WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Biotechkonzern Amgen steigert Gewinn und Produktpalette, Commerzbank erholt sich und verspricht Dividende, Renault gewinnt an Investment-Qualität: Aktien, Anleihen und Fonds für die private Geldanlage.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Flotte Rendite: Renault-Filiale in Ahmedabad, Indien Quelle: REUTERS

Aktientipp: Amgen - Rentable Blockbuster und starke Pipeline

Aller Voraussicht nach dürften acht Medikamente des amerikanischen Biotechkonzerns Amgen in diesem Jahr jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz einbringen: An der Spitze Enbrel (gegen Rheuma), das derzeit mit einer Jahresrate von 30 Prozent zulegt, dann Prolia (gegen Knochenschwund) oder Sensipar gegen Erkrankungen der Schilddrüse. Die Klassiker Neupogen und Epogen (gegen Blutarmut) sind zwar leicht rückläufig. Doch angesichts einer Verkaufskarriere, die mittlerweile schon ein Vierteljahrhundert läuft, ist das kein Drama.

Aktientipp Amgen

An neuen Medikamenten hat Amgen zudem eine ganze Reihe im Angebot. Im Juli erhielt Kyprolis (gegen Hautkrebs) von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eine erweiterte Zulassung, worauf das Wachstum im Jahresvergleich auf 46 Prozent stieg. Neu zugelassen wurde Repatha (gegen zu hohen Cholesterinspiegel), dem Analysten Jahresumsätze in Milliardenhöhe zutrauen. Mit Imlygic wurde vor Kurzem die erste Virustherapie gegen Krebs zugelassen. Weitere Präparate gegen Tumorerkrankungen sind in der Pipeline. Mit Novartis forscht Amgen nach Medikamenten gegen Alzheimer. Zweimal in diesem Jahr hat Amgen seine Prognosen heraufgesetzt. Dank höherer Verkaufspreise und niedrigerer Herstellungskosten steigt nicht nur der Umsatz, die Gewinne legen sogar noch deutlicher zu.

Aktientipp: Commerzbank - Fast schon wieder eine ganz normale Bank

Knapp zwei Prozent Rendite dürfte die Commerzbank-Aktie im nächsten Frühjahr abwerfen, wenn es erstmals seit acht Jahren wieder Dividende gibt – just in dem Moment, in dem Konkurrent Deutsche Bank aus Sanierungsgründen die Dividende streicht. Leisten kann sich die Bank die Gesamtausschüttung von 250 Millionen Euro:

Aktientipp Commerzbank

Nach dem guten Geschäft in den ersten neun Monaten (Nettogewinn 853 Millionen Euro, plus 62 Prozent) dürfte 2015 insgesamt mehr als eine Milliarde Euro bleiben. Dass vor allem das Privatkundengeschäft läuft, ist ein gutes Zeichen: Es bestätigt die Neuausrichtung weg vom riskanten Wertpapiergeschäft hin zum klassischen Banking. Deshalb kann auch die Risikovorsorge weiter zurückgeführt werden, das Kernkapital (10,8 Prozent) zulegen. Mit 564 Milliarden Euro Bilanzsumme, 1100 Filialen und 51622 Mitarbeitern ist die Cobank auf dem Weg zu einem ganz normalen Geldhaus. Dafür sind gut 13 Milliarden Euro, mit denen die Bank derzeit an der Börse bezahlt, nicht viel auch wenn sie sich jetzt erst einmal einen neuen Chef suchen muss.

Aktientipp: Cash America - Die Bank des kleinen Mannes

Etwa 25 Millionen amerikanische Haushalte, fast 30 Prozent aller US-Haushalte, haben keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu Bankdienstleistungen. Mangels ausreichender Sicherheiten bergen diese Kunden für klassische Geschäftsbanken unakzeptable Risiken. Entsprechend müssen klamme Amerikaner alternative Finanzierungswege suchen, um ihre monatlichen Rechnungen für Strom, Wasser, Kreditkarte oder Auto pünktlich zu begleichen. Als letzte Bargeldquelle bleibt ihnen oft nur der Gang zum Pfandhaus. Dort lässt sich als Sicherheit für Kredite praktisch alles hinterlegen, was sich zu Geld machen lässt, von Gold- und Diamantschmuck über Uhren, Elektronikgeräte bis hin zum Auto. Wird der Kredit innerhalb einer Frist von meist drei Monaten nicht zurückgezahlt, geht das Eigentum des Schuldners in den Besitz des Pfandhauses über und wird verkauft.

Aktientipp Cash America

Cash America betreibt in den USA die größte Pfandhauskette mit 825 Leihhäusern in 20 Bundesstaaten. Außerdem bietet das 1983 im texanischen Fort Worth gegründete Unternehmen kurzfristige Überbrückungskredite an, mit denen sich finanzielle Engpässe bis zum Eingang des nächsten Gehaltsschecks überbrücken lassen. Gut 60 Prozent des Kreditportfolios ist abgesichert mit Schmuckgegenständen. Nicht ausgelöste Stücke werden in firmeneigenen Juwelierläden verkauft. Die Texaner selbst sind nicht klamm. Das Cash-Polster von gut 343 Millionen Dollar übersteigt das Fremdkapital um 137 Millionen Dollar. Zieht man diese Nettoliquidität vom Marktwert ab, errechnet sich ein Unternehmenswert von 740,3 Millionen Dollar. Das Geschäftsmodell liefert hohe freie Mittelzuflüsse. Das bietet Luft für Aktienrückkäufe, die den Gewinnanteil pro Aktie verdichten. Nach Abschluss des aktuellen Rückkaufprogramms von vier Millionen Aktien soll im Januar 2016 ein neues Programm starten, über insgesamt drei Millionen Aktien. Das wären fast zwölf Prozent aller ausstehenden Aktien.

Anleihe- und Fondstipp

Anleihetipp: Renault - Schulterschluss mit Nissan und den französischen Staat im Rücken

Seitdem die Zinsen nach dem scharfen Anstieg im Frühjahr wieder auf dem Rückmarsch sind, werfen Euro-Anleihen mit Investmentqualität bei mittleren Laufzeiten kaum noch oder gar keine Renditen mehr ab. Bundesanleihen mit Laufzeit bis 2021 (etwa ISIN: DE0001135424) kosten Anleger jedes Jahr sogar 0,1 Prozent. Dagegen sind 1,6 Prozent Jahresrendite, die der klassische, genauso lang laufende Unternehmensbond (500 Millionen Euro gesamter Nennwert) von Renault verspricht, ein flottes Angebot. Zwar ist der französische Autokonzern mit einem Standard & Poor’s-Rating von BBBnur gerade noch Investment Grade. Doch nicht zuletzt durch den französischen Staatsanteil (derzeit 19,7 Prozent) sollten Zinszahlungen und Tilgung ziemlich sicher sein. 15 Prozent der Renault-Aktien gehören dem japanischen Partnerkonzern Nissan, der seinen Anteil weiter aufstocken will. Renault hält im Gegenzug 43 Prozent der Nissan-Anteile. 2,712 Millionen Fahrzeuge verkaufte Renault im vergangenen Jahr. Zwar geht der Absatz in der Krisenregion Russland weiter zurück; doch in Brasilien, dem zweitwichtigsten Markt für Renault, konnten die Franzosen ihren Anteil in den vergangenen Monaten wieder leicht ausbauen. Motor für das laufende Jahr sind die lebhaften Verkäufe in Europa. In Großbritannien, Niederlande, Spanien, Portugal und Polen ist der Absatz im dritten Quartal mit einer zweistelligen Rate gestiegen. Im Heimatmarkt Frankreich gingen die Verkäufe marginal zurück. Insgesamt konnte Renault im dritten Quartal in Europa rund 6,5 Prozent mehr Autos verkaufen. Mit rund 60 Prozent Anteil ist Europa für Renault nach wie vor der wichtigste Markt. Unterm Strich sollte es für die Franzosen kein Problem sein, in diesem Jahr an die 2,8 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Dank stabiler Verkaufspreise´dürfte der Umsatz um mehr als fünf Prozent auf fast 44 Milliarden Euro klettern. Bei den Gewinnen könnte Renault noch stärker zulegen. Hier zahlt sich vor allem die enge Kooperation mit Nissan aus, die schon seit 16 Jahren besteht. Gemeinsame Plattformen für Automodelle und Kooperationen im Einkauf helfen bei der Kostenkontrolle. Beim Kleinwagen Twingo arbeitet Renault erfolgreich mit Daimler zusammen. Mit dem Minimobil Twizy ist Renault bei Elektrofahrzeugen im Geschäft. Das Thema selbstfahrende Autos gehört zu den Herzensangelegenheiten von Konzernchef Carlos Ghosn, der bis 2020 erste Fahrzeuge dieser Art im Angebot haben will.

Kurs107,85 Prozent
Rendite1,58 Prozent
Kupon:
3,125 Prozent
Laufzeit bis05.03.2021
WährungEuro
ISINFR0011769090
Stand: 05.11.2015

Im ersten Halbjahr verdoppelte Renault den Betriebsgewinn auf 953 Millionen Euro. Die operative Rendite im Autogeschäft kletterte von 3,7 auf 4,8 Prozent. Nach 1,5 Milliarden Euro netto sollten bis Jahresende 2,5 bis fast 3,0 Milliarden Reingewinn übrig bleiben. Dass sich Renault-Aktien in den vergangenen vier Wochen kräftig erholt haben, ist ein gutes Zeichen für den weiteren Geschäftsverlauf. Mit 32 Prozent Eigenkapital in der Bilanz und 1,5 Milliarden Euro Nettocash (Stand 30. Juni) ist Renault finanziell gut gerüstet.


Fondstipp: Raiffeisen-Fonds- Biolebensmittel als nachhaltiger Renditekick

Mit dem am Ende des Monats beginnenden Umweltgipfel in Paris sowie den Skandalen um VW lohnt sich wieder ein Blick auf die Nachhaltigkeitsfonds. Bei ihnen geht es darum, durch ökologische und soziale Kriterien sowie die Berücksichtigung eines verantwortungsvollen Managements die Unternehmen herauszupicken, die skandalfrei bleiben. Wie die meisten schließt der Fonds der österreichischen Raiffeisen Capital Atomkraft, Waffen, Alkohol und Tabak aus. Der Fonds soll für Anleger allerdings ein Basisinvestment bleiben, deshalb will Fondsmanager Wolfgang Pinner es mit den Investmentverboten nicht zu weit treiben, denn sonst leidet die Mischung. Noch darf er etwa in Autohersteller oder Ölförderer investieren. VW beäugte Pinner schon nach dem Machtkampf zwischen Exchef Martin Winterkorn und Exaufsichtsratschef Ferdinand Piëch im Frühjahr kritisch und nahm Abstand von einer Investition.

Fondstipp: Raiffeisen-Fonds

Inzwischen meiden viele Großanleger Branchen, die durch einen hohen CO2-Ausstoß mitverantwortlich sein sollen für den Klimawandel. Die Ölförderer Norsk Hydro und Statoil hält Pinner aber im Fonds, da sie seiner Meinung nach sowohl bei der Förderung als auch beim Transport des Öls umweltgerechter agieren als die Riesen BP und Royal Dutch Shell. Allerdings will er künftig beim CO2-Ausstoß noch strengere Maßstäbe ansetzen, und denen könnten die zwei zum Opfer fallen. Erneuerbare Energien sind derzeit nur durch das US-Solarunternehmen Sunpower im Portfolio vertreten. Verabschiedet der Pariser Klimagipfel strengere Umweltauflagen, könnte die Branche Auftrieb bekommen. Gegen den Trend hat sich der Aktienkurs des niederländischen Biolebensmittelherstellers Wessanen (Marke Allos) mit einem Plus von 40 Prozent seit April im Fonds gut entwickelt. Der US-Lebensmittelanbieter WhiteWave (Marke Alpro) gehört ebenso zum Portfolio wie die Biosupermarktkette Whole Foods Market, die in den USA, Kanada und Großbritannien präsent ist.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%