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Aktie unter Druck Rekordergebnis nützt VW-Aktionären nichts

VW-Anleger vermissen Innovationen und eine Strategie in den USA. Trotz guter Ergebnisse für 2013 setzt das die Aktie unter Druck. Dabei steht dahinter ein solides Unternehmen.

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Als Porsche auf einmal erklärte Zugriff auf 75 Prozent der VW-Aktien zu haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit VW anzustreben, explodierte der Kurs der VW-Aktien Quelle: dpa

Vor drei Jahren schien die Welt noch in Ordnung. Volkswagen machte sich in den USA mit einem Werbespot in der Halbzeit des Superbowl zur Legende: Ein kleiner Junge, verkleidet als Darth Vader, glaubt den 2012er VW-Passat seines Vaters mit übermenschlicher Kraft zum Leben zu erwecken.

Doch mittlerweile überzeugen weder die VW-Werbespots zum Superbowl, noch die Fahrzeuge in den USA. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach im Januar gar davon, dass die USA-Geschäfte des Wolfsburger Konzerns  eine „Katastrophenveranstaltung“ seien.

Die Strategie komme zentralistisch aus Wolfsburg, gehe an den Anforderungen des nordamerikanischen Marktes vorbei.

Dort bieten General Motors und Toyota günstigere Preise und verkaufen schlicht und einfach mehr Autos als Volkswagen. VW hatte 2013 in den USA nur einen Marktanteil von 3,6  Prozent – inklusive Audi.

Zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2013 steht die Volkswagen-Aktie jetzt unter Druck. Zu viele offene Baustellen im Konzern lassen den Kurs pendeln, seit Anfang des Jahres zwischen 183 Euro und 204 Euro.

Dabei erzielte VW 2013 bessere Ergebnisse als erhofft - 197 Milliarden Euro Umsatzerlöse und einen neuen Rekord beim operativen Ergebnis mit 11,6 Milliarden. Der Lichtblick für Aktionäre: Sie sollen vom Ergebnis profitieren und mit 4,06 pro Vorzugsaktie 50 Cent mehr Dividende erhalten als im Vorjahr. Zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts konnte die Aktie am Morgen um vier Prozent zulegen. Das dürfte auf eine Einschätzung von Vorstandschef Martin Winterkorn zurückzuführen sein: VW erwartet, schon in diesem Jahr die zehn Millionen Marke zu knacken. Eigentlich war erst bis 2018 geplant jährlich mehr als zehn Millionen Autos zu verkaufen.

Trotz dieser Erfolgsmeldung gibt ein Posten der heute vorgestellten Bilanz Grund zur Sorge: Die Kernmarke Volkswagen PKW brach beim operativen Ergebnis 2013 ein – um 20 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro. Das leichte Plus beim operativen Konzernergebnis kommt vor allem durch die guten Absätze der Marke Porsche zustande, sie trug fast ein Viertel zum Gesamtergebnis bei. Alle anderen Marken enttäuschten.

Die rentabelsten Autokonzerne der Welt
Platz 15 - Peugeot/Citroën (PSA) - Frankreich - EBIT-Marge: -0,2 ProzentMit einem strikten Sparprogramm haben die Franzosen ihre Angestellten auf die Barrikaden gebracht. Doch die Einsparungen haben zumindest die Verluste reduziert. Unterm Strich schreiben die Franzosen aber weiter rote Zahlen. Quelle: Center of Automotive Management (CAM), Datenbasis 1. - 3. Quartal 2013) Quelle: AP
Platz 14 - Fiat-Chrysler - Italien/USA - EBIT-Marge: 4,0 ProzentDas italienisch-amerikanische Doppel landet auf den hinteren Plätzen. Das liegt vor allem an Fiat. Die Italiener haben weiter mit den Problemen in Europa zu kämpfen und auch die Wiederbelebung von Alfa Romeo lässt noch aus sich warten. Quelle: AP
Platz 13 - Nissan - Japan - EBIT-Marge: 5,2 ProzentNissan-Chef Carlos Ghosn schaut zurecht skeptisch: Die Japaner fahren zwar Gewinne ein, doch haben mit Renault weiterhin einen kriselnden Partner und auch die eigene Rendite ist im Jahresvergleich geschrumpft. Quelle: rtr
Platz 12 - Mitsubishi - Japan - EBIT-Marge: 5,3 ProzentDie Japaner schauen wieder nach oben. Langsam erholt sich der Konzern von der Erdbeben-Katastrophe und ihren Folgen. Die Rendite legt leicht zu. Dazu tragen auch Verkaufsschlager wie der SUV Outlander (FOTO) bei. Quelle: dpa
Platz 11 - Mazda - Japan - EBIT-Marge: 5,6 ProzentIm Verhältnis konnte nur ein Autokonzern noch mehr bei der Rendite zulegen als die Japaner. In der ultramodernen Fabrik im südwestjapanischen Hofu, läuft alle 54 Sekunden ein Fahrzeug vom Band. Quelle: AP
Platz 10 - Honda - Japan - EBIT-Marge: 5,8 ProzentRelativ konstant entwickelt sich die Marge bei Honda. Die Japaner punkten vor allem wieder auf dem US-Markt und landen so im Vergleich zur internationalen Konkurrenz im Mittelfeld. Quelle: dpa
General Motors Quelle: AP

Aber Anleger und Analysten beäugen skeptisch die Aussichten für 2014. Schien die wichtige 200-Euro-Marke Ende 2013 im Aufwärtstrend noch wie selbstverständlich zu fallen, rückt sie jetzt in weite Ferne.

Denn die Wolfsburger kämpfen an mehreren Fronten gegen ihre deutsche und internationale Konkurrenz an: Mercedes drängt mit seiner Modelloffensive auf den umkämpften US-Markt. Die Elektro-Zukunft scheint an Volkswagen vorbeizugehen – Tesla investiert massiv, auch BMW versucht sich mit seiner i-Serie. In Wolfsburg dagegen sträubt man sich gegenüber dieser Technologie. Obwohl mit dem e-Up und e-Golf zwei elektrische Kleinwagen im Angebot stehen.

VW-Aufsichtsratschef Piëch schoss aber auf dem Genfer Autosalon gegen Tesla, man baue keine brennenden Autos. (Eine Anspielung auf brennende Batterien in einigen Tesla-Wagen.) Und Konzernchef Martin Winterkorn bestätigt: die Zukunft sehe man bei VW in Hybrid-Autos.

Das wirkt auf Investoren wenig visionär. Doch die größte Enttäuschung aus Börsensicht: Die Kosteneinsparungen aus dem modularen Querbaukasten scheinen niedriger auszufallen als von VW erwartet, oder lassen weiter auf sich warten. Erste Investoren bezweifeln, dass sich die Verwendung gleicher Bauteile für die verschiedenen Volkswagen-Marken wie VW, Skoda und Audi überhaupt auszahlen wird.

Zudem wird der starke Euro für Volkswagen zum Problem, befeuert die Absatzkrise in den Schwellenländern wie Russland und Brasilien zusätzlich. Selbst der chinesische Markt bietet den Autobauern geringere Wachstumsaussichten.

Auch die Konzerntöchter können wenig Hilfe für das Wolfsburger Mutterhaus leisten: Audi verzeichnete 2013 zwar einen Absatzrekord, verkaufte über 1,5 Millionen Autos. Der Reingewinn schrumpfte aber um acht Prozent auf gut vier Milliarden Euro. Und auch Lastwagenbauer MAN bedrückt den VW-Konzern – mit einem Verlust von über 524 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

2014 wird zum Test für die VW-Aktie

VW plant Crafter-Werk in Polen
Posen, PolenVolkswagen steht kurz vor dem Bau eines neuen Werkes in Polen für seinen Großtransporter Crafter. Die Konzernzentrale in Wolfsburg favorisiere den Standort im Großraum Posen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Managements im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover-Stöcken, das auch auf den Zuschlag für den Crafter-Bau hoffte. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete ebenfalls von entsprechenden Plänen. Bisher lässt VW den Großtransporter bei Daimler bauen, der Crafter gleicht größtenteils dem Mercedes-Sprinter. Die Kooperation läuft 2016 aus. Nach dpa-Informationen könnte die Fabrik in Stöcken künftig Teile der Produktion des VW-Kompaktvans Touran bekommen. VW war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Quelle: dpa
Puebla, MexicoVW gilt in Mexiko als Erfolgsgeschichte. Rund zehn Millionen Autos haben die Wolfsburger bislang am Standort Puebla gebaut. Eine ganze Region hängt an dem Riesenwerk. Auf dem Weg zum größten Autokonzern der Welt soll der neue Golf nun den schwierigen US-Markt erobern. „Der Produktionsstart des Golf 7 wird Volkswagen in Nordamerika ordentlich Schub nach vorn geben“, sagt auch VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn bei der Jubiläumsfeier. Bis 2018 will Volkswagen in der Region sieben Milliarden US-Dollar investieren. Ein Großteil davon dürfte nach Mexiko fließen. Quelle: AP
Foshan, China300.000 neue Golf-Modelle sollen in Foshan jährlich vom Band rollen - vorerst. Das neue Volkswagen-Werk in der südchinesischen Provinz Guangdong, nahe der Stadt Foshan soll in einer zweite Phase auf eine Kapazität von 600.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. 6500 Beschäftige hat das Werk bisher. VW-China-Vorstand Jochem Heizmann erklärte, VW befinde sich zudem in "intensiven Gesprächen" mit seinem chinesischen Partner FAW. Dabei gehe es um eine Erhöhung des VW-Anteils am Joint-Venture FAW-Volkswagen auf von 40 auf 50 Prozent. Angesichts der Krise auf dem europäischen Automarkt wird für VW das Geschäft in China immer wichtiger. Im vergangenen Jahr produzierten die Wolfsburger mit ihren beiden chinesischen Partnern SAIC und FAW gut 2,6 Millionen Fahrzeuge. Bis 2018 sollen die Kapazitäten früheren Angaben zufolge in China auf vier Millionen Autos pro Jahr ausgebaut werden. Quelle: dpa
Changchun, ChinaModelle: VW Jetta, New bora, Golf, Sagitar, Magotan, Magotan CC, Motoren, Getriebe Das Joint-Venture mit FAW gingen die Wolfsburger 1991 ein. Fast 16.000 Menschen arbeiten in den gemeinsamen Werken. In Ningbo hat Volkswagen mit dem Bau eines neuen Werkes in China begonnen. Es soll 2014 fertig gestellt sein und eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen jährlich haben. Quelle: dpa/dpaweb
Puebla, MexikoModelle: Beetle, Jetta, Golf Variant In Puebla produziert Volkswagen seit 1964. Mehr als 15.000 Menschen arbeiten hier für Volkswagen. Werk Nummer 101 soll übrigens ebenfalls in Mexiko entstehen. Ab 2016 wird Audi hier den Q 5 produzieren. Quelle: dpa
Wolfsburg, DeutschlandModelle: Tiguan, Touran, Golf, Golf Plus Seit 1938 besteht das Werk Wolfsburg. Am Stammsitz des Volkswagen-Konzerns arbeiten fast 50.000 Menschen. Quelle: dpa
Chattanooga, USAIm Mai 2009 war in Chattanooga der offizielle Baubeginn des ersten amerikanischen VW-Werkes. Die Fertigung dort sollte laut Konzernangaben 2011 mit einer jährlichen Gesamtkapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen starten. Dieses Ziel hat der Autobauer erreicht: Mittlerweile ist dort der 250.000. Passat vom Band gelaufen. „Vor zwei Jahren haben unsere Leute gerade mal gelernt, Autos zu bauen“, erklärte Werksleiter Frank Fischer. „Ich bin sehr stolz auf dieses Team.“ Der US-Passat ist eine Erfolgsgeschichte: Die Produktion hatte am 18. April 2011 begonnen. Das auf den amerikanischen Geschmack abgestimmte Modell verkaufte sich auf Anhieb deutlich besser als der aus Europa importierte Vorgänger. Auch dank des Passat haben sich die Verkäufe der Marke VW in den USA von 2009 bis 2012 verdoppelt. Quelle: dpa

2014 dürfte deshalb zum Test für die VW-Aktie werden, Investoren müssen auf Innovationen in den nächsten Jahren hoffen. Und der Konzern selbst betonte jüngst bei der Veröffentlichung der Jahreszahlen, dass man für 2014 Umsatzerlöse „in einer Bandbreite von drei Prozent um den Vorjahreswert“ erwarten würde. Optimismus sieht anders aus, wenngleich die VW-Schätzungen meist recht konservativ ausfallen, meinen Analysten.

Dabei konnte VW seinen Umsatz 2013 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Das aktuell für 2014 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 scheint recht günstig.  Aber: Selbst langfristig orientierte Anleger sollten jetzt nicht einsteigen; erst die Pendelbewegung bis zum Widerstand verfolgen. Denn die Aktie scheint die Querbewegung von Januar und Februar nach unten durchbrochen zu haben, liegt jetzt unter der 200-Tage-Linie. Und bleibt ein Erfolg der Baukasten-Strategie aus, dürfte das die solide Bewertung des Dax-Unternehmens angreifen.

VW hält aber an seinem Konzept fest, will Synergien jetzt auch bei seinen Nutzfahrzeugen durchsetzen und hat ein Übernahmeangebot für Scania abgegeben. Volkswagen hält bereits 89 Prozent der Stimmrechte an den Schweden (inklusive indirekter Anteile). Will nach dem aktuellen Angebot, das Aktionäre ab dem 17. März annehmen können, 6,7 Milliarden Euro für die vollständige Übernahme zahlen. Bei einer Nettoliquidität von gut 16 Milliarden Euro scheint diese Summe gut zu stemmen. Der Konzern will aber mit einer Kapitalerhöhung über seine Vorzugsaktien bis zu zwei Milliarden Euro zusätzlich einsammeln. Das verärgerte die Anleger, der Kurs sackte nach dieser Ankündigung Ende Februar erst einmal um sieben Prozent ab.

Trotzdem: Volkswagen erhofft sich von der Komplettübernahme von Scania ein operatives Synergiepotenzial von 650 Millionen Euro jährlich. Bis dieser Wert zum Tragen komme, dauere es aber zehn bis fünfzehn Jahre aufgrund der langen Produktionszyklen bei Nutzfahrzeugen, so die Erwartungen der Wolfsburger. Große Auswirkungen auf den Kurs werden durch die Übernahme jetzt nicht mehr erwartet.

Grundsätzlich lassen sich einige Signale erkennen, die trotz aller Schwierigkeiten für Verbesserung sprechen. Das für VW so wichtige Europageschäft wächst (der Konzern erzielte 2012 hier 60 Prozent seines Umsatzes), und auch in China konnte Volkswagen im Januar und Februar 2014 erneut mehr Autos verkaufen als im Vorjahr, knapp 438.000. Fast jeden zweiten PKW setzt VW damit in China ab.

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„Die Schwäche in den USA ist sicherlich der Stärke in China geschuldet. Erst eine Erweiterung der Produktpalette wird auch die Lage in den USA verbessern können“, sagt Analyst Marc-René Tonn von Warburg Research. Brasilien und Russland laufen ebenfalls hinter ihren Vorjahresabsätzen her. Für bessere Aussichten dürfte hier erst eine konjunkturelle Erholung sorgen.

Unter all diesen Umständen scheint Volkswagen noch solide da zu stehen. Ein erfolgreicher Selbstläufer  ist Volkswagen an der Börse in diesem Jahr auf keinen Fall. So muss VW in den USA auf ein wenig übermenschliche Unterstützung hoffen, wie im eigenen Superbowl-Werbespot. Vielleicht lassen sich so die Autos auf dem US-Markt wieder zu neuem Leben erwecken.

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