Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Unilever: Schöner und gepflegter Quelle: dpa

Gas-Riese Novatek mit guten Aussichten in China, Unilever ist wieder gefragt, Hochtief hofft auf Auftragsflut und bei Darden Restaurants sind Gewinnmitnahmen angezeigt. Aktien, Anleihen und Fonds für Privatanleger.

Aktientipp 1: Novatek - Russisch-französische Föderation

Nur neun Tage haben die beiden mit Flüssiggas (LNG) beladenen Tanker Eduard Toll und Vladimir Rusanov gebraucht, um durch die Eis-Passage von Westsibirien durch das Nordpolarmeer zu kommen. In Kürze werden sie den Zielhafen Jiangsu Rudong nördlich von Shanghai erreichen. Der russische Gasförderer Novatek liefert damit erstmals über die Nordroute Flüssiggas aus seinen neuen sibirischen Vorkommen nach China. Die Nachfrage am Ziel ist groß. Um mehr als 70 Prozent, schätzen die Marktforscher von IHS Markit, werde der globale LNG-Bedarf deshalb bis 2030 steigen.

Wichtigster Förderer im wachsenden LNG-Geschäft ist das russische Unternehmen Novatek. Es verfügt schon heute über die weltweit drittgrößten Erdgasreserven. Dabei hat die Produktion im neuen Feld in Westsibirien gerade erst begonnen. In der Arktis sind weitere Vorkommen erschlossen, deren Förderung ab 2023 beginnen soll.

Finanzstarker Partner ist der französische Energiekonzern Total, der mit 20 Prozent an Novatek beteiligt ist. Eine steigende Produktion, höhere Gaspreise und günstige Förderkosten dürften Novatek in diesem Jahr einen Rekordgewinn bescheren, der bei umgerechnet rund 2,8 Milliarden Euro liegen könnte.

Dass mit dem Multimilliardär Gennadi Timtschenko ein langjähriger Freund von Staatschef Wladimir Putin hinter Novatek steht, ist für das Unternehmen vorteilhaft. Novatek ist eine langjährige Spekulation auf den LNG-Markt. Die Aktie wird auch an deutschen Börsen gehandelt. In Frankfurt ist die Kauf-Verkaufs-Spanne mit 0,2 Prozent verträglich.

Aktientipp 2: Unilever - Schöner und gepflegter

Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever wurde in den vergangenen Jahren von Investoren oft als Anleiheersatz gekauft. Stabile und hohe freie Mittelzuflüsse garantierten kontinuierliche Dividenden, während Anleihen guter Bonität kaum mehr Rendite abwarfen. Das änderte sich im Herbst vergangenen Jahres.

Mit den anziehenden Renditen in den USA kamen die Kurse defensiver Konsumgüterwerte unter Druck. Die Unilever-Aktie verlor, gemessen am Rekordhoch, zwischenzeitlich 20 Prozent. Dieser Schock aber ist inzwischen verdaut. Angesichts des weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus und eines ungelösten Handelstreits zwischen den USA und dem Rest der Welt besinnen sich Anleger inzwischen wieder auf defensive Qualitätsaktien. Die Unilever-Aktie ist in ihren langfristigen Aufwärtstrend eingeschwenkt. Gegenüber Wettbewerber Nestlé steht Unilever in der Anlegergunst höher – sowohl bei den Marktsegmenten als auch bei der geografischen Aufstellung. Während Nestlé stärker auf Nahrungsmittel setzt, legt Unilever seinen Fokus auf Pflege- und Schönheitsprodukte, wo weniger Risiken liegen. In Schwellenländern ist Unilever auch stärker vertreten. Die Märkte dort steuern fast 60 Prozent zum Umsatz bei gegenüber 43 Prozent bei Nestlé. Im ersten Quartal zogen Unilevers Umsätze dort gut fünf Prozent an.

Die erste Wahl wäre der britisch-niederländische Konzern auch für Kraft Heinz. Das Unilever-Management wies die 154 Milliarden Euro schwere Offerte des US-Konkurrenten als unzureichend zurück. Ein neuer Anlauf von Kraft ist nicht ausgeschlossen.

Aktientipp 3: Kinder Morgan - Milliardenhilfe von Justin Trudeau

Der amerikanische Energiedienstleister Kinder Morgan (KMI) hat eigentlich ein stabiles Geschäft: Er betreibt in Nordamerika 140.000 Kilometer Pipelines und 152 Terminals für die Öl- und Gasindustrie, für Versorger und Chemieunternehmen. Die Gewinne aus diesem Netz werden wie ein Zoll erhoben und waren jahrelang stabil – bis zwei Ereignisse dazwischenkamen: Die Ölpreis-Baisse 2015/16 und der massive Protest gegen das größte, viele Milliarden teure Expansionsprojekt von KMI, den Ausbau der Transmountain-Pipeline von Edmonton in Alberta nach Vancouver.

Beide Probleme sind jetzt vom Tisch. Die Erholung der Öl- und Gaspreise und die lebhafte Förderung aus Schiefergestein erhöht den Transportbedarf bei Energierohstoffen und verschafft Kinder Morgan mehr Aufträge. Zugleich kommt sie dem eigenen, kleinen Ölfördergeschäft zugute.

Entscheidend für die Aktie aber ist, dass Kinder Morgan das ins Stocken geratene Milliardenprojekt Transmountain-Pipeline für 3,4 Milliarden Dollar an den kanadischen Staat verkaufen konnte. Regierungschef Justin Trudeau will den Ausbau der für Kanada so wichtigen Pipeline unbedingt unter staatlicher Ägide durchziehen. KMI hat damit die größte Unsicherheit vom Hals und kann Ersatzprojekte anstoßen, etwa eine Pipeline von neuen Ölquellen in Texas zum Golf von Mexiko. Zugleich hilft das, den hohen Schuldenberg abzutragen. Gut möglich, dass es jetzt noch zu weiteren Umstrukturierungen kommt. So könnte ein Verkauf des kleinen Ölgeschäfts sowie der Randsparte Kohlendioxidtransporte weit mehr als zehn Milliarden Dollar einspielen.

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