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Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Elior stabilisiert den Gewinn, Novagold profitiert von finanzstarken Investoren und Dürr gewinnt an Investment-Qualität. Aktien, Anleihen und Fonds für die private Geldanlage.

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Die DAX-Kurve wird in Frankfurt am Main (Hessen) auf der großen Anzeigetafel wiedergegeben. Quelle: dpa

Aktientipp: AEP - 422 Quartale in Serie gab es etwas für die Aktionäre

American Electric Power (AEP), gegründet 1906 als American Gas and Electric Company, ist einer der größten Stromversorger in den USA. An das insgesamt gut 64 000 Kilometer lange Stromnetz – das größte des Landes – sind 5,4 Millionen Kunden in elf US-Bundesstaaten angeschlossen. AEP betreibt gut 60 Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 32 000 Megawatt. Kohle dominiert den Produktionsmix. Rund 60 Prozent entfallen noch auf den klimaschädlichsten unter den fossilen Brennstoffen. Bis 2026 will AEP den Kohleanteil auf 45 Prozent abbauen. Dafür soll der Erdgasanteil von heute 23 Prozent auf 33 Prozent weiter erhöht werden. Erdgas ist der sauberste fossile Energieträger.

Aktientipp AEP

Die übrigen Kapazitäten speisen sich aus Atomund Wasserkraft sowie aus erneuerbaren Energien. 2014 hatte die US Environmental Protection Agency (EPA) neue Regeln für CO2-Emissionen bei Kraftwerken erlassen. Trotz des hohen Anteils von Kohlekraftwerken meisterte AEP die Vorgaben vergleichsweise gut. Zum Teil wurden Kraftwerke schon im Vorfeld umgerüstet auf die neuen Grenzwerte. Abzulesen ist das auch an der Entwicklung der CO2-Emissionen. Seit 1998 konnte AEP den CO2-Ausstoß seiner Kraftwerke um gut ein Drittel auf unter 130 Millionen Tonnen reduzieren. Im November 2015 schüttete AEP eine Quartalsdividende von 56 Cent pro Aktie an seine Aktionäre aus. Es war die 422. Quartalsausschüttung in Serie seit Juni 1910. Aufs Jahr gerechnet, wirft die Versorgeraktie damit eine Dividendenrendite von rund vier Prozent ab.

Elior - Barcelona sehen und speisen

Vor zehn Jahren übernahm die Private-Equity-Firma Charterhouse den französischen Caterer Elior für 2,5 Milliarden Euro. Die Börsennotiz wurde daraufhin eingestellt. Seit Juni 2014 ist Elior wieder zurück an der Pariser Börse. Charterhouse will schrittweise Aktien verkaufen, ein Übernahmeangebot der Finanzinvestoren CVC und BC Partners über 3,5 Milliarden Euro war den Elior-Eignern nicht hoch genug. Zu Recht: Der aktuelle Marktwert von Elior einschließlich 1,452 Milliarden Euro Nettoschulden liegt bei rund 4,7 Milliarden Euro. Charterhouse hält noch 17,6 Prozent des Aktienkapitals. Größter Einzelaktionär ist die Holding BIM des Unternehmensgründers Robert Zolade mit 25 Prozent der Aktien. Die Franzosen versorgen in 13 Ländern täglich rund vier Millionen Kunden mit Speisen und Getränken – in Mensen, Kantinen, Raststätten, Bahnhöfen, auf Airports und bei Großveranstaltungen.

Aktientipp Elior

Mit dem FC Barcelona zog Elior unlängst einen imageträchtigen Kunden an Land. Die Franzosen erhielten den Zuschlag für das Catering im 100 000 Zuschauer fassenden Fußballtempel Camp Nou. Um 6,2 Prozent auf 5,674 Milliarden Euro zog Eliors Umsatz 2014/15 (30. September) an. Die operativen Mittelzuflüsse verbesserten sich um zehn Prozent auf 330 Millionen Euro. Nach Abzug der Investitionen sind 189 Millionen Euro freie Mittel geblieben. Davon sollen gut 55 Millionen Euro oder 32 Cent pro Aktie als Dividende an die Aktionäre gehen. Mit dem Rest soll der Schuldenabbau fortgesetzt werden. Das Management will das Verhältnis von Nettoschulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda) bis zum Ablauf des aktuellen Geschäftsjahres von 3,0 auf 2,5 drücken. Analysten sind zuversichtlich dass dies gelingt. Sie gehen für 2015/16 auch von einer weiteren Anhebung der Dividende auf 38 Cent pro Aktie aus.

Novagold - Investoren mit tiefen Taschen im Rücken

Die kanadische Bergbaugesellschaft ist an zwei großen Minenprojekten in Nordamerika mit jeweils 50 Prozent beteiligt. In Alaska entwickelt Novagold zusammen mit dem weltweit größten Goldkonzern Barrick Gold das Projekt Donlin Gold. Dort wurden bisher rund 34 Millionen Unzen Gold nachgewiesen, deren Abbau derzeit wirtschaftlich möglich wäre. Mit 2,24 Gramm Gold pro Tonne Gestein liegt der Goldgehalt von Donlin Gold nahezu doppelt so hoch wie im Durchschnitt des internationalen Goldbergbaus. Das macht die Ausbeutung dieser Lagerstätte besonders lukrativ. Sollte das rund sieben Milliarden Dollar teure Megaprojekt in einigen Jahren die Produktion aufnehmen, ließen sich über einen Zeitraum von mindestens 27 Jahren im Schnitt 1,1 Millionen Unzen Gold pro Jahr fördern, zu voraussichtlichen Gesamtkosten je geförderter Unze von weniger als 800 Dollar.

Aktientipp Novagold

Weltweit weisen nur vier weitere Goldbergwerke ein jährliches Produktionspotenzial von über einer Million Unzen Gold auf. In der kanadischen Provinz British Columbia arbeitet Novagold zusammen mit dem Minenkonzern Teck an der Erschließung von Galore Creek. Neben 5,5 Millionen Unzen Gold wurden dort 6,8 Milliarden Pound Kupfer und 102 Millionen Unzen Silber nachgewiesen. Novagold legt den Fokus aber auf die Entwicklung von Donlin Gold. Für den Anteil am Gold- Kupfer-Vorkommen Galore liebäugelt das Management inzwischen mit einem Verkauf der Beteiligung, sofern der Preis stimmt. Hinter Novagold stehen Investoren mit tiefen Taschen. Die Investmentfirma des Hedgefondsmilliardärs John Paulson hält 11,2 Prozent des Aktienkapitals. Größter Aktionär ist die auf Bergbauprojekte spezialisierte Investmentgruppe Electrum Strategic Resources mit gut 25 Prozent Kapitalanteil. Zum Aktionärskreis gehört auch Marc Faber. Die Schweizer Investmentlegende sitzt auch im Aufsichtsrat von Novagold.

Anleihe- und Fondstipp

Anleihetipp: Dürr - Vom Holzweg bis zum digitalen Netz

Obwohl der Softwarespezialist Itac aus Montabaur bisher nur auf 15 Millionen Euro Jahresumsatz kommt, gehört er zu den großen Hoffnungsträgern des MDax-Unternehmens Dürr. Der Maschinenbaukonzern, der Itac vor wenigen Wochen zum Preis von wahrscheinlich 30 bis zu 40 Millionen Euro gekauft hat kommt damit einen großen Schritt weiter im Geschäft mit der digitalen Vernetzung von Produktionsabläufen. Als Bestandteil eines renommierten Maschinenkonzerns dürfte Itac nun deutlicher als bisher zulegen. Dürr erschließt sich damit das rentable Geschäft mit Produktionssteuerungen und bekommt Zugang zu neuen Kunden aus den Branchen Telekom, Elektronik und Medizintechnik. Für Dürr-Anleihen (gesamter Nennwert: 300 Millionen Euro), die bis 2021 knapp zwei Prozent Jahresrendite abwerfen, ist das ein gutes Umfeld. Fast 3,7 Milliarden Euro Umsatz und an die 340 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) erzielte Dürr voraussichtlich im vergangenen Jahr.

Kurs104,77 Prozent
Rendite1,91 Prozent
Kupon:
2,875 Prozent
Laufzeit bis3.4.2021
WährungEuro
ISINXS1048589458
Stand: 09.01.2016

Das deutliche Plus von 41 Prozent bei den Erlösen und 25 Prozent beim Ebitda gegenüber 2014 ist vor allem der Schwarzwälder Homag zu verdanken, die Dürr vor gut einem Jahr übernommen hat. Die Integration des Weltmarkführers von Holzbearbeitungsmaschinen kommt voran: Die Expansion in Nordamerika ist vielversprechend, der Ausbau des Servicegeschäfts läuft. Der Auftragseingang im Geschäft mit Holzbearbeitungsmaschinen erhöhte sich in den ersten neun Monaten 2015 um elf Prozent. Dieser Zuwachs ist umso wichtiger, da das Kerngeschäft mit Lackieranlagen für die Automobilindustrie stagniert und vor allem unter einem Abschwung in China leiden würde. Die Eigenkapitalquote von Dürr liegt bei 22 Prozent. Das ist nicht üppig, dafür aber hat das Unternehmen keine Netto- Schulden, sondern 35 Millionen Euro Cash.


Fondstipp: First State Infrastructure - Straßenmaut und Frachtraten kassieren

Großanleger investieren zunehmend in Infrastruktur, etwa Windparks, Mautstraßen, Autobahnraststätten. So hat sich etwa die Meag, der Anlagemanager für die Versicherungsgelder von Ergo und Münchener Rück, an Tank & Rast beteiligt. Da vielen Ländern das Geld fehlt, um Straßen, Schienen, Internetverbindungen und Stromtrassen auszubauen, sind private Gelder willkommen. Die EU-Versicherungsaufsicht will Infrastrukturinvestments für Versicherer künftig erleichtern, indem sie von den Versicherern geringere Kapitalrückstellungen fordert. Privatanleger können sich über einen „Europäischen Langfristigen Investmentfonds“ (kurz ELTIFs) beteiligen. Allerdings haben diese Fonds starre Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Zu lang für Anleger, die flexibel bleiben wollen. Besser sind Aktienfonds, die in Unternehmen investieren, die am Infrastrukturaufbau verdienen. Allerdings machen es sich viele Fonds bei der Titelauswahl zu einfach: Sie kaufen vor allem Versorger und Telekomkonzerne.

Fondstipp First State Infrastructure

Breiter aufgestellt ist der First State Global Infrastructure. So investiert der Fonds etwa in den US-Bahnkonzern Union Pacific und Transurban, einen australischen Betreiber von mautpflichtigen Straßen. Dank des krisensicheren Geschäfts hat sich der Transurban- Kurs in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Die Aktie ist jedoch kein Schnäppchen. Auf Basis des Gewinns aus 2014 (Geschäftsjahr endete im Juli 2014) hätte Transurban derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 58. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 machten die Australier Verlust. Fantasie liegt in neuen Projekten. So beteiligt sich Transurban am Straßennetz im Umland der USBundeshauptstadt Washington. Union Pacific, eine der Lieblingsaktien von Warren Buffett, profitiert derzeit vom niedrigen Ölpreis. Im dritten Quartal 2015 hat das Unternehmen im Durchschnitt 40 Prozent weniger für Treibstoff ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Sollte die US-Konjunktur 2016 anziehen, dürfte Union Pacific zu den Gewinnern zählen.

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