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Aktie im Fokus Apple verliert seinen Zauber

Die Talfahrt der Apple-Aktie geht weiter. Seit Mitte September brach der Kurs um mehr als 200 US-Dollar ein. Verlieren die Börsianer zurecht den Glauben an die Wundermaschine Apple?

Kursrutsch trotz Rekordergebnis: Apple scheint bei vielen Börsianer seinen einstigen Glanz zu verlieren. Quelle: dpa

Apple-Chef Tim Cook muss sich nach eineinhalb Jahren an der Konzernspitze durch seine erste Vertrauenskrise kämpfen. Bei dem steilen Fall der Apple-Aktie auch nach abermaligen Rekord-Ergebnissen geht es nicht nur darum, dass der Konzern vielleicht ein paar Millionen weniger iPhones verkaufte, als die meisten Analysten erwartet hatten. Die Börsianer scheinen den Glauben an die Wundermaschine Apple zu verlieren, der die Aktie erst in schwindelerregende Höhen getrieben hat.

Der schleichende Vertrauensverlust in Apple ließ sich in den vergangenen Monaten an den fallenden Börsenkursen beobachten. Was zu Beginn nach einer kleinen technischen Korrektur aussah, entwickelte sich zu einem dramatischen Abverkauf. Seit dem Rekordhoch der Aktie im September fiel sie um 34 Prozent - damit verlor der im Silicon Valley ansässige Konzern 227 Milliarden Dollar an Wert. Dies entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung von Hongkong. Am Mittwoch nach Börsenschluss kamen weitere 50 Milliarden Dollar hinzu, die Aktie stürzte an der Wall Street nachbörslich um zehn Prozent auf 463 Dollar ab.

Einige Banken reagierten auf die jüngsten Apple-Zahlen prompt mit und korrigierten ihre Kursziele nach unten. Die Deutsche Bank und Barclays sehen die Aktie in naher Zukunft bei 575 US-Dollar. Zuvor waren Ziele von mehr als 800 US-Dollar anvisiert worden. Die Deutsche Bank empfiehlt die Aktie allerdings immer noch zum Kauf.

Apple fuhr im Weihnachtsgeschäft zwar erneut einen fabelhaften Quartalsgewinn von knapp 13,1 Milliarden Dollar ein. Doch es waren unterm Strich gerade einmal 14 Millionen Dollar mehr als ein Jahr zuvor - eine Stagnation statt der gewohnten Wachstumssprünge. Allerdings hatten viele Analysten schon den ersten Gewinnrückgang seit Jahren erwartet.


„Es war enttäuschend“

Apple verfehlte die Markterwartungen beim Umsatz und der Zahl verkaufter iPhones sowie bei den Prognosen für das laufende Quartal. „Es war enttäuschend“, sagte Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray auf Bloomberg TV. Er gehört zu den renommiertesten Apple-Beobachtern. Die iPhone-Verkäufe hätten die Stimmung total vergiftet, erläuterte er den Kursrutsch.

Überdies stieß den Börsianern ein weiterer Punkt sauer auf: Zwar hatte Apple dank der Rekordverkäufe einen Rekordumsatz eingefahren, doch dem standen höhere Kosten für Entwicklung, Produktion und Marketing bei den zahlreichen neuen Produkten gegenüber. Dadurch stagnierte der Gewinn.

Doch das vielleicht alarmierendste Zeichen für Cook ist, dass die Aktie munter weiter fiel, während er sich in der Telefonkonferenz am Mittwoch den Fragen der Analysten stellte. Das heißt, seine Antworten konnten die Anleger nicht umstimmen.

Mit konkreten Hinweisen auf künftige Vorhaben hielt Cook sich zurück. Allerdings war schon sein legendärer Vorgänger Steve Jobs bekannt dafür, eher ausweichende Antworten zu den Plänen von Apple zu geben, aus denen man Hinweise wie Goldsand aussieben muss. Dabei geht es nicht nur um die Formulierungen, sondern auch darum, was nicht gesagt wird.

So verzichtete Cook diesmal darauf, die Settop-Box Apple TV als „Hobby“ zu bezeichnen, sondern wiederholte, dass Fernsehen ein „Bereich von intensivem Interesse“ sei. „Ich glaube, dass wir auf diesem Gebiet viel zu bieten haben“, sagte Cook. Mehr wolle er nicht sagen. Die Äußerungen könnten den jahrelangen Spekulationen um einen Apple-Fernseher neue Nahrung geben. Aber vielleicht will Apple auch nur die Apple-TV-Box weiterentwickeln, die im vergangenen Quartal zwei Millionen Mal gekauft wurde - ein Plus von 60 Prozent.

Die Frage nach einem iPhone mit einem noch größeren Bildschirm beantwortete Cook hingegen relativ eindeutig. Apple sei zufrieden, dass sich auch das leicht vergrößerte iPhone 5 mit einer Hand bedienen lasse, „was unsere Kunden schätzen“. Auch die Aussicht auf ein günstigeres iPhone-Modell dämpfte Cook etwas. Er verwies auf die älteren Modelle, die Apple günstiger verkaufe. Zugleich bekräftigte er, dass es für Apple wichtigeres als Marktanteile gebe: „Wir wollen nur die besten Produkte machen.“ Derzeit gibt es das größte Wachstum im Smartphone-Markt in Ländern wie China, Indien oder Brasilien, in denen eher günstigere Geräte gefragt sind. Zuletzt gab es erneut Medienberichte, Apple teste deshalb eine günstigere Variante seines teuren Telefons.

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