsche Pfandbriefbank Quelle: dpa
Edag Quelle: gms
Jost Quelle: Presse
Covestro Quelle: dpa
Hapag-Lloyd Quelle: dpa
Armacell
Aurelis Real Estate Quelle: Screenshot
Westwing Quelle: Screenshot
Bombardier Rail Quelle: dapd

Merken Sie sich die Namen ADO Properties und CBR. Der Modehändler (Street One, Cecil) sagte heute Morgen seinen Börsengang ab. Der Berliner Wohnimmobilienkäufer und Plattenbauspezialist zog am Montag, wenige Stunden vor dem Ende der Zeichnungsfrist, die Reißleine: Die bisher für gestern geplante Erstnotiz des Börsennovizen sei „bis auf Weiteres“ verschoben, obwohl die Emission bei den Anlegern gut angekommen sei. Grund sei sowohl bei ADO als auch bei CBR, na klar, die Krise in Griechenland, ansonsten aber sei alles tipptopp.

Begriffe zum Börsengang

Wirklich? Zum Zeitpunkt der ADO-Absage etwa notierte der Dax bei knapp 11.200 Punkten. Am Tag des Zeichnungsbeginns der ADO-Aktien am 18. Juni notierte der deutsche Leitindex mittags bei 10 830 Zählern, also ganz ordentlich darunter. Es muss also andere Gründe geben für die Absage des IPOs als Athen. Erfahrungsgemäß bedeutet das: Sollten ADO und CBR einen zweiten Anlauf zu ähnlichen Konditionen wie bisher starten, dann lieber Finger weg.

Finger weg

Ohnehin kommt jetzt gerade nicht die Creme an den Markt. Tolle Firmen wie Douglas wandern von einem Finanzinvestor zum anderen. Sie als Privatanleger dürfen sich dagegen damit auseinandersetzen, ob Sie demnächst die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) aus dem Reich der ehemaligen Pleitebank Hypo Real Estate haben wollen. Der Bund, der die pbb in der Finanzkrise aufgefangen hatte, will im ersten Schritt bis zu 80 Prozent der Aktien auf den Markt werfen. Bei der pbb ist der IPO-Prozess noch nicht so weit fortgeschritten wie bei ADO: Sie wartet mit der Veröffentlichung ihres Börsenprospektes ab, ob sich die Lage in einigen Tagen beruhigt, hieß es vom Frankfurter Parkett. Ein Börsengang vor der Sommerpause wäre auch dann noch möglich. Seien Sie auch da lieber nicht mit dabei.

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Gleiches gilt bei zwei weiteren Unternehmen, deren Zeichnungsfrist noch bis heute laufen soll. Der Edelsteinschmuckhändler Elumeo soll deutlich teurer an den Mann gebracht werden als Konkurrent Bijou Brigitte. Und ob ein Wind- und Solarparkbetreiber, wie der dritte Neuling auf der Rampe, die Chorus Clean Energy, lohnt? Mag sein, doch wie immer kommt es auf den Preis an. Vorbörsliche Taxen liegen unterhalb des niedrigsten Preises der Bookbuilding-Spanne, die Zeichnungsfrist wurden denn auch heute um acht Tage verlängert.

Hohe Preise

Die kleine IPO-Welle signalisiert Torschlusspanik und die Tatsache, dass an der Börse nach wie vor hohe Preise gezahlt werden, aber eben auch nicht jeder Preis – siehe ADO Properties und CBR. Auch deshalb ist die Hausse noch nicht am Ende, dürften sich Anleger à la longue mangels Alternativen weiter am Aktienmarkt umsehen. Schwache Tage wie zu Beginn der Woche laden geradezu dazu ein, bisher Verpasstes nachzuholen.

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